30.12.2022

Die fünf bedeutendsten Weltraummissionen, die für 2023 geplant sind

Wir verlassen ein sehr ereignisreiches Jahr in der Raumfahrt und auch für die kommenden 12 Monaten stehen noch einige sehr interessante Ziele auf dem Programm, die mit großen Herausforderungen verbunden sind.

 

2022 war ein sehr bewegtes Jahr in der Weltraumforschung, das mit Erfolgen wie dem Abschluss der Artemis-1-Mission der NASA, der Einweihung des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) oder der Fertigstellung der chinesischen Raumstation »Tiangong« (deutsch: Himmelspalast) gekrönt wurde. Doch auch 2023 wird ein weiteres arbeitsreiches Jahr in der Raumfahrt werden. Hier sind fünf der interessantesten Missionen, die man gespannt verfolgen sollte:

 

1. Jupiter-Eismond-Explorer

Im April wird die Europäische Weltraumorganisation (ESA) den »Jupiter Icy Moons Explorer« (Juice) starten, Europas erste spezielle Robotermission zum Jupiter. Juice soll den Planeten im Juli 2031 erreichen, nachdem es eine unglaubliche Flugroute durch das Sonnensystem zurückgelegt hat. Die Mission wird in eine Umlaufbahn um den Jupiter eintreten und zahlreiche Vorbeiflüge an seinen großen Eismonden Europa, Ganymed und Callisto durchführen.

 

Nach vier Jahren der Vorbeiflüge an den Monden wird Juice dann in eine Umlaufbahn um Ganymed, den größten Mond des Sonnensystems, eintreten und damit das erste Raumfahrzeug sein, das jemals eine Umlaufbahn um den Mond eines anderen Planeten erreicht. Die Eismonde des Jupiter sind interessant, da man annimmt, dass sie alle unter ihrer gefrorenen Oberfläche Ozeane mit flüssigem Wasser beherbergen. Vor allem Europa gilt als eines der aussichtsreichsten Orte im Sonnensystem für außerirdisches Leben.

 

Juice wird mit zehn wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet sein, darunter ein eisdurchdringendes Radar zur Untersuchung der inneren Ozeane. Der Einsatz des Radars ist ein erster praktischer Schritt zur Kartierung der Ozeane unter der Oberfläche und ebnet den Weg für exotischere künftige Missionen mit Unterwasserrobotern, von denen einige bereits in Vorbereitung sind. Das Startfenster läuft vom 5. bis 25. April.

2. SpaceX-Raumschiff

Obwohl das private Luft- und Raumfahrtunternehmen SpaceX zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels noch kein Datum bekannt gegeben hat, wird der erste orbitale Testflug des superschweren Raumschiffs »Starship« für Anfang 2023 erwartet. Mit einer Länge von 119 Metern, einem Durchmesser von 9 Metern, einem Gewicht von 120 Tonnen und sechs Triebwerken - drei feste und drei bewegliche - soll Starship in Zukunft alle SpaceX-Missionen übernehmen, die bisher von ihren Trägerraketen »Falcon 9« sowie »Falcon Heavy« durchgeführt wurden. Dazu zählen Satellitenstarts, Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation (ISS) sowie das Landen auf Planeten oder jeden anderen Himmelskörper und die Rückreise zur Erde.

 

Starship besteht im Grunde aus zwei Komponenten: Einer ersten Raketenstufe namens »Super Heavy«, die laut Plan mit 28 bis 31 SpaceX-Raptor-Triebwerken betrieben werden und mit bis zu 6.200 Tonnen Schub die Oberstufe Starship in den Erdorbit befördern soll. Dort trennt sich Starship von Super Heavy und startet mit seinen eigenen Triebwerken zu seinem Missionsziel.

 

Es wurden bereits mehrere kurze Starship-Testflüge mit unterschiedlichem Erfolg durchgeführt, weshalb es überrascht, dass das Unternehmen bereits im nächsten Jahr eine vollständig bemannte Mission in die Mondumlaufbahn starten will - sogar noch früher als die Artemis II-Mission der NASA.

 

3. dearMoon

Das lang erwartete Projekt »dearMoon« des japanischen Milliardärs Yusaku Maezawa, das Privatpersonen auf eine sechstägige Reise um den Mond und zurück mitnehmen soll, ist mit dem Starship von SpaceX und ursprünglich für 2023 geplant. Der genaue Termin hängt vom erfolgreichen Test von Starship ab und ist bereits seit 2018 geplant. Es wird der erste Start eines echten Weltraumtourismusfluges sein.

