06.10.2021

Wie kamen die Bewohner der Osterinsel an Trinkwasser?

Forscher haben einen neuen Blick darauf geworfen, wie die Einwohner der Osterinsel (in der Sprache der Einheimischen »Rapa Nui«) ihr Trinkwasser direkt aus dem Meer gewannen.

 

Eines der großen Rätsel - neben den fast 900 riesigen Steinskulpturen (die Moai) - die den ersten Europäern auf der rätselhaften Osterinsel begegneten, war die Frage, wie die Inselbewohner es bewerkstelligten, das Meerwasser trinkbar zu machen. Normalerweise ist Meerwasser nicht für den menschlichen Verzehr geeignet, aber im Fall der Osterinsel schien es, dass einige der Gewässer an der Küste der Insel nur sehr geringfügig salzhaltig waren und tatsächlich als Trinkwasser genutzt werden konnten.

Später stellte sich heraus, dass dies durch »Küstensickerquellen« möglich war, die entstehen, wenn Regenwasser durch das poröse Gestein der Insel in einen unterirdischen Grundwasserspeicher versickert. Kleine Süßwassertaschen können dann ins Meer sickern und sich an der Küste ablagern. Mit Hilfe von Drohnen und moderner Wärmebildtechnik konnten Forscher der Binghamton University in New York diese Süßwassertaschen an der Küste nun ausfindig machen, was ein viel besseres Verständnis der beteiligten Prozesse ermöglicht.


„Es ist zwar etwas salzig, aber nicht ungenießbar salzig", erklärt Robert DiNapoli, Studienleiter der im Fachjournal Remote Sensing veröffentlichten Studie. „Es ist nicht unbedingt ein Wasser, das sehr gut schmeckt". Doch für die frühen Bewohner der Osterinsel waren diese Süßwassertaschen eine Art Rettungsanker in Zeiten, in denen die einzigen Trinkwasserquellen der Insel in den Sommermonaten versiegten, da kaum Regen fiel. „Sie sahen sich einem sehr schwierigen Lebensraum konfrontiert, und sie entwickelten diese interessanten Überlebensstrategien", so DiNapoli. Ohne dieses natürliche Phänomen wäre es ihnen vermutlich gar nicht möglich gewesen, dort zu leben.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Alanbritom/Wikimedia Commons


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