16.03.2022

Zeigt das Turiner Grabtuch nur eine englische Christus-Statue?

Der Anthropologe David Akins ist der Ansicht, dass die weltberühmte Reliquie eine Fälschung sei, die in England hergestellt worden sein könnte.

 

Das berühmte Grabtuch, von dem viele glauben, dass es das Grabtuch von Jesus selbst ist, ist seit Jahren Gegenstand von Diskussionen. Eine Radiokarbondatierung hatte ergeben, dass das Grabtuch eigentlich gar nicht aus der Zeit Jesu stammt, sondern erst später im Mittelalter erstellt wurde, doch widersprüchliche Studien und Meinungen haben es. So halten es Millionen von Menschen als den echten Abdruck von Jesus Christus und wird von vielen Gläubigen als das Tuch verehrt, in dem er nach der Kreuzigung eingehüllt und begraben wurde.

Laut dem Historiker David Akins wurde das Grabtuch jedoch nie dazu verwendet, den Körper Jesu (oder irgendeinen anderen Körper) einzuwickeln, sondern viel später in der englischen Stadt Burton hergestellt. Atkins schilderte im Gespräch mit Staffordshire Live, dass es sich bei dem berühmten Grabtuch von Turin in Wirklichkeit um das Grabtuch von Burton handele - genauer gesagt um das Tischtuch von Burton.

 

Er argumentiert es mit jenen Analysen, die bereits einen mittelalterlichen Ursprung datiert hatten und mit den Ergebnissen persönlicher Untersuchung einzelner Partikel des Tuches, die seiner Meinung nach Spuren enthalten, die bis zur Abtei von Burton zurückführen.


Akins erklärte, dass es zur Zeit des Auszugs der Tempelritter aus Frankreich im Jahr 1307 die Alabasterindustrie gewesen sei, die in der Abtei von Burton den Ton angab - und so würde es kaum Zweifel geben, dass die Templer, nachdem sie und ihre geplünderten Schätzen, seiner Meinung auch den Heiligen Gral, nach Burton gebracht hatten, auch ein Denkmal zur Erinnerung an dieses Ereignis schufen. Und so hätten Handwerker der Abtei von Burton irgendwann nach 1307 eine lebensgroße Statue von Christus geschaffen und in der Abtei aufgestellt.

 

„Diese Statue hatte zweifellos jahrelang einen Ehrenplatz in der Abtei von Burton, bis Abt Ibstock die Abteikirche im Jahr 1350 neu errichtete. Dieses Datum ist von entscheidender Bedeutung, da während der Bauarbeiten viele schöne Statuen und Bildnisse in der Abtei eingelagert worden sein dürften. Sie wurden in Tücher und Leinen eingewickelt, um sie zu schützen, und zweifellos in den Gewölben und Kellern der Abtei gelagert. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Statue mehr als ein Jahrzehnt lang in den Gewölben der Abtei schlummerte - oder zumindest bis zur Fertigstellung der neuen Abteikirche. Dann wurde sie zurückgeholt und wieder ausgestellt. Doch als die Mönche es auspacken wollten, stellten sie fest, dass der Alabaster mit den Chemikalien im muffigen Keller reagiert und ein Bild des Fischerkönigs auf dem alten Leinentuch hinterlassen hatte. Hier entstand die Geschichte des Turiner Grabtuchs“, so Atkins.

Das Turiner Grabtuch

Bei dem Turiner Grabtuch handelt es sich um ein 4,36 Meter langes und 1,10 Meter breites Leinentuch, auf dem der Körper eines Menschen sowohl in der Vorder- als auch in der Rückansicht abgebildet ist. Allgemein wird das Alter auf die Zeit zwischen 1260 und 1390 n. Chr. gesetzt, doch es gibt auch Experten wie der Psychiater und Sindonologe Alan Whanger, der dieser Datierung widerspricht. Er hatte das Grabtuch einer speziellen Analyse namens Polarized Image Overlay Technique (PIOT) unterzogen und kam in seiner Studie zu der Schlussfolgerung, dass es sich bei dem Turiner Grabtuch um ein echtes Artefakt aus der Zeit des ersten Jahrhunderts handele und es einen gekreuzigten, erwachsenen Mann zeige.

Die Radiokohlenstoff-Analyse, die das Leinentuch auf das 14. Jahrhundert datierte, sei durch äußere Faktoren verfälscht worden, die sich über die Jahrhunderte durch Pilze, Kerzenrauch und der starken Hitze eines Feuers im Jahre 1532 an dem Stoff angesammelt hatten. Es gebe keinerlei Farbspuren auf dem Leinen oder irgendwelche Hinweise, die es als Fälschung entlarven könnten.

Er konnte zudem auf einem Auge eine römische Bronzemünze identifizieren, wie sie in den Jahren 29 und 30 in Jerusalem unter Pontius Pilatus geprägt wurden. Da die Münzen nicht mit bloßem Auge zu erkennen waren, nutze griff Whanger auf eine von ihm selbst entwickelte Technik zurück, in der das Bild der vermeintlichen Münze zum Vergleich mit Vorlagen zur Übereinstimmung gebracht wird. Der französische Münz-Experte Agostino Sferrazza bestätigte 2017 in einem Interview mit RCF Liège, dass sich auch seine Ergebnisse mit denen von Alan Whanger decken und datierte das Alter des Grabtuches ebenfallsin die Zeit Christus.

Er hatte die Aufnahmen des Informatikers Professor Nello Balossino von der Turiner Universität untersucht, die deutlich eine Münze auf dem rechten Auge erkennen lassen. Dabei habe er bislang unbemerkt gebliebene Details an den Abdrücken der Münzen entdeckt, nämlich ein Opferpokal, religiöse Objekte sowie die Buchstaben »Y K A I«, was vermutlich die verbliebenen Reste der einstigen griechischen Worte »TIBERIOY KAICAPOC« sind und für Tiberius Caesar (Kaiser Tiberius) stehen. Sferrazza sagt, dass dies die typische, zeitgenössische griechische Schreib- weise für den römischen Kaiser Tiberius sei, der von 14 n. Chr. bis 37 n. Chr. regierte und dass die Symbole auch mit der Währung dieser Zeit in Übereinstimmung stehen. Entsprechend müssten die Münzen und damit letztendlich auch das Grabtuch selbst aus der Zeit stammen, als Jesus gekreuzigt wurde.

Das Turiner Grabtuch wird in einer Ende des 17. Jahrhunderts erbauten Seitenkapelle des Turiner Doms aufbewahrt.

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: CC 3.0 Mogadir

Der Schrein mit dem berühmten Turiner Grabtuch
Der Schrein mit dem berühmten Turiner Grabtuch

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