11.11.2022

Sonnensturm hat Loch in Erdmagnetfeld und rosa Polarlichter erzeugt

Ein besonders starker Sonnensturm hat in dieser Woche ein Loch in das Magnetfeld der Erde gerissen und damit einige epische - und seltene - rosa Polarlichter ausgelöst.

 

Nein, es war kein Angriff außerirdischer Wesen, die mit intergalaktischen rosa Chemtrails versucht haben, die Menschheit zu unterwerfen, es war ein sehr seltenes Naturphänomen, das einiger ungewöhnlicher Umstände bedurfte, damit dieses farbenprächtige Lichtschauspiel zustande kommen konnte.

 

Die faszinierende, farbenträchtige Szenerie wurde von Markus Varik, Reiseleiter des auf Polarlichter- und Walbeobachtungstouren spezialisierten Reiseveranstalters Greenlander, am 3. November am Himmel über Tromsø in Norwegen aufgenommen und auf der Facebook-Seite des Unternehmens veröffentlicht.

Polarlichter entstehen, wenn die elektrisch geladenen Teilchen (hauptsächlich Elektronen, aber auch Protonen) des Sonnenwinds aus der Magnetosphäre auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen und diese ionisieren. Bei der nach kurzer Zeit wieder erfolgenden Rekombination wird Licht ausgesandt. Durch die Energieübertragung gelangen die Elektronen auf ein höheres Energieniveau, fallen danach aber wieder zurück und erzeugen ein Fluoreszenzlicht.

 

Die Polarlichter Aurora Borealis auf der Nordhalbkugel und Aurora Australis auf der Südhalbkugel erscheinen in der Regel grün (manchmal auch mit einem leichten rötlichen oder violetten Ton), weil die meisten Sonnenwinde nur Höhen von 100 bis 240 Kilometern erreichen, wo es eine höhere Sauerstoffkonzentration gibt. Die ionisierten Sauerstoffteilchen verleihen ihnen ihr charakteristisches grünes Leuchten.

 

Es war der Stickstoff in der Atmosphäre, der sie in diesem Fall rosa erscheinen ließ. Stickstoffteilchen kommen in niedrigeren Höhen von etwa 100 Kilometern vor, die die meisten Sonnenwinde eigentlich nicht erreichen, sodass es einer besonders starken Sonnenaktivität benötigt, um geladene Teilchen mit solcher Kraft zu schleudern, dass sie diese »niedrige« Höhe in der Erdatmosphäre erreichen. Beispielsweise einen solchen gewaltigen Sonnensturm, wie der, der am 3. November auf die Erde traf.


Denn an jenem Tag traf ein geomagnetischer Sturm der Klasse G1 auf die Erde und riss ein Loch in das Magnetfeld, das sechs Stunden lang geöffnet blieb. Die Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten (National Oceanic and Atmospheric Administration, NOAA) hatte vorsorglich vor einem potenziellen Sonnensturm gewarnt, der auf ihrer Skala von 1 bis 5 zwar als »gering« eingestuft wurde, dennoch Schwankungen im Stromnetz, geringfügige Auswirkungen auf Satelliten, Beeinträchtigung wandernder Tiere und natürlich außergewöhnliche Polarlichter nicht ausschloss.

 

Keine Sorge, Risse im Magnetfeld der Erde sind normal. Das Magnetfeld wirkt wie ein Schutzschild, das uns vor den von der Sonne ausgeworfenen Sonnenstürmen schützt. Früher ging man davon aus, dass sich diese Löcher relativ schnell öffnen und schließen würden, heute wissen wir, dass sie bis zu 14 Stunden lang offen bleiben können. Aktuell steuert die Sonne auf ihre aktivste Periode im Sonnenzyklus zu (Juli 2025) und ist bereits ungewöhnlich früh aktiv. Die Chancen, Polarlichter zu sehen, sind schon jetzt ziemlich gut, aber sie werden in den nächsten drei Jahren noch besser werden.

Allerdings sind sich die Experten nicht sicher, ob es sich bei diesem ungewöhnlichen Phänomen vom 3. November tatsächlich um eine noch nie zuvor beobachtete Art von Polarlicht handelte, das durch die beeinträchtigte Magnetosphäre verursacht wurde, oder ob es nicht möglicherweise auf etwas anderes zurückzuführen sei. So vermuten sie, dass diese rosa Lichter in Wirklichkeit von gefrorenem Treibstoff einer russischen Rakete erzeugt worden sein könnten, doch laut Spaceweather.com wurden keine Raketen in dem Gebiet registriert.

 

Übrigens, in Kanada steht eine Webcam, die Interessenten per Livestream die Möglichkeit bietet, die berühmten Nordlichter (Aurora borealis) in Echtzeit zu beobachten, wenn sie auftreten. Der Livestream wird von dem Naturkamera-Netzwerk explore.org in Zusammenarbeit mit der Organisation Polar Bears International betrieben und sendet vom Churchill Northern Studies Centre in der Provinz Manitoba. Der Standort gilt als erstklassiger Ort für die Beobachtung der atemberaubenden Aurora Borealis, da er sich direkt unter einem Bereich in der Atmosphäre befindet, der besonders gute Bedingungen zur Entstehung der Lichter liefert.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Markus Varik/Greenlander


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