16.01.2022

Erstmals Opfer eines 3.600 Jahre alten Vulkanausbruchs entdeckt

Vor rund 3.600 Jahren löste ein Vulkanausbruch in der Ägäis eine Flutwelle mit verheerenden Tsunamis aus, der möglicherweise den Untergang der minoischen Kultur auf Kreta herbeiführte - aber keine Opfer dieser Katastrophe gefunden werden konnten.

 

Als Minoische Eruption (auch Thera- oder Santorin-Eruption) wird der spätbronzezeitliche Ausbruch der ägäischen Vulkaninsel Thera (heute Santorin) bezeichnet, der im 17. oder 16. Jahrhundert v. Chr. die eng mit der minoischen Kultur verbundene Siedlung Akrotiri (moderner Name) auf Santorin begrub. Er gilt weithin als eine der zerstörerischsten Naturkatastrophen der Menschheitsgeschichte, die die gesamte Region verwüstete und sogar zum Untergang der minoischen Zivilisation beigetragen haben könnte.

Er brach mit der Energie von zwei Millionen Hiroshima-Bomben aus und verursachte riesige Flutwellen, die den Radius der Zerstörung weiträumig ausdehnten, sowie einen vulkanischen Winter, der bis nach China zu spüren war. Erstaunlicherweise wurden jedoch keine einzigen Überreste der Opfer gefunden, die eine derartige massive Naturkatastrophe aber unweigerlich in großer Zahl hätte nach sich ziehen müssen.

 

Als vor mehr als zehn Jahren etwa 70 Kilometer westlich der türkischen Stadt Izmir und gegenüber der griechischen Insel Chios die Bauarbeiten für ein Wohnkomplexes begannen, entdeckten Bauarbeiter dort Ruinen aus der Bronzezeit. Seitdem finden an dieser archäologischen Stätte namens Çeşme Bağlararasi Ausgrabungen statt, die eindeutige Hinweise darauf fanden, dass ihre Zerstörung durch Tsunamis des Thera-Ausbruchs verursacht wurde. Und wie die Archäologen um Vasıf Şahoğlu von der Universität Ankara in ihrer im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Studie schreiben, haben sie auch erstmals Opfer dieser Minoischen Eruption gefunden: Einen Mann und einen Hund.

Die beiden wurden vermutlich Opfer der ersten von insgesamt vier Tsunamiwellen, die nach dem Ausbruch des 227 km entfernten Vulkans von Santorin über die Region hinwegfegten. Interessanterweise fand man auch Hinweise auf eine Grube, die über dem Körper des Mannes ausgehoben wurde, was darauf schließen lässt, dass jemand entweder versucht hatte, ihn zu retten, oder seine Überreste für eine ordnungsgemäße Bestattung bergen wollte. Eine zweite Tsunami-Welle verhinderte jedoch diesen Versuch.

 

Dieses Ereignis zeigt, wie zerstörerisch die Kräfte von Mutter Natur sein können und dient zugleich als Warnung, dass sich eine derartige Katastrophe eines Tages wiederholen könnte.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Fotos: Vasıf Şahoğlu


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