19.11.2022

Erde könnte ein bisher unbekanntes 6. Massenaussterben erlebt haben

Es wird angenommen, dass es ein weiteres - erstes - Massenaussterben in der Erdgeschichte gab, das wir bisher nicht erkannt haben.

 

Seit es Leben auf der Erde gibt, haben Katastrophen mit globalen Auswirkungen immer wieder zu Massenaussterben geführt. Als Massensterben werden Abschnitte in der Erdgeschichte bezeichnet, in denen wesentlich mehr Arten ausstarben als in den Zeiten davor und danach und wovon sowohl das Leben an Land als auch das Leben im Wasser betroffen waren.

Diese Perioden traten auf unserem Planeten immer wieder auf und hier sind die fünf großen, relativ gesicherten Massensterbens-Episoden mit ihren Auswirkungen im Überblick:

 

Am Ende des Ordovizium (vor ca. 444 Mio. Jahren): Etwa 85 Prozent der Arten und 60 Prozent der Gattungen wurden ausgelöscht, darunter mehr als die Hälfte der Bryozoa- und Brachiopodenspezies. Ursache wird ein Klimawandel vermutet, der das Leben in den Ozeanen und an Land stark beeinträchtigte.

 

Am Ende des Devon (vor ca. 372 Mio. Jahren): Etwa 50 bis 75 Prozent aller Arten verschwanden während dieses als Kellwasser-Ereignis bezeichneten Massenaussterbens, dessen Ursache nicht fundiert geklärt ist.

 

Am Ende des Perm (vor ca. 260 Mio. Jahren): Rund 95 Prozent aller meeresbewohnenden und etwa 70 Prozent der an Land lebenden Arten starben aus, darunter ein Drittel aller Insektenarten. Dieses Ereignis ist das einzige bekannte Massensterben von Insekten in der Erdgeschichte. Es war zudem das größte der Massenaussterben, oft einfach nur auch als »Das Große Sterben« bezeichnet.


Am Ende des Trias (vor 208 Mio. Jahren): Etwa 35 Prozent aller Familien des Tierreiches starben aus, selbst die meisten frühe Dinosaurierarten werden ausgelöscht. Ursache war der durch die Plattentektonik ausgelöster Vulkanismus, der gravierende Folgen für Atmosphäre, Klima sowie Biosphäre hatte und auch schließlich zur Spaltung des Superkontinents Pangaea geführt hatte.

 

Am Ende der Kreide (vor 66 Mio. Jahren): Rund 70 bis 75 Prozent aller Tierarten ausgelöscht, darunter mit Ausnahme der Vögel auch die Dinosaurier. Als Ursache werden ein Asteroideneinschlag auf der Yucatán-Halbinsel im heutigen Mexiko sowie Flutbasalt-Vulkanismus im westlichen Indien bzw. die Kombination beider Ereignisse.

 

Doch es gab auch vor-, nach- und zwischengeschaltet immer wieder kleinere erdgeschichtliche Epochen die zu Artensterben führten aber »nur« rund 10 bis 20 Prozent der damals jeweils lebenden Tier- und oder Pflanzenarten betrafen.

 

Seit einigen Jahren mehren sich jedoch die Hinweise darauf, dass es auch vor etwa 550 Millionen Jahren ein Massensterben gegeben haben könnte, das zum Tod von 80 Prozent aller Säugetiere führte und auf einen plötzlichen Rückgang des globalen Sauerstoffgehalts in der Atmosphäre zurückgeführt wird. Die Beweise für dieses Aussterben in der Ediacaran-Zeit stammen aus zwei wichtigen Fossilienfunden. Der eine stammt aus der Zeit zwischen 560 und 550 Millionen Jahren und wird als »Weißes-Meer-Ansammlung« bezeichnet, der jüngere stammt aus der Zeit vor 550 bis 539 Millionen Jahren und wird als »Nama-Ansammlung« bezeichnet. Die früheren Fossilien weisen 70 Gattungen makroskopischer Tiere auf, während es bei den späteren Fossilien nur noch 14 sind.

Wie nun ein Wissenschaftlerteam um Scott Evans vom Virginia Polytechnic Institute and State University in Blacksburg (USA) in ihrer im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Science veröffentlichten Studie schreibt, wäre es möglich, dass der Unterschied zwischen den beiden Fossiliensammlungen auf Abweichungen bei der Probenahme oder der Konservierung zurückzuführen ist, doch sie fanden keine Hinweise darauf. Sie stellten vielmehr fest, dass unter diesen Meerestieren diejenigen, die im Verhältnis zu ihrem Volumen eine größere Oberfläche aufwiesen, mit größerer Wahrscheinlichkeit überlebt haben. Das ist ein Hinweis darauf, dass diejenigen, die mehr Sauerstoff aufnehmen konnten, die Gewinner dieser Umweltveränderungen waren.

 

So sind sich die Forscher sicher, dass ihre Studie zeigt, dass dieses neue, erste Massenaussterben von Tieren, wie alle anderen Massenaussterben in der Erdgeschichte auch, durch starke Klimaveränderungen verursacht wurde und es ein weiteres Beispiel in einer langen Reihe von Katastrophen in der Geschichte sei, die die Gefahren unserer derzeitigen Klimakrise für die Tierwelt aufzeigt.

 

Allerding haben sie keine Hinweise darauf gefunden, was die genaue Ursache für dieses Massenaussterben war und, falls es wirklich auf einen Sauerstoffmangel zurückzuführen ist, was es auslöste. Es könnten Vulkane, Plattentektonik oder sogar ein Asteroid gewesen sein. Massenaussterben sind ein fester Bestandteil der Evolution des Lebens auf der Erde und haben die Art der heute bestehenden Organismen auf unserem Planeten geprägt.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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