27.11.2022

48.500 Jahre alte Viren aus sibirischem Permafrost wiedererweckt

Wissenschaftler haben eine Reihe uralter Viren wiederbelebt, die seit der Eiszeit tief im sibirischen Permafrost eingeschlossen schlummerten.

 

Obwohl es zweifellos Risiken birgt, ist das an dieser Forschungsarbeit beteiligte Wissenschaftlerteam der Universität Aix-Marseille in Frankreich der Meinung, dass es sich angesichts der wachsenden Gefahren durch den Klimawandel und den dadurch auftauenden Permafrost dennoch um eine Bedrohung handeln würde, die es wert sei, näher untersucht zu werden.

In ihrer hierzu auf dem Preprint-Dokumentenserver bioRxiv veröffentlichten Studie beschreiben die Forscher, wie sie 13 Viren aus fünf verschiedenen Stämme in Proben identifiziert und wiederbelebt haben, die im eisigen russischen Fernen Osten gesammelt wurden. Darunter befand sich auch ein Virus aus einer rund 48.500 Jahre alten Permafrostprobe. Zudem konnten sie drei neue Virenarten wiederbeleben, die in einer 27.000 Jahre alten gefrorenen Mammutkot-Probe und einem Stück Permafrost, in dem eine große Menge Mammutwolle steckte, entdeckt wurden. Dieses Trio erhielt die passenden wissenschaftlichen Namen Pithovirus mammoth, Pandoravirus mammoth und Megavirus mammoth. Zwei weitere neue Virenarten wurden aus dem gefrorenen Mageninhalt eines sibirischen Wolfs (Canis lupus) isoliert und Pacmanvirus lupus und Pandoravirus lupus genannt.

 

Diese Viren infizieren Amöben, die kaum mehr als einzellige Klumpen sind, die im Boden und im Wasser leben, Experimente zeigten jedoch, dass die Viren trotzdem noch das Potenzial haben, infektiöse Krankheiten auszulösen. So führten die Forscher die Viren in eine lebende Amöbenkultur ein und es zeigte sich, dass sie immer noch in der Lage waren, in eine Zelle einzudringen und sich zu vermehren.


Diese Studie geht auf ein Forschungsprojekt aus 2014 zurück, bei dem das Team um Jean-Michel Claverie, Professor für Genomik und Bioinformatik an der medizinischen Fakultät der Universität Aix-Marseille, ein 30.000 Jahre altes Virus aus dem sibirischen Permafrostboden wiederbelebt hatte. Mit dieser neuesten Gruppe von Virenstämme, darunter ein Virus, das 48.500 Jahre alt ist, haben die Forscher möglicherweise das bisher älteste Virus wiederbelebt.

 

In ihrem Artikel erklären die Forscher, dass sich die Wissenschaft viel intensiver auf Eukaryoten-infizierende Viren konzentrieren sollte, da nur sehr wenige Studien zu diesem Thema veröffentlicht worden sind. Steigende Temperaturen aufgrund des Klimawandels würden sehr wahrscheinlich viele Mikroorganismen, einschließlich pathogener Viren, aus der fernen Vergangenheit wieder aufleben lassen, die eine große Bedrohung für unsere Zivilisation darstellen könnten.

 

„Wie die jüngsten (und noch andauernden) Pandemien leider gut belegen, erfordert jedes neue Virus, selbst wenn es mit bekannten Familien verwandt ist, fast immer die Entwicklung hochspezifischer medizinischer Reaktionen, wie etwa neuer antiviraler Mittel oder Impfstoffe", schreiben die Studienautoren. „Es gibt kein Äquivalent zu 'Breitband-Antibiotika' gegen Viren, da es keine universell konservierten Prozesse gibt, die in den verschiedenen Virusfamilien mit Medikamenten behandelt werden können. Es ist daher legitim, über das Risiko nachzudenken, dass uralte Viruspartikel infektiös bleiben und durch das Auftauen alter Permafrostschichten wieder in Umlauf kommen."

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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