14.03.2021

St. Jakobus-Reliquie: Analyse wirft Zweifel an Echtheit auf

Eine neue Analyse der Überreste, die angeblich dem Heiligen Jakobus gehören sollen, hat ergeben, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von ihm sind.

 

In der Basilika Santi Apostoli in Rom werden seit dem 6. Jahrhundert n. Chr. ein Schienbein, ein mumifizierter Fuß sowie ein Oberschenkel-Knochen aufbewahrt, die von vielen Pilgern verehrt werden, weil sie glauben, dass es sich um die Überreste der beiden Apostel St. Philippus und St. Jakobus der Jüngere (auch Sohn des Alphäus genannt) handeln - wobei das Schienbein und der Fuß dem heiligen Philippus und der Oberschenkelknochen dem heiligen Jakobus zugeschrieben werden. Sie werden entsprechend als wichtige Reliquien der heiligen katholischen Kirche angesehen.


Doch ein Wissenschaftlerteam um Prof. Kaare Lund Rasmussen von der Universität Süddänemark und Prof. Lautaro Roig Lanzillotta von der Universität Groningen kommen nach einer neuen Analyse der Überreste zu einem völlig anderen Ergebnis und sind sich sicher, dass die in der Basilika ausgestellten Reliquien nicht ganz das sind, was sie zu sein scheinen. Wie sie im wissenschaftlichen Fachjournal Heritage Science veröffentlichten Studie berichten, haben sie den vermeintlichen Oberschenkelknochen von St. Jakobus mehrmals einer Radiokohlenstoffdatierung unterzogen und erzielten Ergebnisse, die ein Alter zwischen 214 und 340 nach Christus ausweisen. Das heißt, die Person, der dieser Oberschenkelknochen einst gehörte, lebte rund 160 bis 240 Jahre nach dem heiligen Jakobus, der um 62 n. Chr. in Jerusalem starb.

 

Wer diese Person jedoch war, ist unbekannt, die Forscher wissen nur, dass die Knochen im sechsten Jahrhundert nach Rom gebracht wurden, als die Basilika Santi Apostoli gebaut wurde und demnach damals schon hunderte Jahre alt gewesen sein müssen. Vermutlich gehören die Überreste einem der ersten Christen und lagen ursprünglich in einem frühchristlichen Grab, das später irrtümlich als die Grabstätte eines Heiligen gehalten und so zur Reliquie wurde. Was gar nicht so ungewöhnlich ist, da das Ausgraben und Umbetten von vermeintlichen Heiligen im frühen Christentum sehr weit verbreitet war. Denn schließlich konnten die Knochen eines Heiligen eine Kirche zu höherem Ansehen verhelfen und Massen von Pilgern anziehen.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: CC BY-SA 4.0 Livioandronico2013 

Die Basilika Santi Apostoli in Rom
Die Basilika Santi Apostoli in Rom

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