05.11.2022

Zum Jubiläum: Fünf Dinge, die kaum jemand über Tutanchamun weiß

Am 4. November 1922 entdeckte der britische Archäologe Howard Carter mit finanzieller Unterstützung von Lord Carnarvon das Grab von Ägyptens Kindskönig Tutanchamun (1341 - 1323 v. Chr.) im Tal der Könige. Zu diesem 100-jährigen Jubiläum hier fünf der interessantesten Dinge über die Entdeckung, die nicht Jedem bekannt sein dürften:

 

Der Fluch des Pharaos

Den legendären Fluch des Tutanchamun gab es in Wahrheit nicht, denn er wurde von britischen Zeitungen und anderen Gruppen im Westen erfunden. In seiner Grabstätte wurde kein Fluch gefunden, den jeden treffen soll, der seine Totenruhe stört. Die ganze Legende wurde nach Lord Carnarvons tragischem Tod am 5. April 1923 erfunden, nachdem er sich einen Mückenstich an der Wange aufgeschnitten hatte, der sich entzündete.

 

Britische Zeitungen verbreiteten daraufhin phantastische Geschichten über einen Fluch, der mit Tutanchamuns Grab verbunden sei und gingen sogar so weit, einen eigenen Text für den Fluch zu erfinden. Eine wissenschaftliche Abhandlung über den Grafen zeigte, dass nichts Übernatürliches geschah, und eine andere Arbeit zeigte, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen, die an dem Grab arbeiteten, für die damalige Zeit völlig normal war. Carter selbst sagte, dass der Fluch Unsinn sei und dass die Gefühle eines Ägyptologen nicht von Angst, sondern von Respekt und Ehrfurcht geprägt seien.

Carter war selbst ein Grabräuber

Der Tod von Lord Carnarvon führte zu Spannungen zwischen Carter und der ägyptischen Regierung wegen der Frage, wer den Zugang zum Grab kontrollieren sollte - dies führte sogar dazu, dass Carter die Arbeit am Grab für den größten Teil des Jahres 1924 einstellte. Am Ende gingen die meisten Artefakte aus dem Grab an das Ägyptische Museum in Kairo, was zu jener Zeit nicht üblich war, da die Sponsoren der Ausgrabungen ebenfalls einen Teil der Ausgrabungs-Gegenstände erhielten.

 

Es sieht jedoch so aus, als hätte Carter selbst ein paar Objekte unterschlagen. Die Gerüchte darüber gab es schon von Anfang an, doch den Nachweis konnte erst vor ein paar Monaten erbracht werden, nachdem Forscher bei ihren Recherchen Briefe von Carter entdeckten, die den Verdacht erhärten, dass Carter schon vor der offiziellen Öffnung der Grabkammer einige kostbare Relikte unrechtmäßig beiseitegeschafft hat (wir berichteten hier). Alle 18 Gegenstände, von denen man annimmt, dass sie aus dem Grab stammen, wurden aber inzwischen nach Ägypten zurückgeführt.

Tutanchamuns außerirdische Artefakte

Die Schätze, die in Tutanchamuns Grab gefunden wurden, sind von unglaublicher Pracht, doch es gibt zwei Gegenstände, die sogar buchstäblich außerirdisch sind: Ein Dolch und eine Brosche, die aus Meteoriten hergestellt wurden.

 

Der gut 30 Zentimeter lange Eisendolch wurde am rechten Oberschenkel der Mumie gefunden und hat eine Klinge aus nichtrostendem Metall, das größtenteils aus Eisen besteht, das mit einem Eisenmeteoriten auf die Erde stürzte. Sein Griff besteht aus feinem Gold, dekoriert mit feinen Stegen und Dellen und endet in einem Bergkristall.

 

Die Brosche enthält einen markanten gelb-braunen Skarabäus in der Mitte, der aus gelbem Quarzglas aus Saharasand hergestellt und dann geformt und poliert worden war. Das Quarzglas hatte sich ursprünglich vor rund 28 Millionen Jahre gebildet, als ein Komet in die Erdatmosphäre eintrat und über Ägypten explodierte. Jenes Ereignis heizte den Sand unter ihm auf eine Temperatur von etwa 2.000 Grad Celsius und bildete dadurch in einem Umkreis von ca. 6.000 Quadratkilometer eine riesige Menge des gelben Quarzglases in der Sahara. Im Zentrum des Ganzen wurde ein rätselhafter schwarzer Kiesel im Bereich des Quarzglases gefunden. Nach der Durchführung einiger chemischen Analysen von diesem Kiesel, kamen Forscher zu dem Schluss, dass dies das älteste Exemplar eines Kometenkerns sei, welches man jemals auf der Erde gefunden hat.

