22.02.2022

Erstmals einen Asteroiden mit drei Monden identifiziert

Ein bereits im 19. Jahrhundert entdeckter Asteroid konnte jetzt als der bisher einzige mit drei Monden identifiziert werden.

 

Der Asteroid trägt den Namen »130 Elektra« (oder kurz »Elektra«) und Astronomen haben gerade festgestellt, dass er nicht nur einen oder zwei, sondern drei kleinere Monde hat mit sich führt. Dies macht ihn nicht nur zum zahlenreichsten bisher bekannten Asteroidensystem, sondern zeigt auch, wie wir in Zukunft weitere schwache, schwer zu beobachtende Asteroidenmonde finden könnten.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Asteroiden kleinere Begleiter haben, auch wenn es ziemlich selten ist, dass man sie auch aufspürt. Von den über 1.100.000 Asteroiden, die man bisher entdeckt hat, besitzen über 150 mindestens einen Mond. Elektra hat einen Durchmesser von etwa 260 Kilometern, wurde erstmals 1873 im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter entdeckt, doch sein erster Mond (S/2003 (130) 1) wurde erst 2003 und sein zweiter (S/2014 (130) 1) im Jahr 2014 entdeckt. Es gibt einen guten Grund dafür, dass es eine ganze Weile gedauert hat, diese Mini-Trabanten zu finden, denn Asteroiden sind klein und reflektieren bestenfalls nur schwach das Sonnenlicht - und alles, was noch kleiner ist und einen Asteroiden umkreist, leuchtet noch viel schwächer und wird möglicherweise von seinem Mutter-Asteroiden abgedunkelt.

 

Je kleiner und näher der Mond am Asteroiden ist, desto schwieriger wird er zu sehen sein, das ist vergleichbar mit dem Grund, warum es so schwierig ist, Exoplaneten, die andere Sterne umkreisen, direkt zu beobachten. S/2003 (130) 1 hat einen Durchmesser von nur 6 Kilometern und umkreist Elektra in einem durchschnittlichen Abstand von etwa 1.300 Kilometern; S/2014 (130) 1 hat einen Durchmesser von nur 2 Kilometern und einen durchschnittlichen Umlaufabstand von 500 Kilometern. Der neu entdeckte Mond heißt S/2014 (130) 2, ist noch kleiner und hat eine noch kleinere Umlaufbahn: Er weist einen Durchmesser von nur 1,6 Kilometern und eine durchschnittliche Umlaufbahnentfernung von 340 Kilometern auf. Außerdem reflektiert er das Licht 15.000 Mal schwächer als Elektra.


Wie das Astronomenteam in ihrer im Fachjournal The Astrophysical Journal Letters veröffentlichten Studie schreibt, hatten sie die bereits erfassten Daten des Instruments SPHERE (Spectro-Polarimetric High-contrast Exoplanet Research), das Teil des Very Large Telescope (VLT) ist und von der Europäischen Südsternwarte (ESO) am Paranal-Observatorium in Chile betrieben wird, durch eine neu entwickelte Data Reduction Pipeline (DRP) laufen gelassen, um das Rauschen mit hoher Effizienz aus den Rohdaten zu entfernen. Zudem wurden Datenverarbeitungsalgorithmen eingesetzt, um das ausgedehnte Glühen um den Asteroiden, den so genannten Halo, zu modellieren und zu entfernen. Erst nachdem die Daten diese ganzen Prozesse durchlaufen hatten, kam der winzige dritte Mond von Elektra zum Vorschein. Obwohl das Team einige grundlegende Informationen über S/2014 (103) 2 gewinnen konnte, gibt es nach wie vor große Unsicherheiten über seine Bewegung um Elektra. Außerdem weiß man noch nicht viel darüber, wie sich diese Systeme bilden.

 

Eine Studie aus dem vergangenen Jahr, die sich mit den beiden Monden eines anderen Asteroiden namens »Kleopatra« befasst hatte, ergab, dass sie sich wahrscheinlich aus Staub gebildet haben, der vom Hauptkörper ausgeworfen wurde, doch blieb unklar, wie häufig dies im Vergleich zu anderen Entstehungsmechanismen vorkommt (wir berichteten hier). Möglich sei nämlich auch, dass derartige Monde aus Gesteinsbrocken der Asteroiden selbst entstehen könnten, wenn sie bei einer Kollision mit anderen Objekten herausgeschleudert werden - aber auch durch das Einfangen kleiner vorbeiziehender Gesteinsbrocken im Gravitationsfeld des Asteroiden.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: ESO/Berdeu et al., Yang et al

Der Asteroid Elektra mit seinen drei Monden
Der Asteroid Elektra mit seinen drei Monden

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