30.06.2022

NASA: Haben an falschen Stellen nach Spuren von Marsleben gesucht

Eine neue Studie legt nahe, dass potenzielle Beweise für einstiges Leben auf dem Mars möglicherweise nur mindestens zwei Meter tief unter der Oberfläche zu finden sind.

 

Obwohl es heute eine eher kalte und öde Welt darstellt, war der Mars einmal viel wärmer und besaß ein feuchtes Klima mit zahlreichen Flüssen und Ozeanen, die ein ideales Umfeld bildeten, um Leben zu entwickeln. Und wie Wissenschaftler bereits aufzeigen konnten, hatte der Rote Planet noch bis vor rund 4,3 Milliarden Jahren sogar wahrscheinlich viel mehr Wasser, als man es sich je vorstellen konnte. Es scheint in der Tat so viel gewesen zu sein, dass er in seiner fernen Vergangenheit einen erheblichen Prozentsatz der Oberfläche mit Ozeanen bedeckt hatte, die bis zu über 1,6 Kilometer tief waren.


Die Anwesenheit von so viel Wasser auf dem Roten Planeten lässt vermuten, dass die Bedingungen Leben hervorzubringen, ideal gewesen sein müssen. Denn dass er derart viel Wasser verloren hat, deutet darauf hin, dass er auch sehr wahrscheinlich über einen viel längeren Zeitraum Wasser auf seiner Oberfläche hatte, als man bisher angenommen hatte. Und das bedeutet auch, dass er auch länger lebensfreundlich war und mehr Zeit hatte, Leben zu entwickeln.

 

Zwar haben wir eine solche bedeutende Entdeckung bislang noch nicht gemacht, doch unsere Wissenschaftler könnten sich ihr demnächst nähern, denn einem neuen Laborexperiment der NASA zufolge haben die Marsrover möglicherweise deswegen noch keine Spuren früheren Lebens entdeckt, weil sie an der falschen Stelle gesucht haben.

Zu dieser Schlussfolgerung kommen die Forscher um den Astrobiologen Alexander Pavlov vom Goddard Space Flight Center der NASA in Greenbelt, Maryland, in ihrer im Fachjournal Astrobiology veröffentlichten Studie. Sie stellten nämlich fest, dass die ionisierende Strahlung aus dem Weltraum kleine Moleküle wie Aminosäuren - von denen einige wichtige Indikatoren für Leben sind - viel schneller abbaut als bisher angenommen wurde. Das bedeutet, dass die eindeutigsten Signaturen früheren außerirdischen Lebens auf dem Mars höchstwahrscheinlich erst in etwa zwei Meter Tiefe unter der Oberfläche zu finden sein werden, wo solche chemische Verbindungen relativ geschützt geblieben sind.

 

So müssten die Rover zukünftig entweder geologische Aufschlüsse ansteuern, die erst kürzlich freigelegt wurden oder zwei Meter tief unter der Marsoberfläche bohren, um nach Spuren ehemaligen - oder vielleicht sogar gegenwärtigen - Lebens zu suchen. „Die derzeitigen Mars-Rover-Missionen bohren nur bis zu einer Tiefe von etwa fünf Zentimetern", so Pavlov in einem Statement der NASA. „In dieser Tiefe würde es nur 20 Millionen Jahre dauern, bis die Aminosäuren vollständig zerstört sind. Die Zugabe von Perchloraten und Wasser erhöht die Geschwindigkeit der Aminosäurezerstörung noch weiter.“

Aminosäuren wurden zwar noch nicht direkt auf dem Mars gefunden aber in Meteoriten, die vom Mars stammen. „Wir haben im Astrobiology Analytical Lab in Goddard mehrere geradkettige Aminosäuren in dem antarktischen Marsmeteoriten RBT 04262 identifiziert, von denen wir glauben, dass sie auf dem Mars entstanden sind (und nicht durch Verunreinigungen aus der irdischen Biologie), obwohl der Mechanismus der Bildung dieser Aminosäuren in RBT 04262 noch unklar ist", so Danny Glavin, Mitautor der Studie bei der NASA Goddard. „Da Meteoriten vom Mars normalerweise aus einer Tiefe von mindestens einem Meter oder mehr ausgeworfen werden, ist es möglich, dass die Aminosäuren in RBT 04262 vor kosmischer Strahlung geschützt waren.“

Organische Materie wurde auf dem Mars von den NASA-Rovern Curiosity und Perseverance gefunden; sie ist jedoch kein eindeutiges Zeichen für Leben, da sie durch nicht-biologische Chemie entstanden sein könnte. Außerdem deuten die Ergebnisse des Experiments darauf hin, dass das von diesen Rovern beobachtete organische Material wahrscheinlich im Laufe der Zeit durch Strahlung verändert wurde und daher nicht mehr in dem Zustand ist, wie es bei seiner Entstehung war.

 

Das Fazit der Studie ist aber eindeutig, Missionen mit flachen Bohrproben müssten demnach nach in kürzlich freigelegten Aufschlüssen suchen - z. B. nach rezenten Mikrokratern mit einem Alter von weniger als 10 Millionen Jahren oder nach Material, das aus solchen Kratern ausgeworfen wurde.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay


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