25.02.2022

Forscher erfassen mittels Gehirnscan letzte Gedanken eines Sterbenden

Im Rahmen einer Studie haben Wissenschaftler zufällig die Gehirnaktivität eines Patienten aufgezeichnet, der plötzlich und unerwartet an einem Herzinfarkt starb.

 

Das Wissenschaftlerteam um den Neurowissenschaftler Raul Vicente von der Universität Tartu in Estland hatte im Rahmen ihrer Studie die Gehirnaktivität eines 87-jährigen Epilepsiepatienten mittels der Elektroenzephalografie (EEG) aufgezeichnet, als dieser unerwartet einen Herzinfarkt erlitt und inmitten des Scans verstarb. Das Elektroenzephalogramm erfasste die letzten 900 Sekunden der Hirnaktivität des Patienten, was den Forschern einen einzigartigen Einblick in die Vorgänge im Gehirn zum Zeitpunkt seines Todes ermöglichte.

Wie die Ergebnisse in ihrer im Fachjournal Frontiers in Aging Neuroscience veröffentlichten Studie zeigen, kam es in den letzten Momenten seines Lebens zu einem Anstieg der Gamma-Oszillationen, die auf Träume oder Gedächtnisabrufe hinweisen, sowie zu Delta-, Theta-, Alpha- und Beta-Oszillationen. „In Anbetracht der Tatsache, dass die Kreuzkopplung zwischen Alpha- und Gamma-Aktivität bei gesunden Probanden an kognitiven Prozessen und dem Abruf von Erinnerungen beteiligt ist, ist es interessant zu spekulieren, dass eine solche Aktivität einen letzten »Lebensrückblick« bestätigen könnte, der im Zustand der Todesnähe stattfindet", schreiben die Forscher.

Diese Studie ist die erste ihrer Art, bei der die Hirnaktivität während des Sterbeprozesses beim Menschen live gemessen wurde. Ähnliche Veränderungen bei den Gamma-Oszillationen wurden jedoch auch schon früher bei Ratten beobachtet, die in kontrollierter Umgebung gehalten wurden. Das bedeutet, dass es möglich ist, dass das Gehirn während des Todes eine biologische Reaktion organisiert und ausführt, die über alle Arten hinweg erhalten bleibt.

 

Diese Messungen beruhen jedoch auf einem Einzelfall und stammen vom Gehirn eines Patienten, der Verletzungen, Krampfanfälle und Schwellungen erlitten hatte, was die Interpretation der Daten erschwert. Dennoch planen die Wissenschaftler, weitere Fälle zu untersuchen und sehen in diesen Ergebnissen eine Quelle der Hoffnung, denn auch wenn die Ergebnisse bei weitem nicht endgültig sind, zeichnen sie doch ein potenziell positives Bild über die letzten Momente im Leben eines Menschen.

 

Kurz zusammengefasst: Möglicherweise spielt das Gehirn den Sterbenden in den letzten Sekunden ihres Lebens eine Zusammenfassung der schönsten Momente ab, die sie erlebt haben.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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