27.06.2020

Komet vernichtete vor 12.800 Jahren syrische Siedlung

Nach Überarbeitung früherer Daten und neuer Analysen kommen Wissenschaftler zu der Schlussfolgerung, dass die Trümmer eines Kometen vor rund 13.000 Jahren eine Siedlung im heutigen Syrien vernichteten.

 

Bevor die Taqba-Talsperre in 1973 den Euphrat im Norden Syriens staute, zeugte eine archäologische Stätte namens Abu Hureyra von einem alten Nomadenvolk, das dort gelebt hatte, bis eine Dürre sie zwang, auf eine frühe Form des Ackerbaus umzusteigen. Doch vor etwa 12.800 Jahren muss eine gewaltige Katastrophe stattgefunden haben, die das Dorf plötzlich von der Landkarte ausradierte und viele offene Fragen für unsere Wissenschaftler hinterließ. Bis heute sind sich die Experten uneinig darüber, welches Ereignis zu diesem Schicksalsschlag geführt haben könnte.

 

Heute markiert ein großer Hügel die Siedlung, die sich unter dem Assad-See befindet. Funde, die zwischen 1972 und 1973 bei einer archäologischen Ausgrabung an der Stätte entdeckt wurden, deuteten darauf hin, dass die Siedlung durch ein Feuer zerstört wurde, es blieb jedoch unklar, ob der Brand auf der Erde ausgelöst wurde oder durch ein zerstörerisches kosmisches Ereignis.

Nun hat ein Wissenschaftlerteam unter Leitung des Archäologen Andrew Moore vom Rochester Institute of Technology in New York, der auch bereits in den 1970er-Jahren das Ausgrabungsteam geleitet hatte, eine neue Untersuchung der damaligen Funde durchgeführt, um zu versuchen, das Rätsel ein für alle Mal zu lösen und haben ihre Ergebnisse in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

 

Dort heißt es, dass sie durch den Einsatz experimenteller Techniken zur Nachbildung der in der Siedlung gefundenen Materialien feststellen konnten, dass bestimmte im Boden gefundene Mineralien Temperaturen von über 2.000 Grad Celsius ausgesetzt gewesen sein müssen, da sie geschmolzen wurden - etwas, das mit einem herkömmlichen Feuer nicht hätte erreicht werden können.

 

Die Forscher verglichen das Material von Abu Hureyra mit Glas, das an anderen prähistorischen Einschlagstellen auf der Erde geschmolzen wurde, und fanden viele Ähnlichkeiten. Der Reichtum an Schmelzglas, das aus ungefähr demselben Zeitraum stammt, scheint ihre Theorie zu bestätigen, dass ein Komet vor 12.800 Jahren in die Erdatmosphäre eindrang und zerbarst, wobei seine Tausende Trümmerteile an mehr als 40 Orten in Nordamerika und Europa einschlugen. Ein einziger großer Asteroideneinschlag habe das Material nicht so weit verstreuen können, wie man es bei Abu Hureyra feststellen konnte.

 

„Es ist unmöglich, diese geschmolzenen Mineralien im Schmelzglas durch einen natürlichen oder anderen Prozess zu erklären als durch ein kosmisches Einschlagereignis", wird Moore auf Live Science zitiert. Für die Forscher kommt nur eine Erklärung in Betracht: Die Trümmer eines Kometen. „Man nimmt an, dass die größten Trümmerhaufen eines Kometen in der Lage sein könnten, innerhalb von Minuten Tausende von Luftdetonation auf der ganzen Erdhalbkugel zu verursachen", heißt es in ihrer Studie. „Ein Zusammenstoß mit einem solchen Millionen Kilometer breiten Trümmerhaufen wäre tausendmal wahrscheinlicher als eine Kollision mit einem 100 Kilometer breiten Kometen oder einem 10 Kilometer breiten Asteroiden.“

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Jennifer Rice, CometResearchGroup.org

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