22.01.2023

Große Vielfalt organischer Verbindungen in Marsmeteoriten gefunden

Ein Mars-Meteorit, der am 18. Juli 2011 im marokkanischen Wüstengebiet Guelmim-Es Semara auf die Erde fiel, wurde nun von neu analysiert und offenbart sensationelle Ergebnisse: Es scheint eine Vielzahl von organischen Verbindungen aufzuweisen, die vom Mars stammen.

 

Der Meteorit mit dem Namen »Tissint« wurde wahrscheinlich vor etwa zwischen 700.000 und 1,1 Millionen Jahren bei einem Asteroideneinschlag aus der Marsoberfläche abgebrochen und ins All geschleudert, bis er schließlich auf unsere Erde traf. Fragmente des Meteoriten wurden im Laufe der Jahre bereits mehrfach untersucht und in seinen Rissen organische Kohlenstoffverbindungen nachgewiesen werden, die als die Überreste biologischer Prozesse gedeutet werden können.


Auch die jüngste Analyse eines internationalen Wissenschaftlerteams um Prof. Dr. Dr. Philippe Schmitt-Kopplin vom Helmholtz Zentrum München liefert interessante Ergebnisse. Wie die Forscher in ihrer im Fachjournal Science Advances veröffentlichten Studie schreiben, fanden sie in dem Meteoriten mindestens fünf verschiedene Arten organischer Verbindungen - Moleküle, die auf der Erde häufig vorkommen und darauf hindeuten könnten, dass es auch auf dem Mars - zumindest in der Vergangenheit - Leben gegeben haben könnte.

 

Organische Verbindungen sind Moleküle, die Kohlenstoffatome enthalten, die an Atome eines oder mehrerer anderer Elemente gebunden sind - in der Regel Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Schwefel sowie andere. Diese Verbindungen sind in allen Lebensformen auf der Erde sehr häufig, was bedeutet, dass ihr Vorhandensein in Weltraumgestein möglicherweise auf die Existenz von Leben anderswo im Sonnensystem hinweisen könnte. Einige organische Verbindungen können jedoch auch durch nicht-biologische Prozesse gebildet werden, so dass die Wissenschaftler nicht immer mit Sicherheit sagen können, ob solche Verbindungen eindeutige Zeichen für Leben auf anderen Planeten sind.

Der Tissint-Meteorit enthielt organische Magnesiumverbindungen, die im gesamten Meteoriten „extrem häufig" vorkommen und bisher noch nie in Marsproben nachgewiesen wurden, so die Studienautoren. Das Team geht davon aus, dass sich diese Verbindungen unter den Hochdruck- und Hochtemperaturbedingungen des alten Marsmantels (der Schicht unter der Marskruste) gebildet haben, was bedeutet, dass sie nicht biologisch sind und Aufschluss darüber geben könnten, wie das tiefe Innere des Roten Planeten geformt wurde.


Das zeige auf jeden Fall, dass Mars und Erde viele Aspekte ihrer Entwicklung gemeinsam haben und während man heute noch erkennen kann, dass auf unserem Heimatplaneten Leben entstand und gedieh, ist die Frage, ob es auf dem Mars jemals existierte, ein sehr aktuelles Forschungsthema, das ein tieferes Wissen über das Wasser, die organischen Moleküle und die reaktiven Oberflächen unseres Nachbarplaneten erfordert.

 

Die Wissenschaftler hoffen, dass die Ergebnisse in Verbindung mit weiteren Untersuchungen dieser und anderer Proben vom Mars es den Wissenschaftlern schließlich ermöglichen werden, herauszufinden, ob es in der fernen Vergangenheit tatsächlich Leben auf dem Roten Planeten gab.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: CC BY-SA 2.0 Jon Taylor

Fragment des Tissint-Meteoriten
Fragment des Tissint-Meteoriten

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