 

Maezawa hatte im vergangenen Jahr eine weltweite Suche nach kreativen Köpfen für die von ihm finanzierte Mission gestartet, um daraus geeignete Bewerber auszuwählen, die ihn auf dem Weltraumflug begleiten dürfen. Und so wie es aussieht, hat er sich für folgende Persönlichkeiten entschieden: K-Pop-Rapper Choi Seung hyun, Tänzerin Yemi A.D., DJ Steve Aoki, Tierfotograf Karim Iliya, YouTuber Tim Dodd und Schauspieler Dev Joshi (wir berichteten hier). Der Erfolg oder Misserfolg der dearMoon-Mission könnte darüber entscheiden, ob der Weltraumtourismus das nächste große Ding wird oder ob es zu einem Hirngespinst verkommt.

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4. Asteroidenforscher kehrt zur Erde zurück

Die NASA-Mission »OSIRIS-REx« (Origins Spectral Interpretation Resource Identification Security - Regolith Explorer) führte zum erdnahen Asteroiden Bennu und deren Hauptziel war, Proben von Bennu zu sammeln und sie zur Analyse zur Erde zurückzubringen.

 

Am 24. September soll OSIRIS-REx nun mit bis zu einem Kilogramm wertvoller Asteroidenproben an Bord zur Erde zurück. Wenn alles gut geht, wird sich die Kapsel vom Raumschiff lösen, in die Erdatmosphäre eintreten und mit dem Fallschirm sanft in der Wüste von Utah landen. Die Rückführung von Asteroidenproben ist erst ein einziges Mal gelungen, und zwar durch die Hayabusa-2-Mission der japanischen Weltraumbehörde im Jahr 2020.

 

Bennu ist ein annähernd rautenförmiger Asteroid, der nur einen halben Kilometer groß ist, doch viele interessante Merkmale aufweist. Es wird angenommen, dass er in den ersten 10 Millionen Jahren des Sonnensystems von einem viel größeren Asteroiden abgebrochen ist. Einige der in seinem Inneren entdeckten Mineralien wurden durch Wasser verändert, was darauf hindeutet, dass der alte Mutterkörper von Bennu flüssiges Wasser besaß. Er enthält auch eine Fülle von Edelmetallen, darunter Gold und Platin. Für Wissenschaftler ist er von großem Interesse, weil ihnen seine Zusammensetzung viel über die frühesten Entstehungstage unseres Sonnensystems lehren könnte.

 

Deshalb wurde die NASA-Sonde OSIRIS-REx im September 2016 mit dem Ziel zum Asteroiden entsendet, auf ihm zu landen und eine Probe für weitere Untersuchungen zu entnehmen. Die Mission war aber auch deshalb so wichtig, weil Bennu zu den gefährlichsten derzeit bekannten Asteroiden zählt und er laut den astronomischen Berechnungen theoretisch zwischen den Jahren 2169 und 2199 auf die Erde einschlagen könnte. Zwar liegt die Wahrscheinlichkeit nur bei 0,07 Prozent, dennoch wollten die Wissenschaftler ihn lieber jetzt schon erforschen, um im Falle besser auf ihn vorbereitet zu sein. Denn je mehr wir über Bennu erfahren, desto besser können wir reagieren.

5. Indiens privater Weltraumstart

SpaceX ist zwar das bekannteste private Raumfahrtunternehmen, doch es gibt inzwischen noch andere, die weltweit ihre eigenen Trägerraketen entwickeln. So wird auch Skyroot Aerospace, das seine Rakete »Vikram-S« im November 2022 erfolgreich gestartet hat, bald das erste private indische Unternehmen sein, das einen Satelliten ins All bringt.

 

Die Rakete selbst erreichte eine Höhe von 90 km, eine Entfernung, die aber noch verbessert werden müsste, um eine Satellitenkonstellation in die Umlaufbahn zu bringen. Der erste Satellitenstart von Skyroot ist für 2023 geplant. Das Unternehmen will die Kosten privater Raumfahrtkonkurrenten unterbieten, indem es seine 3D-gedruckten Raketen innerhalb weniger Tage produziert. Sollte dies gelingen, könnte dies auch einen Weg für billigere Starts wissenschaftlicher Missionen eröffnen und schnellere Forschungsmissionen ermöglichen.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: SpaceX


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