23.02.2022

Studie legt nahe: Die Erde könnte ein intelligentes Wesen sein

Eine neue Studie hat sich mit der Frage beschäftigt, ob unser Planet nicht nur eine leblose Kugel aus Wasser, Metall und Gestein ist, sondern eine eigenständige, intelligente Entität.

 

Diese Frage haben Adam Frank, Helen F. und Fred H. Gowen Professoren für Physik und Astronomie an der Universität von Rochester sowie ihre Kollegen David Grinspoon vom Planetary Science Institute und Sara Walker von der Arizona State University zu ergründen versucht. Laut ihrer aktuell im International Journal of Astrobiology veröffentlichten Studie könnte hinter der so genannten »Gaia-Hypothese« mehr stecken, als es zunächst den Anschein haben mag. Gaia (in deutsch oft auch Gäa) ist in der griechischen Mythologie die personifizierte Erde und eine der ersten Gottheiten. Ihr Name ist indogermanischen Ursprungs und bedeutet möglicherweise die Gebärerin, ihre Entsprechung in der römischen Mythologie ist Tellus.

„Konventionell wird Intelligenz als eine Eigenschaft von Individuen betrachtet", so Prof. Frank in einem Statement. „Es ist jedoch bekannt, dass sie auch eine Eigenschaft von Kollektiven [Schwarmintelligenz] ist." Und ihrer Studie zufolge durchläuft ein Planet je nach seiner Bewohnbarkeit und der Entstehung von intelligentem Leben vier große Entwicklungsstadien. Diese reichen von einer „unreifen Biosphäre" (wie die Erde vor Milliarden von Jahren) bis hin zu einer „reifen Technosphäre" (dem perfekten Gleichgewicht zwischen biologischen und technischen Systemen).

 

„Gegenwärtig ist unsere Zivilisation das, was die Forscher als 'unreife Technosphäre' bezeichnen, ein Konglomerat aus vom Menschen geschaffenen Systemen und Technologien, das sich direkt auf den Planeten auswirkt, sich aber nicht selbst erhält", so die Studienautoren. „Der Großteil unseres Energieverbrauchs besteht zum Beispiel aus dem Verbrauch fossiler Brennstoffe, die die Ozeane und die Atmosphäre der Erde belasten. Die Technologie und die Energie, die wir verbrauchen, um zu überleben, zerstören unseren Heimatplaneten, was wiederum unsere Spezies zerstören wird. Planeten durchlaufen unreife und reife Stadien, und die planetare Intelligenz ist ein Indikator dafür, wann man einen reifen Planeten erreicht. Die Millionen-Dollar-Frage besteht darin, herauszufinden, wie planetarische Intelligenz aussieht und was sie für uns in der Praxis bedeutet, denn wir wissen noch nicht, wie wir zu einer reifen Technosphäre gelangen können."

Es läge in der Natur der Sache, dass ein komplexes System völlig neue Eigenschaften hat, die sich aus dem Zusammenspiel der einzelnen Teile ergeben. Es wäre zum Beispiel schwierig, die Persönlichkeit eines Menschen allein durch die Untersuchung der Neuronen in seinem Gehirn zu erkennen. Das bedeutet, dass es schwierig ist, genau vorherzusagen, welche Eigenschaften entstehen könnten, wenn Individuen eine planetarische Intelligenz bilden. Ein komplexes System wie die planetarische Intelligenz wird den Forschern zufolge jedoch zwei entscheidende Merkmale aufweisen: Es wird ein emergentes Verhalten aufweisen und sich selbst erhalten müssen.

 

Die Biosphäre habe vor Milliarden von Jahren selbst herausgefunden, wie sie Leben beherbergen kann, indem sie Systeme für die Bewegung von Stickstoff und den Transport von Kohlenstoff geschaffen hat. Jetzt müssten wir herausfinden, wie wir die gleiche Art von Selbsterhaltungscharakteristik für die Technosphäre erreichen können, denn trotz einiger Bemühungen, darunter das weltweite Verbot bestimmter umweltschädlicher Chemikalien und die verstärkte Nutzung der Sonnenenergie, haben wir noch keine planetarische Intelligenz oder eine ausgereifte Technosphäre.

Kurz zusammengefasst: Solange wir das perfekte Gleichgewicht zwischen biologischen und technischen Systemen (die Technosphäre) nicht erreicht haben, kann sich unser Planet offensichtlich nicht zu einem eigenständigen Wesen entwickeln. Allerdings ist damit nicht ein Wesen wie der Mensch gemeint, sondern eher eines, das die Eigenschaften einer Art Schwarmintelligenz aufweist - ähnlich einem Superorganismus wie die Portugiesische Galeere (Physalia physalis). Die Staatsqualle besteht aus unzähligen kleinen Einzellebewesen und kann nur in dieser symbiotischen Beziehung existieren. Die Einzeltiere des Stocks sind so hochspezialisiert und vielgestaltig, dass man sie theoretisch als Organe eines einzigen übergeordneten Organismus betrachten könnte.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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