16.04.2022

Mars-Rover »Perseverance« hat Teile seines Landungssystems entdeckt

Der Rover »Perseverance«, der vor über einem Jahr auf dem Mars landete, hat zum ersten Mal Teile seines eigenen Landungssystems zu Gesicht bekommen.

 

Der NASA-Rover »Perseverance« (deutsch: Beharrlichkeit) startete am 30. Juli 2020 im Rahmen der »Mars 2020-Mission« zum Roten Planeten und nach seiner langen Reise, die sich über mehr als sechs Monaten und rund 480 Millionen Kilometern erstreckte, kam der Nachfolger des äußerst erfolgreichen NASA-Marsrovers »Curiosity« in der Umlaufbahn um den Roten Planeten an und begann mit seinem Abstieg auf seine Oberfläche.

Und wie sein Vorgänger auch schon, musste er die als die »sieben Minuten des Schreckens« bezeichnete Phase durchlaufen - einen schnellen, entscheidender Abstieg durch die Marsatmosphäre, der 100 km über dem Planeten beginnt. An diesem Punkt angelangt, hatte er weniger als 400 Sekunden Zeit, um seine Beschleunigung von ca. 20.000 km/h auf nur 1 m/s zu reduzieren, was nur durch den Einsatz eines Überschallfallschirms und dann durch das sogenannte »Skycrane«-System der NASA erreicht wurde, das acht Raketen verwendete, um den Rover abzubremsen, als er sich dem Boden näherte.

 

Sobald er nahe genug war, koppelte sich der Rover ab und gleitete mit Hilfe eines Fallschirms auf die Marsoberfläche herab, während sich das Skyscrane entfernte, um nicht auf das Fahrzeug zu landen und es zu beschädigen. Normalerweise hätte die NASA in Erwägung gezogen, den Rover zur Untersuchung der Trümmer auszusenden, doch wurde dies in diesem Fall aufgrund der Beschaffenheit des Geländes als zu riskant erachtet.

Nun hat Perseverance an Sol 404 (6. April 2022) offenbar den Fallschirm und die Rückenschale seines Landungssystems entdeckt, ohne dafür eine zusätzliche Reise unternehmen zu müssen. Der Ingenieur Kevin M. Gill vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA hat das Foto des Fundes zwar auf Twitter veröffentlicht, doch die US-Raumfahrtbehörde hat die Aufnahme bislang noch nicht offiziell bestätigt.

 

Übrigens, in dem rot-weißen Muster des Rover-Fallschirms verbirgt sich eine Botschaft in Form eines 10-Bit-Codes. Auf den ersten Blick scheint das Muster nichts zu bedeuten, doch es sind tatsächlich drei Wörter im Binärcode geschrieben, wobei die roten Abschnitte die 1 und die weißen Abschnitte die 0 darstellen und jede der drei Reihen ein anderes Wort bilden. Wenn man alle Muster in Einsen und Nullen umwandelt und das Ganze in den ASCII-Code übersetzt, erhält man am Ende die Botschaft »Dare Mighty Things« was übersetzt so viel wie »Wage große Dinge« bedeutet und zufällig auch das Motto des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA ist, dass sie einer Rede von Theodore Roosevelt aus dem Jahr 1899 entnommen haben, in der es im Original hieß:

 

„Es ist weit besser, Großes zu wagen, glorreiche Triumphe zu erringen, auch wenn sie von Misserfolgen überschattet sind, als sich in die Reihe jener armen Geister zu stellen, die weder viel genießen noch viel leiden, weil sie in der grauen Dämmerung leben, die weder Sieg noch Niederlage kennt."

Als zusätzlicher Bonus lässt sich ein weiteres kodiertes Muster an der Außenkante des Fallschirms ebenfalls in die genauen GPS-Koordinaten (34°11’58” N 118°10’31” W) des Besucherzentrums des JPL übersetzen. Dies ist jedoch nicht die einzige als »Eastern Egg« bezeichnete versteckte Botschaft, die Perseverance mit sich führt. Unter dem Rover hat die NASA spezielle Mikrochips angebracht, auf denen 10,9 Millionen Namen und 155 Aufsätze gespeichert sind, die im Rahmen von Wettbewerben an die Raumfahrtbehörde eingeschickt wurden, bei denen es darum ging, dass Menschen ihren Namen zum Mars schicken oder einen Namen für den Rover wählen konnten.

 

Zudem trägt das Fahrzeug auch einen Hinweis auf die Covid-Pandemie bei sich, in dem beschrieben wird, wie die Vorbereitungen und der Ablauf der Mission hier auf der Erde dadurch beeinflusst wurde. Eine Aluminiumplatte auf dem Rover trägt ein Bild des Äskulapstabs - das altgriechische Symbol für Heilung und Medizin - der die Erde stützt. Es ist allen Mitarbeitern im medizinischen Bereich gewidmet, die sich während der Pandemie vorderster Front für uns an einsetzen.

Die Perseverance-Mission

Im Rahmen der von der US-Raumfahrtbehörde (NASA) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) gemeinsam durchgeführten Mars-Rover-Mission »Mars 2020« startete der Rover »Perseverance« am 30. Juli 2020 zu seinem 480 Millionen Kilometer langen Flug zum Roten Planeten. Am 18. Februar 2021 landete er auf der nördlichen Halbkugel im Jezero-Krater, wo er Gesteins- und Erdproben auf der Marsoberfläche sammeln und dann in kleine versiegelten Metallröhren verpacken soll, die später zur Erde transportiert werden.

Ein zweiter von der ESA gebauter Rover wird dann im Jahr 2026 zum Roten Planeten folgen, wo er 2028 eintreffen wird, um die Probenbehälter einzusammeln und sie zu einer wartenden US-Raumsonde zu bringen. Diese Sonde wiederum wird die Proben in den Weltraum schießen, wo sie von einer Robotersonde eingesammelt werden. Nach der Rückkehr zur Erde wird sie die Proben in einer Fallschirmkapsel über der Wüste von Utah abwerfen.

Und nirgendwo außerhalb der Erde ist die Suche nach Beweisen für altes außerirdisches Leben erfolgsversprechender als auf dem Mars - einer Welt, die unserem eigenen Planeten mit Ozeanen, Seen und Flüssen einst sehr ähnlich gewesen sein muss. Zwar ist er heute ein trockener, trostloser Ort, doch Wissenschaftler hofften, dort noch Beweise für seine wasserreiche Vergangenheit sowie für jene Organismen zu finden, die zu seiner lebensfreundlicheren Zeit existiert haben könnten.

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Kevin M. Gill/JPL


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