09.02.2020

Studie: Cahokias Untergang verlief anders als gedacht

Die amerikanischen Ureinwohner der Stadt Cahokia sind offenbar doch nicht untergegangen wie angenommen wird - sagen zumindest US-Wissenschaftler in ihrer Studie.

 

Tausend Jahre lang hatten einige indigene Stämme im heutigen Südwesten des US-Bundesstaates Illinois eine wahre Blütezeit, doch dann um das Jahr 1400 n. Chr. scheint irgendetwas den Zusammenbruch jener Gesellschaften bewirkt und sie aus der Region vertrieben zu haben. Sogar die um etwa 700 n. Chr. gegründete Stadt Cahokia, das Hauptzentrum der Mississippi-Kultur und größte präkolumbische Stadt nördlich von Mexiko, wurde scheinbar schlagartig verlassen. Doch was war der Grund?

Cahokia ist seit langem Gegenstand vieler Rätsel und Spekulationen, da ihre Einwohner Mitte des 13. Jahrhunderts begannen, die Stadt zu verlassen und nur ihre bis zu 120 Mounds (künstlich geschaffene Hügel) hinterließen. Man nimmt an, dass sich die endgültige Aufgabe der Stadt vermutlich etwa zwischen 1450 bis 1550 n. Chr. vollzogen haben dürfte und durch Faktoren wie Dürre, Überschwemmungen, Klimawandel und Ressourcenknappheit verursacht wurde. Auch der ursprüngliche Name der Stadt ist nicht bekannt, da die ansässigen Ureinwohner wahrscheinlich keine Schrift besaßen und keine Überlieferungen vorhanden sind. Ihren Namen erhielt die Stadt von den ersten Europäern, die sie nach dem damals in der Region lebenden Indianerstamm Cahokia benannten - der allerdings erst lange nach dem Untergang Cahokias dort auftauchte.

 

Jetzt haben Wissenschaftler der University of California, Berkeley jedoch eine neue Theorie aufgestellt und behaupten, dass die Einwohner von Cahokia möglicherweise gar nicht »verschwanden«, weil sie kurze Zeit später wieder zurückkehrten und sich dort erneut niederließen. Wie sie in ihrer im Fachjournal Science Daily veröffentlichten Studie schreiben, können die molekularen Signaturen (Stanole) der menschlichen Fäkalien durch Regen in Seen und andere Gewässerbecken gespült werden, was bedeutet, dass je mehr Stanole man in dort den alten Sedimenten findet, desto mehr Menschen wahrscheinlich in der Nähe gelebt haben müssen.

 

Entsprechend haben die Archäologen unweit der berühmten Hügel von Cahokia zwei Sedimentsproben von der gegenüberliegenden Seite des Horseshoe Lake genommen und analysiert. Die erhaltenen fäkalen Stanolquoten deuten darauf hin, dass die Bevölkerung in diesem Gebiet nach einem Tiefpunkt ab 1500 n. Chr. wieder zu anzusteigen begann, was darauf hindeutet, dass erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts – also lange nach der Ankunft der ersten europäischen Siedler - die Bevölkerungszahlen der Stadt wieder zu sinken begannen.

 

„Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Entvölkerung von Cahokia im zwölften bis vierzehnten Jahrhundert nicht das Ende einer indigenen Präsenz im Wassereinzugsgebiet des Horseshoe-Sees bedeutete, trotz des Mangels an archäologischen Beweisen und des Forschungsschwerpunkts auf den Besetzungen in Mississippi", schreiben die Studienautoren und sehen die Wiederbevölkerung nach dem Niedergang der Stadt durch ihre Ergebnisse bestätigt.

 

Das es danach dennoch zum Verschwinden der Bevölkerung kam, könnte durch Kriege, Krankheiten, Vertreibung, Umweltveränderungen sowie politischen Umwälzungen begründet sein.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: CC BY-SA 3.0 Skubasteve834 

Eines der rund 120 Mounds in Cahokia
Eines der rund 120 Mounds in Cahokia

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