08.04.2021

Ureinwohner erhalten Urheberrecht am Monster »Ogopogo«

Das Urheberrecht an Kanadas berühmter Kreatur, die auch als das kanadische Loch-Ness-Seeungeheuer bezeichnet wird, ist der Syilx Okanagan Nation (indigenes Volk in Kanada) zugesprochen worden.

 

Die Geschichten über den Ogopogo, der im Okanagan Lake in der kanadischen Provinz British Columbia lauern soll, gehen Jahrhunderte zurück. Sie stammen von den Ureinwohnern der Gegend und basiert auf den von den Syilx verehrten Wassergeist namens »n ̓x̌ax̌aitkʷ« (ausgesprochen n-ha-ha-it-ku), dessen Geschichten sie später an die europäischen Siedler weitergaben. Die Syilx sangen zu dem Geist und schenkten ihm Salbei, Tabak und Lachs. Doch die frühen Siedler hielten die Geschenke irrtümlicherweise für Opfergaben an ein Seeungeheuer.

Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Sichtungen der Kreatur berichtet, sie soll einen schlangenförmigen Körper aufweisen und die Zeugen schätzten seine Größe auf bis zu 14 Metern. Seine Haut soll von dunkelgrüner bis bräunlich-schwarzer Farbe sein und hinter seinem schafsähnlichen Kopf soll es eine wallende Haarmähne besitzen - häufig wurden auch Höcker und ein gespaltener Schwanz an ihm beobachtet. Die Syilx selbst behaupten, dass »n ̓x̌ax̌aitkʷ« die Gestalt einer dunklen Schlange mit Hörnern annehmen kann, die meiste Zeit jedoch in seiner wahren Form im Wasser verbringt.

 

Der Ogopogo erreichte einen Bekanntheitsgrad, der fast mit dem vom Ungeheuer vom Loch Ness vergleichbar ist, so richtig bekannt wurde es aber durch ein Lied aus dem Jahre 1924 mit dem Titel »The Ogopogo: The Funny Fox-Trot«, später wurden dem mythischen Wesen auch Briefmarken gewidmet, auf Denkmälern verewigt und sogar von einer kanadischen Hockeymannschaft als Logo und Maskottchen übernommen.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass einige der lokalen indigenen Gemeinschaften nicht allzu erfreut waren, als sich die Stadt Vernon 1956 das Urheberrecht an das Seeungeheuer aneignete und einem Kinderbuchautor die Rechte zur Veröffentlichung eines Buches mit dem Namen des Monsters als Titel gewährte. Die Rechte waren damals von einem lokalen Reporter an die Stadt übertragen worden, was die dort in der Nähe angesiedelten First Nations, ziemlich überraschte, da sie keine Ahnung hatten, dass eine solche Vereinbarung überhaupt existierte. „Wir haben es damit verglichen, als wenn sich jemand einfach das Eigentumsrecht an der Bibel nimmt und sich den Namen Moses urheberrechtlich schützen lässt", erklärte Häuptling Byron Louis von der Okanagan Indian Band dem The Guardian. „Allein der Gedanke, dass jemand Besitz von deinen Lehren und deinem religiösen Glauben ergreifen kann, ist absolut inakzeptabel."

 

Glücklicherweise hat der Gemeinderat der Stadt Vernon, nachdem sich die Angelegenheit herumgesprochen hatte, nach einer Abstimmung die Entscheidung getroffen, das Urheberrecht an die Syilx Okanagan Nation zu übertragen. „Das ist viel mehr als nur eine Geste", sagte Louis. „Es ist immerhin die Stadt, die sagt: 'Das gehört nicht uns. Das gehört euch.'

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, Bearb. F. Calvo


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