12.11.2022

Ältesten vollständigen Satz des ersten Alphabets in Israel entdeckt

Obwohl die Ursprünge des Alphabets in Kanaan vermutet werden, stammen die umfangreichsten erhaltenen Funde aus anderen Regionen, so dass diese Entdeckung einer vollständigen Satzinschrift eine bedeutende archäologische Entdeckung darstellt.

 

Ein 3.700 Jahre alter Entlausungskamm aus Elfenbein, der in Tel Lachish, Israel, gefunden wurde, enthält den offenbar ältesten vollständigen Satz, der mit dem Vorläufer des Alphabets am Ort seiner Entstehung geschrieben wurde. Einer im Jerusalem Journal of Archaeology veröffentlichten Studie zufolge verraten die Buchstaben viel über die Entwicklung des Alphabets und über die Sorgen der antiken Elite.

Weder die alten Ägypter noch die Mesopotamier benutzten das, was wir heute als Alphabet kennen, sondern begannen mit bildlichen Darstellungen von Wörtern, die im Laufe der Zeit immer abstrakter wurden. Man nimmt an, dass die kanaanitischen Sprachen der Ursprung der Buchstaben sind, die in der modernen europäischen und arabischen Schrift verwendet werden. Die mutmaßlich frühesten Beispiele für diese Schrift sind etwa 3.800 Jahre alt. Beide stammen jedoch aus Ägypten und wurden offenbar von Wanderarbeitern angefertigt. Was die frühen Beispiele für die Verwendung des Alphabets aus dem damaligen Kanaan betrifft, so haben wir nur verstreute Wörter aus der Zeit vor etwa 3.300 Jahren.

 

Der Kamm von Tel Lachish ändert das, auch wenn die Buchstaben so klein und flach sind, dass sie bei der ersten Ausgrabung im Jahr 2016 gar nicht bemerkt wurden. Die Feinheit der Schrift deutet darauf hin, dass die Alphabetisierung in Kanaan zu dieser Zeit weiter verbreitet war als bisher angenommen. Die Inschrift gibt einen kleinen Einblick in das, was den Menschen in früheren Epochen wichtig war, denn sie weist darauf hin, dass eines dieser Dinge bissige Insekten waren - insbesondere Läuse, die sich in den Bärten der Männer niederließen.


Da der Kamm aus Elfenbein gefertigt wurde, vermuten die Archäologen, dass der Besitzer des Kammes wahrscheinlich ein hohes Ansehen in der Gemeinschaft hatte, da ein Stück aus einem solchen Material besonders teuer gewesen wäre. Aufgrund der Form der 17 Symbole auf dem Kamm schätzen die Autoren das Alter des Kammes auf 3.700 Jahre, obwohl er in einer viel jüngeren Schicht der antiken Stadt gefunden wurde. Sie übersetzen die Worte: „Möge dieser Stoßzahn die Läuse aus Haar und Bart vertreiben". Es ist klar, dass die Schrift zu dieser Zeit viel effizienter war als heute, da sie mühsam auf Ton, Knochen oder Elefantenzähne geritzt werden musste.

 

Dies ist zudem die erste Inschrift aus der Region, die sich auf den Zweck eines Gegenstandes und nicht auf seinen Besitzer bezieht. „Dies ist der erste Satz, der jemals in der kanaanitischen Sprache in Israel gefunden wurde", so Studien-Koautor Prof. Yosef Garfinkel von der Hebräischen Universität Jerusalem in einem Statement. „Es gab Kanaaniter in Ugarit in Syrien, aber sie schrieben in einer anderen Schrift, nicht in dem Alphabet, das bis heute verwendet wird."

Der briefmarkengroße Kamm ist beschädigt und hat bereits die meisten seiner Zähne verloren, hatte aber einst sechs dicke Ausstülpungen auf einer Seite und 14 feinere auf der anderen. Man nimmt an, dass die größeren Zähne zum Entwirren von Knoten verwendet wurden, während die kleineren Läuse und Eier entfernen konnten - ein System, das auch heute noch zur Bekämpfung von Stechinsekten verwendet wird. Auf dem zweiten Zahn des Kammes wurde sogar Chitin von Läusen gefunden.

 

Noch bevor die Inschrift auf dem Kamm bemerkt wurde, verriet der Kamm den Archäologen bereits etwas über das Leben im Nahen Osten zu jener Zeit. Denn alles, was aus Elfenbein hergestellt wurde, war ein Luxusgut, das erst aufwendig aus Afrika importiert werden musste. Läuse plagen die Menschheit seit mindestens 10.000 Jahren, und der Kamm beweist, dass sie sogar für die Wohlhabenden ein Problem darstellten.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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