29.10.2021

Sonnensturm hilft bei Datierung erster Wikinger in Amerika

Eine neue Methode hat Wissenschaftler dabei geholfen, genau zu bestimmen, wann die Wikinger erstmals auf dem amerikanischen Kontinent niedergelassen haben.

 

Christoph Kolumbus wird - fälschlicherweise - oft die Entdeckung Amerikas zugeschrieben und ging damit in die Geschichte ein, doch in Wirklichkeit wurde der Kontinent schon viele Jahrhunderte vor der Geburt des italienischen Seefahrers mehrfach von Europäern besucht. Zu diesen ersten Seefahrern, die Nordamerika erreichten, gehörten die Wikinger, von denen erwiesen ist, dass sie vor rund 1.000 Jahren in L'Anse aux Meadows in Neufundland eine Zwischenbasis errichteten.

Wann aber genau diese frühen skandinavischen Seefahrer auf dem Kontinent ankamen und sich dort niederließen, ist unter Archäologen nach wie vor ziemlich umstritten. Jetzt konnten jedoch eine neue Forschungsarbeit den Zeitpunkt ihrer Besiedlung genauer als je zuvor bestimmen, und zwar dank eines Sonnensturms, der die Erde im Jahr 993 n. Chr. traf.

 

Wie die Wissenschaftler um die Archäologin Margot Kuitems von der Universiteit Groningen in den Niederlanden in ihrer im Fachjournal Nature veröffentlichten Studie schreiben, hatten sie Holzproben nochmals analysiert, die in den 1960er-Jahren in und um L'Anse aux Meadows eingesammelt wurden, um das Datum einzugrenzen. Das Holz war noch erstaunlich gut erhalten, so dass eine erneute Analyse mit moderneren Datierungstechniken durchgeführt werden und anhand des Datums eines bekannten eines Sonnensturms aus dem Jahr 993 n. Chr. genau bestimmt werden konnte, wann diese Bäume gefällt worden waren.

Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Wikinger exakt im Jahr 1021 n. Chr. dort gesiedelt haben. „Wir wussten schon immer, dass es um das Jahr 1000 herum war, doch 1021 ist eine große Überraschung", erklärte der nicht an der Studie beteiligte Archäologe Davide Zori von der Baylor University in Texas dem National Geographic. „Das zeigt, dass die [Wikinger-]Sagen bis auf das Jahrzehnt genau stimmen. Das ist schon ziemlich beeindruckend."

 

Auch Ulf Büntgen, Geograph an der englischen University of Cambridge und ebenfalls nicht dem Studienteam zugehörig, äußerte sich sehr erfreut über diese Ergebnisse und sagte: „Das neue, präzisere Datum wird unser derzeitiges Verständnis der Präsenz der Wikinger in Amerika zwar nicht grundlegend ändern, aber es bestätigt, was Archäologen und frühere Hinweise nahegelegt haben. Ich freue mich sehr über diese Arbeit - vor 20 Jahren wäre es uns nicht möglich gewesen, solche Daten zu erhalten.“

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: CC BY-SA 4.0 Wolfmann


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