09.09.2021

Aufnahmen des Tasmanischen Tigers jetzt auch in 4k-Farbe

Anlässlich seines 85. Todestages, hat man die Filmaufnahmen des letzten bekannten Tasmanischen Tigers neu überarbeitet.

 

Das beeindruckende Video, das den bisher qualitativ schönsten Blick auf einen Tasmanischen Tiger bietet, wurde anhand der Originalnegative erstellt und vom National Film and Sound Archive (NFSA) anlässlich des »National Threatened Species Day« (Tag der bedrohten Tierarten) veröffentlicht, mit dem das Bewusstsein für andere vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen geweckt werden soll. Gleichzeitig sollte damit aber auch dem letzten in Gefangenschaft gehaltenen Thylacinen gedenken, der vor 85 Jahren starb.

Der Film wurde von einem NFSA-Expertenteam aufwendig koloriert und mit einer hohen Bildauflösung restauriert, was eine besondere Herausforderung war. „Es war ein mühsamer Prozess, der viel Subjektivität und persönliche Kreativität erforderte, um viele verschiedene Facetten der Geschichte zu interpretieren. Durch die Anwendung vieler sekundärer und primärer Aufzeichnungen und die Betrachtung erstaunlicher 3D-Renderings dieser Kreatur konnte das Team diese historische Detektivarbeit leisten und die Farbe neu interpretieren", wird  NFSA-Kuratorin Vick Gwyn von der Daily Mail zitiert.

 

Der Tasmanische Tiger (Thylacinus cynocephalus), auch Beutelwolf, Tasmanischer Wolf oder Beuteltiger genannt, war das größte fleischfressende Beuteltier, das in geschichtlicher Zeit auf dem gesamten australischen Kontinent lebte. Das letzte uns bekannte lebende Exemplar hieß Benjamin und lebte im Beaumaris Zoo von Hobart in Tasmanien, wo auch das einzige Filmmaterial eines Thylacinen entstand. Die Originalaufnahmen wurden im Jahre 1933 vom Biologen David Fleay aufgenommen, der Benjamin studierte, bevor er 1936 nach drei Jahren Gefangenschaft starb. Er gilt als bekanntestes Beispiel aus jüngerer Zeit, wie schnell eine Spezies durch den Menschen ausgelöscht werden kann.

Zweifel am Aussterben des Tasmanischen Tigers

Ob der Tasmanische Tiger aber tatsächlich von der Bildfläche verschwunden ist, wird schon seit vielen Jahren sehr kontrovers diskutiert. Laut inoffiziellen Schätzungen könnte es bis zu 100 Tasmanische Tiger im Nordosten von Tasmanien geben, die im Schutz der Wildnis bis heute überlebt haben. Denn regelmäßig treffen Sichtungsmeldungen von Augenzeugen aus einigen Teilen Australiens ein, die ihn gesehen haben wollen. Auch diverse Experten glauben, dass es durchaus möglich wäre, dass einige Exemplare des Thylacinen in den riesigen, dünn bis gar nicht besiedelten Gebieten Australiens überlebt und sich ihre Population allmählich erhöht haben könnte.

 

Denn jedes Jahr werden Hunderte von Tierarten als ausgestorben erklärt, aber nicht alle sind tatsächlich für immer verschwunden - was hin und wieder zu einigen scheinbar überraschenden Entdeckungen führt. Erst kürzlich war es Forschern gelungen, den Sansibar-Leoparden wiederzuentdecken - eine Leopardenart, die in Tansania aufgrund menschlicher Jagdpraktiken bereits seit 25 Jahren als ausgestorben galt (wir berichteten hier). Diese Entdeckung weckt bei Kryptozoologen natürlich nicht nur die Hoffnung, weitere für ausgestorben geltende Spezies zu entdecken, sie zeigt auch, dass es durchaus möglich ist, dass sich auch große Tiere über Jahrzehnte vor den Blicken des Menschen verborgen halten können und sich so manches Tier aus den Legenden als durchaus real erweisen könnte.

 

Auch eine Studie, die ein internationales Wissenschaftlerteam im Januar 2021 publizierte, kommt nicht nur zu dem Schluss, dass der Beuteltiger durchaus noch lange nach den 1930er-Jahren überlebt haben könnte und ihr Aussterben höchstwahrscheinlich erst in den späten 1990er- oder frühen 2000er-Jahren stattfand, sondern es auch heute noch einige Exemplare in der abgelegenen Wildnis Tasmaniens geben könnte. Studienleiter Brook schätzte die Wahrscheinlichkeit zwar auf weniger als 10 Prozent, merkte aber an, dass es nicht gänzlich unwahrscheinlich sei.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: NFSA

 

VIDEO:


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