11.05.2022

Einen extrem seltenen Tiefsee-Drachenfisch auf Video festgehalten

Drei Jahrzehnte lang hatten Wissenschaftler des Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) die Tiefen der kalifornischen Monterey Bay mit ferngesteuerten Fahrzeugen (ROVs) abgesucht und dabei viele wundersame Lebewesen gefunden, darunter mehrere Arten von Drachenfischen. Der Hochflossen-Drachenfisch (Bathophilus flemingi) hat sich jedoch stets als der am schwerste zu fassende Fisch dieser Spezies erwiesen.

 

Dieser besonders seltene Fisch wurde während einer kürzlichen Expedition entdeckt, in deren Rahmen die Meeresbiologen an Bord des Forschungsschiffes »Western Flyer« ein unbemanntes, ferngesteuertes Tauchfahrzeug (ROV) in die Dämmerungszone (auch als mesopelagische Zone bekannt) hinabsteigen ließen, die sich zwischen 200 bis 1.000 Metern Tiefe erstreckt.

In einer Tiefe von 300 Metern erfasste die 4K-Videokamera des Tauchroboters schließlich den seltenen metallisch glänzenden Tiefseefisch, dessen spezielle Art die seltenste aller Drachenfische ist und von denen die Wissenschaftler des MBARI in ihren mehr als drei Jahrzehnten Tiefseeforschung und über 27.600 Stunden Videoaufnahmen lediglich vier Exemplare zu sehen bekamen.

„Es sind einfach faszinierende Tiere, und dies liegt zum Teil an ihrem Farbmuster. Die Schuppen der Drachenköpfe schimmern in einem metallischen Bronzeton, der sich von dem aller anderen Fische in der Tiefsee unterscheidet", erklärte Bruce Robison, ein leitender Wissenschaftler des MBARI und Forschungsleiter des Teams, das die Entdeckung machte, gegenüber Live Science. Die Pigmente, die der bronzefarbenen Haut des Fisches ihre Farbe verleihen, sind vermutlich eine Form der Tarnung, da diese Schattierungen die schwachen Reste des blauen Lichts absorbieren, die es noch bis in die Tiefe schaffen, und den Fisch in seiner Umgebung nahezu unsichtbar machen. „Aber wenn wir sie mit weißem Licht beleuchten, sehen sie einfach großartig aus", so Robison.

 

Diese Art der Tarnung kommt dem bis zu 16 Zentimeter großen Fisch zugute, da er aus dem Hinterhalt jagt, indem er im Dunkeln schwimmt und darauf wartet, dass sich kleinere Fische und Krustentiere ihm nähern. Diese Beutetiere nähern sich jedoch nicht zufällig, vielmehr werden sie vom Drachenkopf angelockt, der einen biolumineszenten Faden besitzt, der von seinem Kinn ausgeht. „Er nutzt diesen Köder, um Beutetiere anzulocken, die den leuchtenden Punkt sehen und von ihm angezogen werden, weil sie denken, dass er klein genug ist, um ihn zu fressen", so Robison. Wenn die Beute nahe genug herankommt, beißen die breiten, zahnartigen Kiefer des Drachenfisches zu.

Drachenfische nutzen Biolumineszenz nicht nur, um ihre Beute zu ködern, sondern auch, um nicht gefressen zu werden. „Denn viele Raubfische jagen, indem sie nach oben schauen und versuchen, die Silhouette oder den Schatten ihrer Beute im Licht des Wassers über ihnen zu erkennen und um vor einem hellen Hintergrund nicht aufzufallen, hat der Drachenkopf eine Reihe von Lichtorganen an seinen beiden Flanken. Diese Lichtorgane passen sich der Farbe und Intensität des Lichts von oben an und lassen die Silhouette des Fisches verschwinden.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: MBARI

 

VIDEO:


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