 

Die Objekte sind so wunderschön, dass die alten Ägypter für das Material sogar eine spezielle Hieroglyphe hatten, die so viel wie »Eisen vom Himmel« bedeutet. Das zeigt nicht nur, dass sie wussten, dass gelegentlich Eisenbrocken vom All auf die Erde fallen, sondern auch, dass sie diese offenbar auch aufspürten, wenn sie sie fallen sahen, und daraus wertvolle Gegenstände herstellten. Und das etwa 2.000 Jahre bevor westliche Kulturen sich dessen ebenfalls bewusst wurden.


Tutanchamuns Inzucht-Stammbaum

Nach gängiger Lehrmeinung war Tutanchamun der Sohn vom nicht minder berühmten Pharao Echnaton, der im 17. Jahr seiner Regierung eines bis heute noch ungeklärten Todes starb. Echnaton war mit Nofretete verheiratet, die einst als Mutter von Tutanchamun angesehen wurde, doch genetische Analysen legen nahe, dass seine tatsächliche Mutter Echnatons Schwester war, deren Name nicht bekannt ist und nur als »die jüngere Frau« bezeichnet wird.

 

Auch Tutanchamun selbst führte die Inzucht fort und heiratete seine Halbschwester Ankhesenamun (Tochter von Echnaton und Nofretete). Während ihrer kurzen Ehe verloren sie zwei Töchter und hatten keine weiteren Erben.

 

Tutanchamuns Erektion zu Ehren von Osiris

Howard Carter berichtete, dass Tutanchamun mit erigiertem Penis mumifiziert worden war, was sehr wahrscheinlich gezielt geschah. Bei der Untersuchung durch Carter und den Anatomen Douglas Derry brachen der Penis und andere Körperteile jedoch ab, sodass er bei einer Untersuchung im Jahr 1968 war er nicht vorhanden, als die Mumie zum ersten Mal einem CT unterzogen wurde.

 

Der Körper des Pharaos war mit tiefschwarzem Harz bedeckt, was vermutlich zu Ehren von Osiris geschah. Osiris wurde mit Fruchtbarkeit und Wiedergeburt in Verbindung gebracht, weshalb der erigierte Phallus ein weiteres verheißungsvolles Symbol für den Pharao sein könnte, das mit dem antiken Gott verbunden ist.

 

Die sterblichen Überreste von Tutanchamun wurden in sein ursprüngliches Grab zurückgebracht, wo sie nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten erneut beigesetzt wurden. Das Grab selbst sieht fantastisch aus und wurde so gestaltet, dass es die letzte Ruhestätte des Pharaos respektiert und den unglaublichen Fund, den diese Entdeckung darstellt, bewahrt.

Tutanchamun

Es gibt nur wenige Forscher, die selbst in die Geschichte eingingen und so berühmt wurden wie der britische Archäologe Howard Carter - der Mann, der mit finanzieller Unterstützung von Lord Carnarvon am 4. November 1922 im Tal der Könige das Grab (KV62) von Tutanchamun entdeckte.

Bei der Öffnung der nahezu ungeplünderten Grabkammer fand man eine Menge kostbarer Grabbeigaben, unter anderem auch Tutanchnamuns 11 Kilo schwere Totenmaske aus massivem Gold, die mit Lapislazuli sowie Halbedelsteinen verziert worden war und die zu den wohl berühmtesten Artefakten des alten Ägyptens zählt.

Nach gängiger Lehrmeinung war Ägyptens Kindskönig Tutanchamun (1341 - 1323 v. Chr.) der Sohn vom nicht minder berühmten Pharao Echnaton, der im 17. Jahr seiner Regierung eines bis heute noch ungeklärten Todes starb. Echnaton (auch Amenophis IV. oder Amenhotep IV.) regierte während der 18. Dynastie (Neues Reich) und wurde als Ketzerkönig bekannt, weil er alle bisherigen ägyptischen Götter verbot und den Gott Aton in Gestalt der Sonnenscheibe zum Gott über alle Götter Ägyptens erhob. Zudem ließ er die alten Tempel schließen, vertrieb die Priester und ersetzte die Hauptstadt Theben durch Achet-Aton (Tell el-Amarna), die er neu gründete und dem neuen Hauptgott weihte.

Tutanchamun wurde nicht sehr alt, er starb im Alter zwischen 18 und 20 Jahren vermutlich bei einem Unfall und wurde auf eine sehr ungewöhnliche Weise einbalsamiert, denn ihm wurde das Herz entfernt und dafür ein Skarabäus als Ersatz eingesetzt. Auch sein Penis wurde entgegen der üblichen Bestattungen in einem 90-Grad-Winkel mumifiziert und seine Mumie und Särge wurden von einer dicken Schicht schwarzer Flüssigkeit umschlossen.

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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