20.08.2021

Unsere Erinnerungen werden mit steigendem Alter positiver

Mit zunehmendem Alter werden die Erinnerungen tendenziell positiver und die Menschen großzügiger.

 

Selbst wenn wir uns an besonders negative Ereignisse aus unserem Leben erinnern, neigen wir mit zunehmendem Alter nicht nur dazu, uns mehr auf die positiven Erfahrungen zu konzentrieren, sondern auch auf die positiven Aspekte dieser Erfahrungen - also auf das, was wir daraus gelernt haben und wie wir daran gewachsen sind. Und diese positive Tendenz bei der Erinnerung im Alter hat auch positive Auswirkungen auf unser persönliches Wohlbefinden und unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen.

Zu diesem Ergebnis kommt das Forscherteam um Erika Sparrow in ihrer im Fachjournal Psychology and Aging veröffentlichten Studie, nachdem sie 16 wissenschaftliche Arbeiten über das Altern und Altruismus (uneigennütziges Denken und Handeln) auswerteten, um der Frage nachzugehen, ob Menschen mit zunehmendem Alter großzügiger und selbstloser werden. Und die Antwort lautete: Ja - unabhängig vom finanziellem Status, Bildungsstand oder Geschlecht reagieren ältere Menschen offenbar großzügiger als jüngere, wenn sie darum gebeten wurden, Güter zu spenden oder anderen zu helfen. Es scheint, dass die Erinnerung an die guten Zeiten in unserem eigenen Leben auch dazu führt, dass wir uns anderen gegenüber großzügig und wohlwollend zeigen.

 

Möglicherweise sind diese positiven Gedanken sogar »vorprogrammiert«, wie Prof. Mara Maher von der University of Southern California und Susan Turk Charles von der University of California in ihrer Studie aus 2003 schreiben. Die beiden Forscherinnen der Psychologie und Gerontologie kommen darin zu dem Schluss, dass die Konzentration auf positive Aspekte unserer Vergangenheit mit zunehmendem Alter beabsichtigt zu sein scheint. Es handele sich um einen spezifischen, zielgerichteten Prozess, um mehr positive Erinnerungen zu schaffen und so unser persönliches Wohlbefinden zu steigern.

Denn wenn wir uns an positive Erlebnisse erinnern, fühlen wir uns selbst besser und blicken optimistischer in die Zukunft und je älter wir werden, desto besser können wir uns auf diese positiven Aspekte unserer Vergangenheit konzentrieren, um unsere Stimmung zu regulieren, uns selbst besser zu fühlen und einer ungewissen Zukunft mit mehr Gelassenheit entgegenzusehen.

 

Es scheint, dass es zumindest ein paar gute Seiten des Älterwerdens gibt. Aber dann stellt sich doch die Frage: Wieso müssen wir erst alt sein, um in den Genuss dieser Vorteile zu kommen, wieso kann man sie nicht schon ab dem Kindesalter nutzen?

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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