15.08.2022

Brief bestätigt Verdacht: Carter hat Schätze von Tutanchamun gestohlen

Ein bisher unveröffentlichter Brief scheint die schon lange im Raum schwebende Vermutung zu stützen, dass der berühmte Entdecker der Tutanchamun-Grabkammer einem Teil des Inhalts unterschlagen hat.

 

Es gibt nur wenige Forscher, die selbst in die Geschichte eingingen und so berühmt wurden wieder britische Archäologe Howard Carter - der Mann, der mit finanzieller Unterstützung von Lord Carnarvon am 4. November 1922 im ägyptischen Tal der Könige das Grab (KV 62) von Tutanchamun entdeckte. Bei der Öffnung der nahezu ungeplünderten Grabkammer fand man eine Menge kostbarer Grabbeigaben vor, unter anderem seine 11 Kilo schwere Totenmaske aus massivem Gold und mit Lapislazuli und Halbedelsteinen verziert, die zu den wohl berühmtesten Artefakten des alten Ägyptens zählt.

Im Laufe der Jahre haben jedoch viele Experten ihre Zweifel an Carters Aufrichtigkeit geäußert, weil sie Hinweise darauf fanden, die den Verdacht erhärten, dass Carter schon vor der offiziellen Öffnung der Grabkammer einige kostbare Relikte unrechtmäßig beiseitegeschafft haben könnte. Zwar waren die bisher dafür vorliegenden Belege nicht überzeugend genug, doch jetzt könnte ein an ihn adressierter und bisher unveröffentlichter Brief seine Schuld ein für alle Mal nachweisen.

 

Es handelt sich um einen Brief, den Sir Alan Gardiner, einer der bedeutendsten Ägyptologen des frühen 20. Jahrhunderts, 1934 an Carter schrieb und darin ein Amulett erwähnt, das Carter ihm als Entschädigung für die Übersetzung einiger Hieroglyphen geschenkt hatte. Sir Gardiner schrieb, dass er das Amulett dem britischen Direktor des Ägyptischen Museums in Kairo, Rex Engelbach, gezeigt hatte und er ihm offenbarte, dass das Artefakt zweifellos aus Tutanchamuns Grab gestohlen worden sei. „Ich bedauere zutiefst, in eine so unangenehme Lage geraten zu sein", teilte er Carter in dem Brief mit. „Selbstverständlich habe ich Engelbach nicht gesagt, dass ich das Amulett von Ihnen erhalten habe."


Der Brief scheint zu bestätigen, dass Carter das Amulett tatsächlich aus Tutanchamuns Grabkammer gestohlen hat, doch wie viele Wertgegenstände er genau entwendet hat, bleibt vorerst unklar.

 

Die Briefe, die sich jetzt in einer Privatsammlung befinden, werden demnächst in einem Buch der Oxford University Press mit dem Titel Tutanchamun and the Tomb that Changed the World (deutsch: Tutanchamun und das Grab, das die Welt veränderte) veröffentlicht, das ab dem 22. September erhältlich ist.

Tutanchamun

Nach gängiger Lehrmeinung war Ägyptens Kindskönig Tutanchamun (1341 - 1323 v. Chr.) der Sohn vom nicht minder berühmten Pharao Echnaton, der im 17. Jahr seiner Regierung eines bis heute noch ungeklärten Todes starb. Echnaton (auch Amenophis IV. oder Amenhotep IV.) regierte während der 18. Dynastie (Neues Reich) und wurde als Ketzerkönig bekannt, weil er alle bisherigen ägyptischen Götter verbot und den Gott Aton in Gestalt der Sonnenscheibe zum Gott über alle Götter Ägyptens erhob. Zudem ließ er die alten Tempel schließen, vertrieb die Priester und ersetzte die Hauptstadt Theben durch Achet-Aton (Tell el-Amarna), die er neu gründete und dem neuen Hauptgott weihte.

Tutanchamun wurde nicht sehr alt, er starb im Alter zwischen 18 und 20 Jahren vermutlich bei einem Unfall und wurde auf eine sehr ungewöhnliche Weise einbalsamiert, denn ihm wurde das Herz entfernt und dafür ein Skarabäus als Ersatz eingesetzt. Auch sein Penis wurde entgegen der üblichen Bestattungen in einem 90-Grad-Winkel mumifiziert und seine Mumie und Särge wurden von einer dicken Schicht schwarzer Flüssigkeit umschlossen.

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay


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