23.11.2022

Orion-Chef der NASA: Bis 2030 werden Menschen auf dem Mond leben

Mit dem Erfolg der Artemis-I-Mission in diesem Monat sind wir auf dem besten Weg, dass innerhalb von 10 Jahren Menschen auf dem Mond leben und arbeiten werden.

 

Am 19. Dezember 1972 landeten die Astronauten Eugene Cernan, Harrison Schmitt und Ronald Evans sicher im Pazifischen Ozean und beendeten damit die Apollo-17-Mondmission. Sie waren die letzten Menschen, die sich außerhalb der erdnahen Umlaufbahn befanden, die üblicherweise mit weniger als 1.000 km über der Erdoberfläche definiert wird.

 

Rund 50 Jahre später startete nach mehreren Verzögerungen nun am 16. November um 7.48 Uhr die NASA-Mission »Artemis 1« mit dem Space Launch System (SLS) und dem Orion-Raumschiff auf ihrem Weg zum Mond. Das Raumschiff wird keine Astronauten befördern, dafür aber zwei weibliche Modelltorsi - Zohar und Helga -, mit denen zum ersten Mal die Auswirkungen von Weltraumstrahlung auf Frauen getestet werden soll. Ein weiterer, männlicher Dummie - Commander Moonikin Campos - wird hingegen das Vibrationsdämpfungssystem für die Astronautensitze testen. Außerdem soll ein viertes »Besatzungsmitglied« mit an Bord sein, das sehr prominent ist und aus dem Vereinigten Königreich stammt: Eine Puppe von »Shaun das Schaf«.

Artemis 1 gilt praktisch als Testlauf für künftige bemannte Missionen, erst im Jahr 2025 soll dann der Versuch unternommen werden, Menschen auf der Mondoberfläche landen zu lassen. Mit dem Ziel, eine langfristige menschliche Präsenz auf dem Mond und in seiner Umgebung zu etablieren, ist Artemis 1 somit nur die erste in einer Reihe von zunehmend komplexeren bemannten Missionen im tiefen Weltraum, die für die kommenden Jahre geplant sind.

 

Nachdem sich das Space Launch System (SLS) und die Orion-Kapsel der NASA bislang als Erfolg erwiesen haben, scheinen die Bemühungen der US-Raumfahrtbehörde, innerhalb der nächsten drei Jahre Menschen auf dem Mond zu landen, ganz nach Plan zu verlaufen. Wenn das so weitergeht, wird dies letztlich die Tür zur Gründung eines dauerhaften bemannten Außenpostens auf dem Mond öffnen, auf dem Menschen genauso leben und arbeiten könnten wie auf der Internationalen Raumstation.


Laut Howard Hu, dem Leiter des Orion-Programms der NASA, könnte dies bereits im Jahr 2030 der Fall sein. „[Artemis I] ist der erste Schritt zur langfristigen Erforschung des Weltraums, nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern für die ganze Welt", sagte er im Interview mit Laura Kuenssberg von der BBC. „Und ich denke, dies ist ein historischer Tag für die NASA, aber auch ein historischer Tag für alle Menschen, die die bemannte Raumfahrt und die Erforschung des Weltraums lieben. Ich meine, wir gehen zurück zum Mond, wir arbeiten auf ein nachhaltiges Programm hin und dies ist das Fahrzeug, das die Menschen tragen wird, die uns wieder auf dem Mond landen werden. Wir werden Menschen auf die Oberfläche schicken, die auf der Oberfläche leben und Wissenschaft betreiben werden. Es wird wirklich sehr wichtig für uns sein, ein wenig über unsere Erdumlaufbahn hinaus zu lernen und dann einen großen Schritt zu tun, wenn wir zum Mars gehen. Und die Artemis-Missionen ermöglichen es uns, eine nachhaltige Plattform und ein Transportsystem zu haben, mit dem wir lernen können, wie man in dieser tiefen Weltraumumgebung operiert."

Das Artemis-Programm

Das Artemis-Programm beinhaltet drei Stufen, bis zur eigentlichen Landung auf dem Südpol des Mondes:

Artemis 1:
Die Mission startete am 16. November 2022, dauert 42 Tage und in dieser Zeit wird das vorerst unbemannte Raumschiff »Orion« 2,1 Millionen Kilometer zurücklegen. Das Space Launch System (SLS) bringt Raumschiff mit dem angekoppelten Servicemodul ESM in den Erdorbit, von wo es zum Mond aufbricht und ihn bis auf 100 Kilometer Entfernung umrundet.

Nach ihrem Aufenthalt in der Mondumlaufbahn wird die Orion-Raumsonde eine weitere Woche brauchen, um zur Erde zurückzukehren und das Landungssystem des Raumfahrzeugs zu testen. Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre wird sie mit einer Geschwindigkeit von etwa 40.000 km/h fliegen und von ihren 11 Fallschirmen auf nur 32 km/h abgebremst, bevor sie vor der Küste von San Diego im Pazifischen Ozean wassert.

Artemis 2:
Die Mission dauert voraussichtlich 21 Tage und ist für 2023 geplant. Vier Astronauten umrunden auf einer elliptischen Flugbahn den Mond und testen unter anderem die Lebenserhaltungssysteme von Orion.

Artemis 3:
Die Mission dauert maximal 30 Tage und startet voraussichtlich 2025, der exakte Ablauf stehe aber noch nicht fest. Geplant ist ein Andocken an das Gateway des Lunar Orbital Platform-Gateway, der von privaten Raumfahrtunternehmen zusammengefügt und im Mondorbit stationiert wurde sowie die Landung von zwei Astronauten (darunter eine Frau) im Krater Shackleton am Südpol des Mondes.

Artemis 4 bis 8:
Die Missionen sollen zwischen 2026 und 2028 erfolgen und haben weitere bemannte Mondlandungen sowie den Ausbau der Mond-Orbitalstation zum Ziel.

Das Programm ist Teil der Bemühungen der Vereinigten Staaten, ihre Führungsposition auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt zu festigen und den Grundstein für eine künftige Mission zum Mars zu legen. Und eines ist sicher - sollte die Mission tatsächlich erfolgreich abgeschlossen werden, wird sie in die Geschichtsbücher eingehen.

Der Zeitplan hing stark davon ab, wie der Kongress die finanziellen Mittel freigibt, die noch für die Entwicklung eines Landesystems benötigt wurden, um auf der Mondoberfläche landen und wieder abheben zu können. Dieses Problem scheint zwar nun gelöst, dennoch scheint es sehr unwahrscheinlich, dass der beabsichtigte Termin tatsächlich eingehalten wird.

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: NASA


* Die Beiträge unterliegen dem Urheberrechtsschutz und das Kopieren ist laut unseren Urheberrechtsbestimmungen nur für nichtkommerzielle Zwecke und dem deutlichen Hinweis auf den Autor und Direktlink zu http://terra-mystica.jimdofree.com  gestattet.