22.11.2020

Forscher »pflanzen« menschliche Gene in Affenhirne ein

Ein Experiment hat wegen seines Potenzials, einen realen Planeten der Affen zu erschaffen, für großes Aufsehen gesorgt.

 

Die gentechnische Einmischung in die Intelligenz nichtmenschlicher Primaten birgt immer die Gefahr eines unkontrollierten Desasters, doch das hat Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden nicht davon abgehalten, Weißbüschelaffen (Callithrix jacchus) mit menschlichen Genen im Gehirn zu manipulieren.

 

Das Experiment dürfte bei jeden, der mit dem Film »Planet der Affen« vertraut ist, die Alarmglocken läuten lassen. In dem Film aus 1968 hatten genetische Versuche mit Primaten dazu geführt, dass sie nicht nur intelligenter wurden und sprechen lernten, sondern auch. In der Folge wurden die Affen immer mächtiger und nach einem verheerenden globalen Krieg gegen die Menschheit übernahmen sie die Herrschaft über den Planeten Erde.

Und wie die japanischen und deutschen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts nun in ihrer im Fachjournal Science veröffentlichten Studie berichten, haben sie ebenfalls Experimente mit Affen durchgeführt, die auf ihr Gehirnpotenzial hinauszielten. Es sei ihnen gelungen, den Tieren das spezifische menschliche Gen ARHGAP11B »einzupflanzen» und dadurch erreicht, dass die Tiere einen größeren Neokortex entwickelten - der Teil des Gehirns, der für höhere Funktionen wie Sinneswahrnehmung, Kognition, räumliches Denken und Sprache zuständig ist. Auch die physische Form ihres Gehirns habe sich verändert und in seiner Erscheinung das menschliche Gehirn kopiert.

 

Das Gen ARHGAP11B kommt nur beim Menschen und unseren nächsten ausgestorbenen Verwandten, dem Neandertaler und Denisova-Menschen vor, nicht aber bei Schimpansen und anderen Primaten. Es sorgt dafür, dass Hirn-Stammzellen einen größeren Pool an Stammzellen bilden, wodurch während der Gehirnentwicklung mehr Nervenzellen entstehen und das Großhirn expandieren kann.

 

„Wir stellten in der Tat fest, dass der Neokortex des Weißbüschelaffen-Gehirns vergrößert und die Hirnoberfläche gefaltet war", bestätigte Studienautor Michael Heide die Ergebnisse der New York Post. „Seine kortikale Platte war auch dicker als normal. Darüber hinaus konnten wir eine erhöhte Anzahl von basalen radialen Glia-Vorläufern in der äußeren subventrikulären Zone und eine erhöhte Anzahl von Neuronen der oberen Schicht sehen, jenem Neuronentyp, der in der Primatenevolution zunimmt.“

 

Zwar sind die Affen selbst nicht über das fötale Stadium hinausgekommen - das Experiment wurde 50 Tage vor der normalen Geburt abgebrochen - doch es macht deutlich, dass es in einer nicht allzu fernen Zukunft tatsächlich möglich sein könnte, die kognitiven Fähigkeiten von Primaten zu steigern.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons

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