30.03.2022

Britische Regierung plante, Delfine zur Suche nach Nessie einzusetzen

Laut zwischenzeitlich freigegebenen Dokumenten plante die britische Regierung, das legendäre Seeungeheuer vom Loch Ness mit Hilfe von Delfinen aufzuspüren.

 

Wie es in den im Rahmen des Gesetz zur Informationsfreiheit (Freedom of Information Act, FOIA) freigegebenen Dokumenten heißt, wurde Margaret Thatcher nur wenige Tage nach ihrer Wahl zur britischen Premierministerin in 1979 der Vorschlag unterbreitet, Delfine aus den Vereinigten Staaten zu importieren und sie mit Hightech-Ausrüstung auszustatten, um sie in dem schottischen See Loch Ness nach dem vermeintlichen Seeungeheuer suchen zu lassen.

Aus einem Schriftstück von David Waymouth aus dem britischen Umweltministerium geht hervor, dass die Regierung für die Durchführung dieses Plans eine Genehmigung von Stewart Walker vom schottischen Innen- und Gesundheitsministerium beantragt hatte. Darin schreibt Waymouth: „Dieses Ministerium beantragt die Erteilung einer Lizenz für die Einfuhr von zwei Tümmlern aus Amerika zum Zweck der Erforschung von Loch Ness.“ Und weiter heißt es: „Nach Rücksprache mit den Säugetierexperten der Scientific Authority for Animals (Wissenschaftliche Behörde für Tiere) ist man der Meinung, dass es keine Gründe für die Verweigerung einer Lizenz gibt. Aber selbstverständlich könnte es noch andere Faktoren, vor allem politischer Natur geben, die Sie in Betracht ziehen möchten, bevor die Genehmigung erteilt wird.“

 

Trotz massiver Proteste von Tierschützern wurde damals argumentiert, dass die Suche nach dieser legendären Kreatur schließlich dem lokalen Tourismus zugutekommen würde.

Wie Daily Record berichtet, enthält das National Archive of Scotland leider keine Aufzeichnungen über eine Antwort auf das Schreiben vom Umweltministeriums. Doch wie wir heute wissen, wurde der Plan, die Delfine einzusetzen, nie verwirklicht.

Über das Ungeheuer von Loch Ness

Die erste dokumentierte Sichtung eines Ungeheuers im schottischen See Loch Ness - dass umgangssprachlich »Nessie« genannt wird - stammt aus dem Jahre 565 n. Chr., doch trotz der Tatsache, dass im Laufe der darauffolgenden Jahrhunderte weitere unzählige Sichtungen dieser Kreatur gemeldet wurden, konnte bisher kein endgültiger Beweis für die Existenz von Nessie geliefert werden - dennoch lockt allein die potentielle Möglichkeit, dass dieses mythische Wesen dennoch existiert, jedes Jahr über zwei Millionen Besucher zum schottischen See Loch Ness. Aufgrund der Beschreibung der Augenzeugen (länglicher dünner und dunkler Körper mit Höcker, einen Schwanz und einen schlangenähnlichen Kopf) halten es viele für einen als ausgestorben geglaubten Plesiosaurier.

Im Rahmen des Projektes »Super Natural History – Loch Ness Edition« hatte ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Prof. Gemmell im Juni 2018 zwei Wochen lang e-DNA-Proben vom Loch Ness entnommen und sie mit Proben aus den anderen schottischen Seen Loch Morar, Loch Garry und Loch Oich verglichen. Auf diese Weise erhofften sie sich, Spuren von Nessies Erbgut aufzuspüren. Denn falls tatsächlich eine kryptide Kreatur wie Nessie dort in dem See lebt, müsste sie Zellen und Fäkalien im Wasser hinterlassen haben, da alle großen Tiere im Wasser DNA verlieren, während sie schwimmen. Eine fremde DNA im See würde Nessie also schließlich entlarven.

Nach Abschluss der Analyse konnte man im Wasser des Loch Ness die DNA von 15 verschiedenen Fischarten sowie von über 3.000 Bakterienarten identifizieren, doch man fand keine Hinweise auf eine unbekannte Spezies. Da sich aber eine Menge Aal-DNA in den Proben befand, schloss Prof. Gemmell nicht aus, dass die seit Generationen dokumentierten Sichtungen eines Seeungeheuers im Loch Ness in Wirklichkeit auf Riesenaale zurückzuführen sein könnte.

Es gibt jedoch einen Haken an der von Prof. Gemmel durchgeführten Analyse: eDNA zersetzt sich im Wasser (in Abhängigkeit von Fließgeschwindigkeit und Temperatur) bereits nach wenigen Tagen und ist anschließend nicht mehr nachweisbar. Das heißt, theoretisch könnte sich sogar ein Blauwal in den Loch Ness verirren und dort einen Monat verweilen, bevor er wieder ins offene Meer zurückkehrt, seine DNA wäre eine Woche später nicht mehr im Wasser aufzuspüren. Da sich Nessie auch nicht durchgehend in dem See aufhalten soll, wäre es also denkbar, dass die Augenzeugen tatsächlich eine plesiosaurierähnliche Kreatur gesichtet haben.

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, Bearb. F. Calvo


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