21.05.2022

Genforscher verwandeln Hamster in aggressive Monster

Wissenschaftler behaupten, dass sie in ihren Experimenten mittels eines kleinen gentechnischen Eingriffs putzige Hamster in äußerst aggressive Monstrositäten verwandelt hätten.

 

Forscher der Georgia State University (GSU) in Atlanta behaupten in ihrer in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichten Studie, dass ihr CRISPR/Cas9-Experiment mit Hamstern „herausgefunden hat, dass die Biologie hinter sozialem Verhalten möglicherweise komplexer ist als bisher angenommen."

Mittels der CRISPR/Cas9-Technologie (Genschere) lässt sich DNA gezielt verändern, indem man Gene einfügt, entfernt oder ausschaltet. Das kann bei einzelnen Basen und ganzen Genabschnitten aber auch an mehreren Stellen zugleich erfolgen, sodass man mit der molekularen Schere CRISPR/Cas9 die genetische Information eines Organismus einfach und effizient verändern kann.

 

So entdeckte das neurowissenschaftliche Team der GSU mit dieser revolutionären molekularbiologischen Methode, dass das Ausschalten des Rezeptors Avpr1a für Vasopressin - ein Hormon, das sowohl bei Menschen als auch bei Hamstern mit Aggression, Kommunikation und sozialer Bindung in Verbindung gebracht wird - die aggressivsten Instinkte der niedlichen Nager sogar zu verstärken schien. „Wir gingen eigentlich davon aus, dass die Ausschaltung der Vasopressin-Aktivität sowohl die Aggression als auch die soziale Kommunikation verringern würde", so der GSU-Forscher für Neurowissenschaften H. Elliott Albers in einem Statement der Universität. „Aber genau das Gegenteil ist eingetreten."

In der Erklärung heißt es weiter, dass die Wissenschaftler für ihr Experiment speziell Goldhamster (Mesocricetus auratus) auswählten, weil sie für ihre natürliche Aggressivität bekannt sind und sie „ein leistungsfähiges Modell für die Erforschung des Sozialverhaltens darstellen, da ihre soziale Organisation dem Menschen weitaus ähnlicher ist als die von Mäusen." Das GSU-Team war überrascht, als die Ergebnisse zeigten, dass ihre Versuche, das Aggressionsverhalten bei den genetisch veränderten Hamstern zu hemmen, offenbar nicht erfolgreich waren, sondern genau das Gegenteil bewirkt hatten, denn die eigentlich als Einzelgänger bekannten Tiere wurden nicht nur geselliger sondern auch noch aggressiver als sonst - ein alptraumhaftes Szenario, das an manches Monster aus einem Horrorfilm erinnert, das in einem Labor erschaffen wurde.

 

Laut Dr. Albers legen diese »kontraintuitiven« Ergebnisse die verblüffende Schlussfolgerung nahe, dass neuronale Rezeptoren und die mit ihnen verbundenen Verhaltensweisen möglicherweise nicht einzeln ein- und ausgeschaltet werden können, und dass Versuche, dies zu tun, gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen können.

„Die Entwicklung von gentechnisch veränderten Hamstern gestaltete sich nicht einfach. Es ist jedoch wichtig, die neurologischen Schaltkreise zu verstehen, die am menschlichen Sozialverhalten beteiligt sind, und unser Modell hat eine translationale Bedeutung für die menschliche Gesundheit. Das Verständnis der Rolle von Vasopressin im Verhalten ist notwendig, um potenzielle neue und wirksamere Behandlungsstrategien für eine Vielzahl neuropsychiatrischer Störungen von Autismus bis Depression zu finden", resümiert Dr. Albers.

 

Angesichts der fatalen Konsequenzen, die diese Studie aufgezeigt hat, ist nur zu hoffen, dass die Genforscher es sich zwei Mal überlegen, bevor sie diese Art von Experimente an Menschen durchführen.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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