08.07.2021

Wissenschaftler entwickeln »Schwein-Mensch«-Hybridorgan

Es hat in der Vergangenheit schon viele Versuche gegeben, Tierorgane in Menschen zu implantieren, doch stets musste man mit sehr heftige Abstoßungsreaktionen rechnen. Jetzt hat ein israelisches Medizinerteam ein Verfahren entwickelt, dass Hoffnung für viele Menschen macht, die auf ein Spenderorgan warten.

 

Ein israelisches Forscherteam um Dr. Shahar Cohen vom Beilinson Hospital in Petach Tikwa hat ein Hybridorgan aus Blutgefäßen vom Schwein mit menschlichen Zellen entwickelt, von dem sie glauben, dass es helfen könnte, das Problem mit den Transplantationsorganen zu lindern.

„Es hat schon viele Versuche gegeben, Tierorgane in Menschen zu implantieren, doch dies war größtenteils erfolglos, meist aufgrund von akuten Abstoßungsreaktionen“, erklärte Dr. Shahar Cohen gegenüber der Jerusalem Post. Der Hauptauslöser einer Organabstoßung sei die innere Auskleidung der Blutgefäße, schilderte er. Diese Auskleidung sei die Kontaktstelle zwischen dem transplantierten Organ und dem Körpergewebe des Empfängers. „Wir haben nach einem Weg gesucht, eine alternative Beschichtung herzustellen, die keine Abstoßung hervorruft", so Dr. Cohen.

 

Die Lösung: Cohens Team entfernte die Beschichtung von den Blutgefäßen der Schweine und ersetzte sie durch eine verträglichere Beschichtung für das menschliche Immunsystem, die im Labor aus menschlichen Plazentazellen hergestellt wurde, die, soweit bekannt, keine Abstoßung auslösen. „Anstatt das ganze Organ zu zerstören, zielen wir nur auf einen Teil des Organs - den wichtigsten Teil", führte Dr. Cohen aus. „Wir entfernen die innere Schicht der Blutgefäße des Schweins und ersetzen sie durch eine 'menschliche Schicht', wodurch wir die Blutgefäße des Organs vermenschlichen und ein Hybridorgan erzeugen - ein Schweineorgan mit vermenschlichten Blutgefäßen. Dies ist der Weg, um die Barriere zu Schweineorganen beim Menschen zu überwinden."

Er erklärte, dass sich sein Team sich deshalb für die Verwendung von Plazentazellen entschieden habe, weil die Plazenta das „ideale Organ ist, das zwei Menschen miteinander verbindet und eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen Mutter und Fötus spielt." Laut Dr. Cohen wurde die Methode bisher erfolgreich an einer Reihe von Organen ausprobiert: Herz, Lunge, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse sowie Gliedmaßen. Die bisherigen Experimente wurden jedoch ex-vivo durchgeführt - also außerhalb des Körpers.

 

Als Nächstes wollen die Forscher die ersten hybriden Organtransplantationen bei Tieren durchführen und in etwa fünf Jahren, so hofft Dr. Cohen, die erste Transplantation beim Menschen. Die detaillierten Ergebnisse ihrer Studie wurden in der renommierten Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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