26.12.2022

Entdeckung neuer Gene zeigt: Menschliche Evolution noch unvollendet

Wir Menschen und Schimpansen haben uns vor etwa 7 Millionen Jahren von gemeinsamen Vorfahren abgespalten und wie eine neue Studie bestätigt, entwickeln wir uns als Spezies immer noch weiter.

 

Das gesamte Ausmaß unserer genetischen Veränderungen seit dieser Abspaltung herauszufinden, erweist sich als äußerst schwierig. Jetzt haben Wissenschaftler um Nikolaos Vakirlis vom Biomedical Sciences Research Center »Alexander Fleming« in Vari (Griechenland) 155 neue Gene aus unserer evolutionären Vergangenheit ausfindig gemacht, von denen einige nur beim Menschen vorkommen. Sie sind nicht nur neu, sie sind auch winzig, so genannte »Mikrogene«, die aus winzigen DNA-Fragmenten entstanden sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie keinen großen Einfluss haben, denn es wird vermutet, dass sie für die Entstehung bestimmter Krankheiten und Wachstumsdefekte von Bedeutung sein könnten.

Wie die Forscher in ihrer im Fachjournal Cell Reports veröffentlichten Studie schreiben, konnten sie akribisch nach Beweisen für unsere Evolution suchen, indem sie bereits bestehende Datenbanken mit funktionellen Genen durchforsteten und mit Hilfe dieser Datenbanken Evolutions-Stammbäume für mehrere Wirbeltiergruppen erstellten. „Dieses Projekt begann 2017, weil ich mich für die Evolution neuartiger Gene interessierte und herausfinden wollte, wie diese Gene entstehen", erklärt Vakirlis in einem Statement. „Es [das Projekt] wurde einige Jahre lang auf Eis gelegt, bis eine andere Studie veröffentlicht wurde, die einige sehr interessante Daten enthielt, die es uns ermöglichten, mit dieser Arbeit zu beginnen.“

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Mit den zusätzlichen Daten war das Team in der Lage, 155 neue Gene zu identifizieren, die aus DNA-Fragmenten entstanden sind, von denen zwei recht neu und einzigartig für den Menschen sind, was zeigt, dass wir uns evolutionär immer noch weiterentwickeln. Mit diesem Ansatz stießen die Forscher zwar an die Grenzen dessen, was mit unseren derzeitigen Kenntnissen der Genetik nachweisbar ist, doch sie konnten damit Beweise für unsere evolutionäre Vergangenheit finden. Als Nächstes gilt es nun herauszufinden, ob solche Mikrogene auch eine biologische Bedeutung haben. „Es wird sehr interessant sein, in zukünftigen Studien zu verstehen, was diese Mikrogene bewirken und ob sie direkt an irgendeiner Art von Krankheit beteiligt sind", so Vakirlis weiter.

In Zellkulturen wurden bereits 44 der 155 Gene identifiziert, die mit Wachstumsdefekten in Verbindung zu stehen scheinen, und drei weitere mit DNA-Markern für Krankheiten wie Muskeldystrophie, Retinitis pigmentosa und das Alazami-Syndrom. Der Nachweis ihrer vollständigen biologischen Bedeutung wird jedoch schwierig sein, da experimentelle Tests an der menschlichen Entwicklung ein ethisches Minenfeld darstellen.

 

Die Forscher hoffen jedoch, Wege zu finden, um zu testen, was sie bereits gefunden haben, und in Zukunft noch mehr zu entdecken. „Diese Gene werden gerne ignoriert, weil sie so schwierig zu erforschen sind, aber ich denke, es wird zunehmend anerkannt, dass sie untersucht und berücksichtigt werden müssen", so die Studien-Hauptautorin Aoife McLysaght, Wissenschaftlerin am Trinity College Dublin. „Wenn wir mit dem, was wir glauben, richtig liegen, gibt es noch viel mehr funktionsrelevantes Material, das im menschlichen Genom verborgen liegt.“

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Gemeinfrei


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