20.11.2021

Mehrere Ampullen mit Aufschrift »Pocken« in einem US-Labor entdeckt

Möglicherweise wurden einige Proben des höchst ansteckenden und tödlichen Pocken-Virus zufällig von einem Laborangestellten entdeckt, als er den Inhalt einer Gefriertruhe ausräumte.

 

Die Pocken, die durch das Variolavirus (Variola vera) verursacht werden, sind eine hochansteckende, lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die mit hohem Fieber und einem typischen Hautausschlag einhergeht. Sie ist eine der schlimmsten Krankheiten in der Menschheitsgeschichte und gleichzeitig auch eine der größten Erfolge in der Geschichte der modernen Medizin, da es durch eine flächendeckende Impfaktion gelang, die Krankheit 1980 offiziell als ausgerottet erklären zu können.

 

Allerdings gibt es immer noch eine begrenzte Anzahl von Fläschchen mit Proben des Variolavirus, die in verschiedenen Laboratorien zu Forschungszwecken aufbewahrt werden - sehr zum Leidwesen vieler Kritiker, die es lieber sähen, wenn sie vernichtet würden und somit jedes Restrisiko ausgeschlossen werden kann, dass sich jemals wieder jemand mit den Pocken infiziert.

Die zuständigen Behörden haben immer versichert, dass kein Risiko bestehe, weil die Forschung an den Erregern in S4-Laboren Laboren mit der höchsten Sicherheitsstufe stattfinde würde. Diese Behauptung wird jetzt jedoch stark in Zweifel gezogen, nachdem kürzlich ein Laborarbeiter beim Aufräumen einer Gefriertruhe mehrere Ampullen mit der Aufschrift »Pocken« entdeckt hatte.

 

„Die CDC, ihre Verwaltungspartner und die Strafverfolgungsbehörden untersuchen die Angelegenheit, und der Inhalt der Fläschchen scheint intakt zu sein. Der Labormitarbeiter, der die Ampullen entdeckte, trug Handschuhe und eine Gesichtsmaske. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass jemand mit den wenigen gefrorenen Ampullen in Kontakt gekommen ist", so Belsie Gonzalez, Sprecherin der amerikanischen Gesundheitsbehörde (Centers for Disease Control and Prevention, CDC). Wie Sky News berichtet, ereignete sich der Vorfall im US-Bundesstaat Pennsylvania und wird bereits formell untersucht. Die CDC wollte jedoch keine Angaben dazu machen, wo genau in Pennsylvania die Fläschchen gefunden wurden und was sie da zu suchen hatten.

 

Eigentlich sind das rund 60.000-Quadratmeter große Gelände der CDC in Atlanta (Bundesstaat Georgia) und das Vector-Labor für Virologie in der Nähe von Nowosibirsk in Westsibirien die einzigen zwei (offiziellen) Orte weltweit, an dem sich die letzten offiziellen Bestände lebender Pockenviren befinden.

Ob die Ampullen tatsächlich Pocken enthalten, ist derzeit noch unklar, aber falls ja, muss ernsthaft untersucht werden, wie es dazu kommen konnte und ob es noch weitere Proben mit dieser tödlichen Krankheit gibt, die nur darauf warten, von ahnungslosen Laborarbeitern gefunden - und im schlimmsten Fall an Terroristen verkauft - zu werden.

 

Bereits im Jahr 2014 hatte ein US-Wissenschaftler in einem Forschungszentrum in Bethesda, Bundesstaat Maryland, sechs Jahrzehnte alte Glasfläschchen mit gefriergetrockneten Pockenviren entdeckt, die unbeachtet in einem alten Lagerraum lagen. Es stellte sich heraus, dass die Proben in einem Pappkarton verpackt und vergessen worden waren.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Gemeinfrei, Bearb. F. Calvo


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