14.08.2022

Moskaus Streuner haben gelernt, die U-Bahn zu benutzen

Unter Moskaus schätzungsweise 35.000 streunenden Hunden gibt es einige, die regelmäßig das U-Bahn-System der Stadt benutzen, um zu ihren gewünschten Zielen zu gelangen. Diese Hunde scheinen in der Lage zu sein, genau zu wissen, wo sie einsteigen und vor allem, auch wieder aussteigen müssen. Doch wie genau diese Tiere das bewältigen, ist den Forschern bislang ein Rätsel.

 

Über die unzähligen, herrenlosen Hunde von Moskau wird schon seit dem 19. Jahrhundert berichtet. Sie ziehen zu Zehntausenden durch die russische Hauptstadt umher und gelten als besonders intelligent und listig. Offenbar hat das harte Leben auf der Straße ihren Intellekt geschärft und sie zu Leistungen befähigt, die man bei den gewöhnlichen Haushunden nicht unbedingt vorfindet.

Auffällig ist aber jetzt die Tatsache geworden, dass nun einzelne dieser Streuner vor einiger Zeit begonnen haben, die Moskauer Metro zu benutzen, um schneller von einem Ort zum anderen zu gelangen. Doch die Tiere steigen nicht wahllos irgendwo ein und aus, sondern gehen systematisch vor und wählen ihre Routen ganz bewusst aus. So fahren sie beispielsweise morgens ins Stadtzentrum hinein, wo die Aussichten auf Futter am größten sind und abends kehren sie dann wieder in die ruhigen Vororte zurück.

 

Wie sie sich derart exakt in den insgesamt 380 Kilometer langen U-Bahnstrecken und über 220 Haltestellen orientieren können, ist bislang unklar. Schon dass die Streuner in die teilweise überfüllten U-Bahnhöfe und Züge gehen, ist sehr ungewöhnlich, da Hunde eigentlich dichtes Gedränge scheuen und meiden.

In der Innenstadt angekommen, haben sie auch vielseitige und interessante Strategien entwickelt, um an das begehrte Futter zu gelangen. Da gibt es welche, die lieb und süß die Passanten anblicken, um sich so einen Happen zu erbetteln, während es andere auf die harte aber raffinierte Tour versuchen und sich an die Menschen heranschleichen, die gerade was zu essen in der Hand halten, um dann ganz laut zu bellen, damit sie ihren Snack fallen lassen und sie ihn sich schnappen können.

 

Zu ernsten Zwischenfällen kommt es zwischen Streunern und Menschen jedoch nicht. Sie verteidigen zwar untereinander ihre Reviere aber gegenüber den Passanten sind sie zahm und entspannt. Sie scheinen sogar darauf zu achten, nicht unangenehm aufzufallen, um auch weiterhin geduldet zu werden und es heißt, dass sie ihr Geschäft möglichst dezent und nie etwa auf den Gehwegen oder Bahnsteigen verrichten.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

FDoto: Pixabay

 

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