20.01.2022

Sind Weberknechte wirklich die giftigsten Spinnen der Welt?

Man hört immer wieder, dass die Weberknechte (Opiliones) die giftigsten Spinnen der Welt wären, aber stimmt das?

 

Immer wieder hört man, dass die Weberknechte (auch Opa Langbein genannt) die giftigsten Spinnen der Welt wären, doch in Wirklichkeit steckt in dieser Aussage kaum ein Fünkchen Wahrheit. Zunächst einmal muss man klarstellen, dass es sich noch nicht einmal um eine richtige Spinne handelt, denn Weberknechte zählen zwar zu der Ordnung der Spinnentiere (Arachnida), weisen aber im Gegensatz zu den Webspinnen keine Gliederung ihres Vorder- und Hinterkörpers auf, bei ihr sind beide Körperteile verwachsen. Zudem verfügen sie weder über Spinndrüsen noch über Giftdrüsen im engeren Sinne. Ohnehin sind ihre Reißzähne so klein, dass sie nicht in der Lage wären, die Haut eines Menschen durchzubeißen.

Dafür besitzen sie Stinkdrüsen, die leichtflüchtige oder flüssige Substanzen absondern können, wenn sie sich bedroht fühlen und je nach Konzentration, betäubend bis tödlich wirken. Ein weiterer Unterschied zu den normalen Webspinnen ist, dass sie mit einem Penis sogar ein echtes Geschlechtsorgan besitzen. Weltweit sind rund 6.600 Arten mit Körperlängen von 2 bis 22 Millimetern bekannt, darunter die bekannten langbeinigen Arten, sowie Arten, die gedrungen und milbenförmig sind.

 

Als Lebensraum bevorzugen Weberknechte vorzugsweise feuchte Bodenschichten wie die von Biotopen oder Ökosysteme wie Dünen, Mooren und Heiden, wo sie sich hauptsächlich von mikroskopisch kleinen Gliederfüßern und toten Insekten ernähren. In bebauten Gebieten findet man sie in Laubwäldern, Gärten, Wiesen, Hecken oder Parks, dort fressen sie die abgestorbenen Pflanzenteile ab, auf denen sich mikroskopisch kleine, zersetzende Tieren befinden.

Fazit: Die Behauptung, Weberknechte wären die giftigsten Spinnen der Welt, ist Unsinn. Aber selbst, wenn es so wäre, wäre es kein Grund, sie zu verdammen, denn auch die giftigsten Spinnen haben - wie alle Lebewesen (außer der Mensch) auf diesen Planeten auch - eine wichtige Funktion in der Erhaltung des Erdgleichgewichts.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Wikimedia, gemeinfrei


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