20.11.2022

Leben in unserem Sonnensystem könnte auf dem Mars begonnen haben

Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass die organischen Moleküle, die die Entstehung von Leben ermöglichten, bereits vor etwa 4,5 Milliarden Jahren auf dem Mars vorhanden waren. Und obwohl diese entscheidenden Komponenten möglicherweise zur gleichen Zeit zur Erde gelangten, fand das Leben auf dem Roten Planeten die lebensfreundlicheren Bedingungen vor.

 

Erde und Mars gehören beide zum inneren Sonnensystem, das sich wie Venus und Merkur aus vier Gesteinsplaneten und dem Asteroidengürtel zusammensetzt. Kurz nach ihrer Entstehung waren diese Planeten einem massiven Bombardement von Asteroiden ausgesetzt, das auf das innere Sonnensystem niederregnete.


Zwar wurden diese Geschosse in die Kruste der Erde und des Mars eingebettet, doch führte die Bewegung der Plattentektonik auf unserem Planeten dazu, dass diese alten Gesteinsmassen in das Erdinnere geleitet wurden. Im Gegensatz dazu fehlt der Marsoberfläche diese Plattentektonik, was bedeutet, dass die Hülle des Mars nur aus einer einzigen zusammenhängenden Schale besteht und die ganzen Gesteinsklumpen, die in der fernen Vergangenheit auf dem Planeten einschlugen, an Ort und Stelle blieben und noch heute für Analysen erreichbar sind.

 

Ein Astronomenteam um Professor Martin Bizzarro von der University of Copenhagen in Dänemark hat nun 31 Marsmeteoriten analysiert, um zu versuchen, eine Reihe grundlegender Fragen zu deren Herkunft zu beantworten. So war bisher beispielsweise unklar, ob diese alten Gesteine aus dem inneren oder äußeren Sonnensystem stammten oder ob sie organisches Material enthielten, das die Entwicklung von Leben ermöglicht haben könnte.


Wie die Wissenschaftler in ihrer im Fachjournal Science Advances veröffentlichten Studie schreiben, konnten sie nun mit Hilfe von hochpräzisen Chromisotopenmessungen die Meteoriten als kohlenstoffhaltige Chondrite aus dem äußeren Sonnensystem identifizieren. Ausgehend von der Häufigkeit solcher Gesteine auf dem Mars und der Tatsache, dass Eis in der Regel 10 Prozent ihrer Masse ausmacht, berechneten die Studienautoren, dass diese uralten Einschläge genug Wasser zum Mars befördert haben könnten, um den gesamten Planeten mit einer 307 Meter hohen Wasserschicht zu bedecken.

 

Zudem sei bekannt, dass kohlenstoffhaltige Chondrite aus dem äußeren Sonnensystem auch organische Moleküle wie Aminosäuren in das innere Sonnensystem transportiert haben. Diese Verbindungen sind für die Bildung der DNA unerlässlich und haben wahrscheinlich die Rohstoffe für die Entstehung von Leben geliefert. „Zu dieser Zeit wurde der Mars mit Asteroiden bombardiert, die mit Eis gefüllt waren. Das geschah in den ersten 100 Millionen Jahren der Entwicklung des Planeten", so Prof. Bizzarro in einem Statement. „Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass die Asteroiden auch organische Moleküle transportierten, die biologisch wichtig für das Leben sind.“

Doch obwohl die Bedingungen auf dem Mars zu diesem frühen Zeitpunkt ideal für das Leben gewesen sein mögen, kann man das von der Erde nicht behaupten, da sich nach diesem Bombardement auf der Erde eine weitere Katastrophe ereignete, die die Entwicklung von Leben praktisch unmöglich machte. Man geht nämlich von davon aus, dass es vor rund 4.5 Milliarden Jahren eine gigantische Kollision zwischen der Erde und einem hypothetischer Protoplanet namens Theia gab, der die Größe des Mars hatte. Diese energiereiche Kollision löschte alles potenzielle Leben auf der Erde aus und bildete gleichzeitig unseren Mond, der seitdem für die stabilen lebensfreundlichen Bedingungen auf unserem Planeten sorgt.

 

Zusammengenommen deuten diese Studienerkenntnisse darauf hin, dass während der Entstehungszeit des inneren Sonnensystems die Bedingungen auf dem Mars günstiger und die Chancen größer waren, Leben zu entwickeln als auf der Erde.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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