08.03.2022

Weltraumschrott unbekannter Herkunft auf dem Mond aufgeschlagen

Wissenschaftler nehmen an, dass vermutlich eine ausrangierte Raketenstufe auf der Rückseite des Mondes aufgeschlagen ist, nachdem sie jahrelang unkontrolliert durchs All trieb.

 

In 2015 wurde ein rund drei Tonnen schweres Objekt entdeckt, das vermutlich entweder eine Raketenstufe der 2014 gestarteten chinesische Raumsonde »Chang’e 5-T1« oder Überreste älterer SpaceX-Missionen sein soll - zum heutigen Zeitpunkt weiß jedoch niemand mit Sicherheit, mit was es sich bei dem Teil genau handelt.

Woher auch immer es stammt, eines steht fest, niemand wird die letzten Momente dieses Weltraumschrotts miterlebt haben, denn es wird vermutet, dass es laut den Berechnungen der Wissenschaftler um 12:25 Uhr GMT auf der Rückseite des Mondes aufgeschlagen ist - was jedoch noch nicht offiziell bestätigt wurde. Sollte dies zutreffen, muss es einen kleinen Krater hinterlassen haben und wird sehr wahrscheinlich auf unbestimmte Zeit auf der Mondoberfläche liegen bleiben, es sei denn, künftige Weltraumforscher bemühen sich, den Schrott zu entfernen.

 

„Es ist wichtig, ein Auge auf das zu haben, was sich in der Umlaufbahn befindet", erklärte Prof. Hugh Lewis von der Universität Southampton gegenüber BBC News. „Das ist das Chaos, das wir angerichtet haben. Objekte, die wir für sicher halten, könnten tatsächlich irgendwann unerwartet zur Erde zurückkehren.“

Aktive Satelliten und Raumfahrzeuge sind schon jetzt täglich der Gefahr alter Raketenstufen, Schrauben, Bolzen und anderer Objekte ausgesetzt, die derzeit unseren Planeten umkreisen. In unserer Umlaufbahn befinden sich zur Zeit über 3.500 stillgelegte Satelliten und bis zu 900.000 kleinere Trümmerteile vergangener Raumfahrtmissionen, die man als Weltraumschrott bezeichnet und keinen nützlichen Zweck mehr für uns haben. Und ... die Zahl steigt kontinuierlich! Im Laufe der Zeit wird das Problem den Punkt erreichen, an dem es aufgrund der Kollisionsgefahr zu riskant werden wird, überhaupt noch etwas ins All zu schicken.

 

»Stuff in Space« (Deutsch: Zeug im Weltraum) nennt sich die Webseite, die auf die Daten des NASA's Orbital Debris Program Offices beruht und auf der man online tagesaktuell einsehen kann, wie viele künstliche Objekte mit einer Größe über 10 Zentimeter sich in der Erdumlaufbahn befinden und wo ihre exakte Position ist, natürlich mit Ausnahme streng geheimer Militärsatelliten.

Man kann sich die aktuelle Position der Satelliten entweder über eine Volltextsuche per Namen anzeigen lassen oder aber auch Objektgruppen wie etwa nur GPS-Navigations- oder Iridium-Telekommunikations-Satelliten auswählen. Mit der Maustaste kann man verschiedene Funktionen bedienen und beispielsweise beliebig die Ansicht im Raum frei verschieben oder mittels Mausrad den Zoom benutzen. Klickt man mit der linken Maustaste auf einen Objektpunkt, erhält man alle verfügbaren Informationen wie Namen, aktuelle Flughöhe, Geschwindigkeit oder Neigung.

 

Hier fällt die Objektgruppe »Iridium 33 Collision Debris« besonders auf, denn da die Satelliten Iridium 33 und Kosmos 2251 am 10. Februar 2009 zusammenkrachten und in 100.000 Einzelteile zertrümmert wurden, wird das Bild des Orbits zu einem blauen Liniengeflecht, sobald man es anklickt.

 

Zu der Seite Stuff in Space mit der interaktiven Karte hier klicken.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: NASA/JPL/USGS


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