15.02.2022

Zwei verschollene Aufnahmen vom Tasmanischen Tiger entdeckt

Zwei als verschollen geltenden Filmaufnahmen des letzten Tasmanischen Tigers zufällig in einem Online-Archiv entdeckt.

 

Der Tasmanische Tiger (Thylacinus cynocephalus), auch Beutelwolf, Tasmanischer Wolf oder Beuteltiger genannt, war das größte fleischfressende Beuteltier, das in geschichtlicher Zeit auf dem australischen Festland, Tasmanien und Neuguinea lebte. Das letzte uns bekannte lebende Exemplar hieß Benjamin und lebte im Beaumaris Zoo von Hobart in Tasmanien, wo auch das bisher einzige bekannte Filmmaterial eines Tasmanische Tigers entstand. Es wurde im Jahre 1933 vom Biologen David Fleay aufgenommen, der Benjamin studierte, bevor er 1936 nach drei Jahren Gefangenschaft starb. Er gilt als bekanntestes Beispiel aus jüngerer Zeit, wie schnell eine Spezies durch den Menschen ausgelöscht werden kann.

Jetzt, über 80 Jahre später, wurden dank der Bemühungen des Griechen Andrew Vamvatsikos bisher unbekannte Aufnahmen vom Tasmanischen Tigern entdeckt, die unbemerkt im Online-Katalog des Tasmanian Archives and Heritage Office lagen. Die zwei kurzen Sequenzen wurden von Dr. Randle Stewart aufgenommen, einem Psychiater, der im Frühjahr 1931 während seines Urlaubs den Beaumaris Zoo in Tasmanien besuchte. Bei dem Tier, das in den Aufnahmen zu sehen ist, handelt es sich ebenfalls um den letzten in Gefangenschaft gehaltene Beutelwolf namens Benjamin, der wie bereits erwähnt, im September 1936 starb.

 

Laut Mike Williams von der australischen Niederlassung des Centre for Fortean Zoology ist das Filmmaterial für Fans des Tasmanischen Tigers von besonderem Interesse, da der »Stewart-Film«, wie er genannt wird, seit Jahrzehnten eine Legende unter Kryptozoologen ist, weil er zwischen 1978 und 1983 irgendwie verschwunden war.

Im ersten Clip, der fälschlicherweise mit »Tasmanischer Wolf« betitelt ist, sieht man den jungen Benjamin aus nächster Nähe in seinem Gehege im Zoo von Beaumaris herumlaufen. Der zweite Teil des Films zeigt zwar einen Tasmanischen Teufel in der Einrichtung, aber im Hintergrund ist auch Benjamin zu sehen. Die Clips sind extrem kurz aber dafür weisen sie eine besondere Einzigartigkeit auf, denn sie zeigen die einzige bekannte Aufnahme eines Tasmanischen Tigers gemeinsam mit einem Tasmanischen Teufel nebeneinander.

 

Wie selten und wertvoll diese neu entdeckten Sequenzen sind, zeigt sich daran, dass es inklusive dieser beiden Clips insgesamt lediglich 13 bekannte Filmaufnahmen gibt, die einen Tasmanischen Tiger zeigen, und dass die komplette »Sammlung« nur insgesamt vier Minuten Filmmaterial enthält.

Über den Tasmanischen Tiger

Der Tasmanische Tiger (Thylacinus cynocephalus), auch Beutelwolf, Tasmanischer Wolf oder Beuteltiger genannt, war das größte fleischfressende Beuteltier, das in geschichtlicher Zeit auf dem gesamten australischen Kontinent lebte. Das letzte uns bekannte lebende Exemplar hieß Benjamin und lebte im Beaumaris Zoo von Hobart in Tasmanien, wo auch das einzige Filmmaterial eines Beutelwolfs entstand. Es wurde im Jahre 1933 vom Biologen David Fleay aufgenommen, der Benjamin studierte, bevor er 1936 nach drei Jahren Gefangenschaft starb. Er gilt als bekanntestes Beispiel aus jüngerer Zeit, wie schnell eine Spezies durch den Menschen ausgelöscht werden kann.

Doch ob der Tasmanische Tiger tatsächlich von der Bildfläche verschwunden ist, wird angezweifelt, denn immer wieder berichten Augenzeugen, dass sie ihn gesichtet haben wollen.

Zweifel am Aussterben des Tasmanischen Tigers
Ob der Tasmanische Tiger aber tatsächlich von der Bildfläche verschwunden ist, wird schon seit vielen Jahren sehr kontrovers diskutiert. Laut inoffiziellen Schätzungen könnte es bis zu 100 Tasmanische Tiger im Nordosten von Tasmanien geben, die im Schutz der Wildnis bis heute überlebt haben. Denn regelmäßig treffen Sichtungsmeldungen von Augenzeugen aus einigen Teilen Australiens ein, die ihn gesehen haben wollen. Auch diverse Experten glauben, dass es durchaus möglich wäre, dass einige Exemplare des Thylacinen in den riesigen, dünn bis gar nicht besiedelten Gebieten Australiens überlebt und sich ihre Population allmählich erhöht haben könnte.

Denn jedes Jahr werden Hunderte von Tierarten als ausgestorben erklärt, aber nicht alle sind tatsächlich für immer verschwunden - was hin und wieder zu einigen scheinbar überraschenden Entdeckungen führt. Erst kürzlich war es Forschern gelungen, den Sansibar-Leoparden wiederzuentdecken - eine Leopardenart, die in Tansania aufgrund menschlicher Jagdpraktiken bereits seit 25 Jahren als ausgestorben galt. Diese Entdeckung weckt bei Kryptozoologen natürlich nicht nur die Hoffnung, weitere für ausgestorben geltende Spezies zu entdecken, sie zeigt auch, dass es durchaus möglich ist, dass sich auch große Tiere über Jahrzehnte vor den Blicken des Menschen verborgen halten können und sich so manches Tier aus den Legenden als durchaus real erweisen könnte.

Auch eine Studie, die ein internationales Wissenschaftlerteam im Januar 2021 publizierte, kommt nicht nur zu dem Schluss, dass der Beuteltiger durchaus noch lange nach den 1930er-Jahren überlebt haben könnte und ihr Aussterben höchstwahrscheinlich erst in den späten 1990er- oder frühen 2000er-Jahren stattfand, sondern es auch heute noch einige Exemplare in der abgelegenen Wildnis Tasmaniens geben könnte. Studienleiter Brook schätzte die Wahrscheinlichkeit zwar auf weniger als 10 Prozent, merkte aber an, dass es nicht gänzlich unwahrscheinlich sei.


© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: via YouTube

 

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