23.01.2022

Ungeheuer von Loch Ness: Studie zweifelt Plesiosaurier-Theorie an

Das berühmte schottische Seeungeheuer wird oft für einen Plesiosaurier gehalten - aber wie plausibel ist das? Eine aktuelle Studie hat versucht, dies zu ergründen.

 

Sichtungen eines Ungeheuers im schottischen See Loch Ness - dass umgangssprachlich »Nessie« genannt wird - gibt es seit vielen Jahrhunderten und aufgrund der Beschreibung der Augenzeugen (länglicher dünner und dunkler Körper mit Höcker, einen Schwanz und einen schlangenähnlichen Kopf) halten es viele für einen Plesiosaurier. Mal abgesehen von der Tatsache, dass Plesiosaurier vor Millionen von Jahren ausgestorben sind - ist es überhaupt plausibel, dass das Ungeheuer von Loch Ness theoretisch ein solches Relikt aus der fernen Urzeit sein könnte?

Ein Wissenschaftlerteam um Dr. Paul Scofield vom Canterbury Museum in Neuseeland hat kürzlich eine Studie im Journal of Vertebrate Paleontology veröffentlicht, die sich mit einer Gattung der Plesiosaurier (Elasmosaurus) aus Nordamerika befasst hat und die ergab, dass diese Kreaturen ihren Kopf entweder auf gleicher Höhe oder unter der Höhe ihres Körpers hielten, wenn sie im Wasser schwammen. Daher sei es sehr unwahrscheinlich, dass sie ihren Kopf senkrecht aus dem Wasser strecken, wie es oft auf Fotos und Skizzen des legendären Ungeheuer von Loch Ness zu sehen ist.

 

„Das Labyrinth des Ohrs funktioniert am besten, wenn die winzigen Knochen darin unbeeinflusst von der Schwerkraft hängen können", so Dr. Scofield. „Aus diesem Grund verrät die Position des Innenohrs im Schädel eines Tieres viel darüber, wie das Tier seinen Kopf zu halten pflegt. Wir haben das Innenohr von Elasmosauriern untersucht und festgestellt, dass der Kopf in der Ruheposition waagerecht zum Körper oder sogar weit unterhalb des Körpers lag. Die 'traditionelle' Haltung - wie eine Sockenpuppe -, die in vielen populären Artikeln über Nessie gezeigt wird, entspricht nicht der, die Elasmosaurier üblicherweise einnahmen. Die Vorstellung, dass er seinen Kopf wie eine Sockenpuppe hochhebt, ist äußerst unwahrscheinlich."

So kommt Dr. Scofield auf Basis seiner Studie zu dem Schluss, dass Nessie - falls es existiert - keinesfalls ein Plesiosaurier sein könnte, da die Anatomie eines Plesiosaurier-Ohres dem beobachteten Schwimmverhalten widerspreche. Allerdings berücksichtigt Dr. Scofield nicht, dass stets geschildert wurde, dass Nessie den Kopf immer nur kurz senkrecht aus dem Wasser hob, weswegen sein Argument ebenfalls zweifelhaft sein dürfte.

 

Über das Ungeheuer von Loch Ness

Die erste dokumentierte Sichtung eines Ungeheuers im schottischen See Loch Ness - dass umgangssprachlich »Nessie« genannt wird - stammt aus dem Jahre 565 n. Chr., doch trotz der Tatsache, dass im Laufe der darauffolgenden Jahrhunderte weitere unzählige Sichtungen dieser Kreatur gemeldet wurden, konnte bisher kein endgültiger Beweis für die Existenz von Nessie geliefert werden - die viele aufgrund der Beschreibung für einen als ausgestorben geglaubten Plesiosaurier halten. Und dennoch lockt allein die potentielle Möglichkeit, dass dieses mythische Wesen dennoch existiert, jedes Jahr über zwei Millionen Besucher zum schottischen See Loch Ness.

Im Rahmen des Projektes »Super Natural History – Loch Ness Edition« hatte ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Prof. Gemmell im Juni 2018 zwei Wochen lang e-DNA-Proben vom Loch Ness entnommen und sie mit Proben aus den anderen schottischen Seen Loch Morar, Loch Garry und Loch Oich verglichen. Auf diese Weise erhofften sie sich, Spuren von Nessies Erbgut aufzuspüren. Denn falls tatsächlich eine kryptide Kreatur wie Nessie dort in dem See lebt, müsste sie Zellen und Fäkalien im Wasser hinterlassen haben, da alle großen Tiere im Wasser DNA verlieren, während sie schwimmen. Eine fremde DNA im See würde Nessie also schließlich entlarven.

Nach Abschluss der Analyse konnte man im Wasser des Loch Ness die DNA von 15 verschiedenen Fischarten sowie von über 3.000 Bakterienarten identifizieren, doch man fand keine Hinweise auf eine unbekannte Spezies. Da sich aber eine Menge Aal-DNA in den Proben befand, schloss Prof. Gemmell nicht aus, dass die seit Generationen dokumentierten Sichtungen eines Seeungeheuers im Loch Ness in Wirklichkeit auf Riesenaale zurückzuführen sein könnte.

Es gibt jedoch einen Haken an der von Prof. Gemmel durchgeführten Analyse: eDNA zersetzt sich im Wasser (in Abhängigkeit von Fließgeschwindigkeit und Temperatur) bereits nach wenigen Tagen und ist anschließend nicht mehr nachweisbar. Das heißt, theoretisch könnte sich sogar ein Blauwal in den Loch Ness verirren und dort einen Monat verweilen, bevor er wieder ins offene Meer zurückkehrt, seine DNA wäre eine Woche später nicht mehr im Wasser aufzuspüren. Da sich Nessie auch nicht durchgehend in dem See aufhalten soll, wäre es also denkbar, dass die Augenzeugen tatsächlich eine plesiosaurierähnliche Kreatur gesichtet haben.

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, Bearb. F. Calvo


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