17.11.2022

Fund zeigt: Menschen kochten schon vor 780.000 Jahren ihre Nahrung

Archäologen haben an der archäologischen Stätte Gesher Benot Ya’aqov im nördlichen Jordantal in Israel den ältesten Nachweis dafür gefunden, dass unsere menschlichen Vorfahren schon vor 780.000 Jahren ihre Nahrung gegart haben.

 

Nach der Analyse der dort entdeckten Überreste einer riesigen, ausgestorbenen Karpfenfischart kamen die Forscher zu dem Schluss, dass das Tier bei schwacher bis mäßiger Hitze gegart wurde, was die früheste Verwendung von Feuer zur Nahrungszubereitung um mehr als 600.000 Jahre nach hinten verschiebt.

 

Die Beherrschung des Feuers wird als ein wichtiger Meilenstein in der menschlichen Evolution angesehen, da sie es unseren Vorfahren ermöglichte, Nahrung leichter zu kochen und zu verdauen, so dass mehr Energie für die kognitive Entwicklung zur Verfügung stand. Nach Ansicht einer aktuellen im Fachmagazin Nature Ecology & Evolution veröffentlichten Studie könnte insbesondere gekochter Fisch das Wachstum des Gehirns und einen schärferen Intellekt bei den ausgestorbenen Hominidenarten begünstigt und damit den Grundstein für unsere heutigen Intelligenz und Zivilisation gelegt haben.

Wie die Studienautoren um Dr. Irit Zohar vom Steinhardt Museum of Natural History der Tel Aviv University und ihre Kollegin Dr. Marion Prevost von der Hebrew University of Jerusalem schreiben, hatten sie mit Hilfe der Röntgenpulverdiffraktometrie die Größe und Struktur der Schmelzkristalle an diesen Fischzähnen analysiert und festgestellt, dass sie nicht verbrannt sind, sodass die Tiere bei einer kontrollierten mäßigen Temperatur von weniger als 500 °C gekocht wurden.

 

Zwar hätten unsere Vorfahren den Fisch zwar auch roh verspeisen können, doch sei gegarter Fisch nicht nur bekömmlicher und wegen der Gräten auch ungefährlicher zu essen, sondern auch viel leichter zu verdauen. Zudem bleibt sein Gehalt an wichtigen mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure) erhalten, wenn er durch Dämpfen oder Backen (aber nicht durch Grillen) zubereitet wird. Die große Menge an Fischresten, die an der Stätte gefunden wurde, beweist, dass die frühen Menschen gerne und oft Süßwasserfische aus dem alten ursprünglichen Hula-See verzehrten und auch entsprechende spezielle Kochtechniken entwickelten. Welche Kochmethoden oder -untensilien sie dazu benutzten ist unklar, da keine Hinweise darauf gefunden wurden.


Ebenso ungewiss ist, wann der Mensch genau damit begann, seine Nahrung zu garen, da unter den Experten kein Konsens darüber besteht, wann Homininen erstmals die Fähigkeit entwickelten, das Feuermachen zu beherrschen und zu kochen. Es gibt zwar Indizien darauf, dass der Homo erectus schon vor 1,7 Millionen Jahren herausgefunden haben könnte, wie man das Feuer kontrolliert nutzt, doch es ist unklar, ob er es auch für die Nahrungszubereitung einsetzte. Die bisher ältesten direkten Nachweise für das Garen mit Feuer sind etwa 170.000 Jahre alt und stammen vom frühen Homo sapiens und Neandertaler.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, Bearb. F. Calvo


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