06.08.2022

Forscher erschaffen die weltweit ersten synthetischen Embryonen

Wissenschaftler haben embryoähnliche Gebilde in einem Labor erschaffen, die mit einem Gehirn, Eingeweiden und einem schlagenden Herzen ausgestattet sind.

 

Die technisch zweifellos beeindruckende, wenn auch ethisch fragwürdige Errungenschaft wurde von Forschern des Weizmann-Instituts in Israel gemeldet, die Stammzellen von Mäusen verwendeten, um »synthetische« Embryonen ohne Sperma, Eizellen oder Befruchtung zu erzeugen. „Bemerkenswerterweise haben wir gezeigt, dass embryonale Stammzellen komplette synthetische Embryonen erzeugen können, d. h. auch die Plazenta und den Dottersack, die den Embryo umgeben", erklärte Prof. Jacob Hanna, der die im Fachjournal Cell veröffentlichte Studie leitete. „Wir sind wirklich begeistert von dieser Arbeit und ihren Auswirkungen."


Künftig könnten synthetische Embryonen bei medizinischen Tests anstelle echter Tierembryonen verwendet werden und gleichzeitig neue Zell- und Gewebequellen für die Transplantation beim Menschen bieten. Kritiker, die befürchten, dass Wissenschaftler mit dieser Technik synthetische Lebewesen erschaffen könnten, müssen sich keine Sorgen machen, da die Embryonen nicht die Fähigkeit haben, sich zu echten Tieren zu entwickeln.

Und die Wissenschaftler versichern, dass es derzeit auch keine Absichten gäbe, synthetische menschliche Embryonen zu erzeugen. „Synthetische menschliche Embryonen sind keine unmittelbare Perspektive", so Dr. James Briscoe, einer der Hauptgruppenleiter am Francis Crick Institute in London, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber dem The Guardian. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um über den besten rechtlichen und ethischen Rahmen zur Regelung der Forschung und Verwendung menschlicher synthetischer Embryonen nachzudenken und die geltenden Vorschriften zu aktualisieren, bevor menschliche synthetische Embryonen entwickelt würden. „Wir wissen weniger über menschliche Embryonen als über Mäuseembryonen, und die Ineffizienz der synthetischen Mäuseembryonen deutet darauf hin, dass die Übertragung der Erkenntnisse auf den Menschen weitere Entwicklungen erfordert", fügte er hinzu.

Bereits vergangenes beschrieb das Team um Prof. Hanna, wie es eine mechanische Gebärmutter gezüchtet hatte, die es natürlichen Mäuseembryonen ermöglichte, mehrere Tage lang außerhalb der Gebärmutter zu wachsen. Diese gleiche Vorrichtung verwendeten sie nun für ihre aktuelle Studie, um Mäusestammzellen über eine Woche lang zu nähren, was fast der Hälfte der Trächtigkeitsdauer einer Maus entspricht.

 

Einige der Zellen wurden mit Chemikalien vorbehandelt, die genetische Programme zur Entwicklung von Plazenta oder Dottersack aktivierten, während sich andere ohne Eingriff zu Organen und anderen Geweben entwickelten.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Gemeinfrei

Zellkern
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