28.01.2022

Astronomen finden mögliche Erklärung für die rätselhaften Radiosignale

Astronomen haben eine mögliche Erklärung für die rätselhaften Signale gefunden, die von einer unbekannten Quelle in 4.000 Lichtjahren Entfernung ausgesendet wurden.

 

In 2018 erregte ein rätselhaftes Objekt aufgrund seiner Abfolge von drei Mal in der Stunde wiederholenden Radiosignalen die Neugier der Astronomen und wurde kurzzeitig sogar als potenzieller Beweis für intelligentes außerirdisches Leben angesehen.

Die Tatsache, dass die Signale nach nur drei Monaten plötzlich aufzuhören schienen, war besonders faszinierend. „Für einen Astronomen war es irgendwie gruselig, denn es gibt nichts am Himmel, das so etwas tut", so die Astronomin Natasha Hurley-Walker, deren Team die Entdeckung machte, gegenüber dem The Guardian. Nach weiteren Untersuchungen wurde jedoch festgestellt, dass die anomalen Signale höchstwahrscheinlich von einem rotierenden Objekt und nicht von einer außerirdischen Zivilisation erzeugt wurden.

 

So könnte es sich um einen rund 4.000 Lichtjahre entfernten so genannten »ultralangperiodischen Magnetar« handeln - eine hypothetische Form eines Neutronensterns (eine Art winziger, ultradichter Stern, der übrigbleibt, nachdem ein besonders großer Stern als Supernova explodiert ist) mit einem Magnetfeld, das stärker ist als das aller anderen bekannten Objekte im Universum.

Das Astronomenteam um Natasha Hurley-Walker vom Internationalen Zentrum für Radioastronomieforschung an der Curtin University glaubt, dass es sich bei dem Objekt um eine neue Klasse von langsam rotierenden Neutronensternen mit einem extrem starken Magnetfeld handeln könnte. „Es handelt sich um eine Art langsam rotierender Neutronenstern, dessen Existenz theoretisch vorhergesagt wurde", so Hurley-Walker. „Aber niemand hat erwartet, einen solchen Stern direkt zu entdecken, weil wir nicht damit gerechnet haben, dass sie so hell sind." Ein Rätsel bleibt jedoch bestehen - warum hörten die Signale nach nur wenigen Monaten auf?

 

Wie die Astronomen in ihrer im Fachjournal Nature veröffentlichten Studie schreiben, wäre eine mögliche Erklärung, dass ein bestimmtes Ereignis wie ein Sternenbeben die Freisetzung eines großen Energiestoßes in den Weltraum (und die darauf folgende Serie von Impulsen) ausgelöst haben könnte. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, um Gewissheit zu erlangen.


Über Neutronensterne & Magnetare

Neutronensterne (Pulsare) sind nur ca. 20 Kilometer im Durchmesser groß aber die dichtesten, magnetischsten und am schnellsten rotierenden Objekte im Universum, die man sogar direkt beobachten kann. Sie bestehen aus dem enorm dichten Kern eines massereichen Sterns, der am Ende seines Lebenszyklus seinen Brennstoff aufgebraucht hat, unter seinem eigenen Gewicht kollabierte und als Supernova explodierte. Neutronensterne weisen eine derartig hohe Dichte auf, dass ein Teelöffel Neutronensternmaterie rund eine Milliarde Tonnen wiegen würde.

Auch Magnetare sind Neutronensterne, allerdings mit 100- bis 1000-fach stärkeren Magnetfeldern als diejenigen typischer Pulsare. Sie haben eine dicke Kruste, die von einer Oberfläche aus Eisen überzogen ist. Durch ihre enorm schnelle Rotation wickeln sie die Magnetfeldlinien auf, wodurch sich die Oberfläche auf viele Millionen Grad erhitzt und ein riesiger Druck entsteht, bis die Kruste schließlich zerbirst und hochenergetische Gammastrahlung ins All geschleudert wird. Diese durch den Bruch in der Kruste plötzliche Freisetzung gespeicherter Energie löst energiereiche Ausbrüche aus und lässt die Kruste vibrieren, was als Sternbeben bezeichnet wird.

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Magnetar - ESO, L. Calcada

Künstlerische Darstellung eines Magnetars
Künstlerische Darstellung eines Magnetars

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