18.09.2020

Verursachte eine Sonneneruption die Titanic-Katastrophe?

Über 100 Jahre nach dem legendären Schiffsunglück der Titanic will eine US-amerikanische Forscherin herausgefunden haben, dass nicht der Eisberg an sich schuld am Untergang des vermeintlich unsinkbaren Luxusdampfers gewesen sein könnte, sondern ein geomagnetischer Sturm, der die Navigation und Kommunikation der Titanic störte.

 

Mit einer Gesamtlänge von knapp 270 Metern und Kabinen für 1.300 Passagiere galt die »RMS Titanic« der White Star Line-Reederei zur Zeit ihrer Indienststellung im Jahre 1911 als das größte Passagierschiff der Welt. Unter britischer Flagge lief sie am 10. April 1912 im Hafen von Southampton zu ihrer Jungfernfahrt nach New York City aus. Während ihrer Reise kollidierte sie in der Nacht auf den 15. April 1912 etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland seitlich mit einem Eisberg und sank 3.840 Meter tief in den Atlantik. Seitdem ruht das Wrack am Meeresboden und erinnert demütig an die Katastrophe, die über 1.500 Menschenleben gefordert hatte.

Es gab bisher viele mögliche Erklärungen, die zum Untergang des ikonischen Schiffes geführt haben könnten, darunter ein Feuer (wir berichten hier) sowie menschliches Versagen durch den Kapitän des Schiffes, der darauf bestanden hatte, zu schnell durch ein Gebiet zu fahren, das für seine massiven Eisberge berüchtigt war. Nun bringt eine ehemalige Computer-Programmiererin aus San Francisco, Mila Zinkova, in ihrer neuen Studie einen weiteren potenziellen Faktor hinzu, der die Ereignisse damals an Bord vermutlich zur Tragödie werden lassen hat: ein geomagnetischer Sturm, der durch eine Sonneneruption erzeugt wurde und sich möglicherweise auf die Navigations- und Funkfähigkeiten der Titanic ausgewirkt hat.

 

„Die Titanic traf am 14. April 1912 (0310 UTC, 15. April) um 23:40 Uhr Schiffszeit bei leichtem Wind und relativ ruhigem Seegang auf einen Eisberg. Der vierte Offizier der Titanic, Joseph Boxhall, gab die SOS-Position des Schiffes durch, doch Boxhalls ermittelte Position lag etwa 13 Seemeilen (24 km) von ihrer tatsächlichen Position entfernt. Das Rettungsschiff »Carpathia« erhielt folglich diese falsche Position, steuerte aber dennoch auf sonderbare Weise direkt auf die Rettungsboote der Titanic zu. Sowohl der Fehler als auch die Korrektur könnten durch den Einfluss des Weltraumwetters verursacht worden sein. Hier wird davon ausgegangen, dass in der Zeit um die Katastrophe der Titanic ein bedeutendes Weltraumwetterereignis, in diesem Fall ein geomagnetischer Sturm, aufgetreten ist, der einige Auswirkungen auf Navigation und Kommunikation hatte. Es ist zwar nicht klar, wie schwerwiegend die Auswirkungen des geomagnetischen Sturms auf die Navigation des Schiffes gewesen sein könnten, doch schon die geringste Kursänderung hätte den fatalen Unterschied ausmachen können. Ein vernachlässigbarer Kompassfehler, der durch den Sturm entstanden sein könnte, hätte die Titanic auf Kollisionskurs bringen können", wird Zinkova auf Meaww.com zitiert.

 

Der geomagnetische Sturm könnte demnach für die falsche Berechnung der SOS-Position der Titanic sowohl auf direkte als auch auf indirekte Weise verantwortlich gewesen sein, indem er den Kompass beeinflusst und die Stresssituation für die Offiziere erhöht hat. Und dass das Rettungsschiff Carpathia die Titanic trotz der falschen Koordinaten dennoch angesteuert hat, könnte ebenfalls daran liegen, dass deren Navigationsgeräte ebenfalls vom geomagnetischen Sturm verfälscht worden waren.

 

Zinkova’s Analyse habe gezeigt, dass zum Zeitpunkt der Katastrophe tatsächlich im Nordatlantik ein mäßiger bis starker geomagnetischer Sturm herrschte. Zinkova räumt aber ein, dass es viele Ungewissheiten darüber gibt, ob und in welchem Ausmaß er die meteorologischen Komponenten und die Kompasse beeinträchtigt hat, argumentiert aber, dass er, wenn dies der Fall gewesen wäre, alle Aspekte der Tragödie beeinträchtigt haben könnte. Dazu würden die Kollision mit dem Eisberg, die Navigationsfehler sowie die fehlgeschlagene Kommunikation und die Rettungsaktionen gehören.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: F.G.O. Stuart/Wikipedia

Die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt am 10. April 1912
Die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt am 10. April 1912

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