13.11.2022

Supergalaxienhaufen hinter der »Zone der Vermeidung« entdeckt

Die Tatsache, dass wir uns innerhalb einer Galaxie befinden, hat zweifellos ihre Vorteile, denn es ist unwahrscheinlich, dass sich im intergalaktischen Raum Planeten bilden, die Leben erhalten können. Das bedeutet aber auch, dass es einen großen Teil des Universums gibt, den wir nicht erfassen können, weil die Sicht darauf durch die zentrale Region unserer eigenen Milchstraße versperrt ist.

 

Jetzt konnten Astronomen die Existenz eines Galaxienhaufens hinter dieser wunderbar unheilvoll klingenden »Zone der Vermeidung« feststellen (Zone of Avoidance oder kurz ZOA), der Zone am Himmel, wo Galaxien im optischen Spektrum nur schwach oder gar nicht sichtbar sind. Diese Zone, die 10 bis 20 Prozent des von der Erde aus sichtbarem Himmel ausmacht, befindet sich um den galaktischen Äquator der Milchstraße, der große Anhäufungen von Sternen sowie Gas- und Staubmaterial enthält und dadurch unseren Astronomen die Sicht auf den Bereich des Himmels dahinter verdeckt wird.

Andere Wellenlängen, wie z. B. infrarotes Licht, können diese Zone durchdringen, da die Region für sie transparenter ist. Auf diese Weise kann das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) mehr Dinge als das Hubble-Weltraumteleskop erfassen, das es im Infrarotbereich arbeitet und seine Sensoren empfindlicher sind. Die Beobachtungen im nahen Infrarot erweisen sich in der Tat als sehr wichtig, um zu untersuchen, was in dieser ZOA liegt. Wir wissen zum Beispiel, dass sich der ebenso ominös klingende Große Attraktor - ein großer Galaxienhaufen, der die Milchstraße zu sich zieht - in dieser Richtung befindet.

 

Und jetzt haben die Astronomen entdeckt, dass es in dieser Richtung noch einen weiteren, wenn auch viel kleineren Galaxienhaufen gibt. Dieser trägt die Bezeichnung »VVVGCl-B J181435-381432« und sein Licht hat eine Reise von 2,7 Milliarden Jahren hinter sich, bis es uns erreicht. Dieser Galaxienhaufen beherbergt eine große Menge an Masse auf (relativ) kleinem Raum, die auf das 45- bis 50-fache der Milchstraße geschätzt wird, was in etwa den Erwartungen für Galaxienhaufen aus dieser Zeit des frühen Universums entspricht.


Wie das Astronomenteam in ihrer auf dem Preprint-Server ArXiv vorab veröffentlichten Studie schreibt, schätzen sie, dass der Radius von VVVGCl-B J181435-381432 in etwa der Entfernung zwischen der Milchstraße und Andromeda entspricht, der größten Galaxie, die unserer eigenen am nächsten ist. Allerdings hängt der genaue Wert von der Expansionsrate des Universums ab, die aufgrund der sogenannten Hubble-Spannung umstritten ist.

 

Das Team untersuchte mit dem Gemini-Observatorium zudem fünf Galaxien, von denen man nun annimmt, dass sie ebenfalls zu VVVGCl-B J181435-381432 gehören. Aufgrund ihrer Anzahl vermuteten sie, dass sie zusammen einen Supergalaxienhaufen bilden und gehen davon aus, dass es bis zu 58 Galaxien in der Struktur geben könnte.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: CCO Gemeinfrei

Unsere Milchstraße
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