27.10.2022

Neue dänische Partei wird von einer künstlichen Intelligenz geführt

Die Synthetische Partei ist eine neu gegründete politische Gruppierung in Dänemark, die sich der von einer künstlichen Intelligenz (KI) namens »Leader Lars« führen lässt.

 

Von allen politischen Parteien, die in diesem Jahr einen Sitz im dänischen Parlament anstreben, ist Die Synthetische Partei« mit Abstand die interessanteste. Die im Mai vom Künstlerkollektiv »Computer Lars« und der gemeinnützigen Kunst- und Technologieorganisation »MindFuture Foundation« gegründete neue politische Partei hat sich zum Ziel gesetzt, die Politik einer KI zu verfolgen, die auf die Politik aller dänischen Randparteien seit den 1970er-Jahren programmiert wurde, die nie einen Sitz im Parlament erlangt haben. Die Synthetische Partei will nicht nur die Präsenz der KI in der Politik fördern, sondern auch eine Alternative für die 20 Prozent der dänischen Bevölkerung sein, die sich nie an Wahlen beteiligen.

„Wir repräsentieren die Daten aller Randparteien, also aller Parteien, die versuchen, ins Parlament gewählt zu werden, aber keinen Sitz haben", erklärte Kunstforscher Asker Staunæs von der Aarhus University und Gründer der Partei im Interview mit dem Magazin Motherboard. „Es ist also eine Person, die eine eigene politische Vision hat, die sie gerne verwirklichen würde, aber sie hat normalerweise nicht das Geld oder die Ressourcen, um das zu tun."

 

Zu den von der Partei bisher vorgeschlagenen Maßnahmen gehören die Einführung eines allgemeinen Grundeinkommens von 100.000 dänischen Kronen (ca. 13.400 Euro) pro Monat und die Schaffung eines Internet- und IT-Sektors in staatlichem Besitz, der mit anderen öffentlichen Einrichtungen gleichgestellt ist. Die KI beurteilte diese Maßnahmen nach rein logarithmischen Gesichtspunkten und nicht nach den Kriterien eines Menschen. „Da es sich um eine synthetische Partei handelt, können viele der politischen Maßnahmen im Widerspruch zueinander stehen", so Staunæs. „Bei der Synthese geht es darum, bestimmte Tendenzen und Äußerungen innerhalb eines großen, breiten Meinungspools zu verstärken. Und wenn sie sich selbst widersprechen, können sie das vielleicht auf interessante Weise tun und unsere Vorstellungskraft über das, was möglich ist, erweitern."

Da jede politische Partei einen Anführer braucht, hat Die Synthetische Partei einen KI-gesteuerten Chatbot namens Leader Lars entwickelt, mit dem man über Discord kommunizieren kann, einem Onlinedienst für Instant Messaging, Chat, Sprachkonferenzen und Videokonferenzen. Der Chatbot versteht zwar Englisch, antwortet aber nur auf Dänisch. Sein Name wird bei Wahlen jedoch nicht auf den Stimmzetteln stehen, weil das Gesetz dies noch nicht zulässt, doch seine menschlichen Parteimitglieder sind entschlossen, diese Aufgabe stellvertretend für die KI zu übernehmen.

 

„Leader Lars ist das Aushängeschild der Partei. Da Dänemark eine repräsentative Demokratie ist, stehen auf den Stimmzetteln Menschen, die Leader Lars vertreten und sich verpflichten, als Medium für die KI zu fungieren", so der Parteigründer. „Die Menschen, die für Die Synthetische Partei stimmen, müssen uns glauben, als was wir uns verkaufen, nämlich als Menschen, die sich tatsächlich so sehr mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, dass wir etwas Wertvolles aus ihnen herauslesen können."

 

Die Synthetische Partei hat derzeit nur 17 der 20.000 Unterschriften (Stand 26.10.2022), die erforderlich sind, um bei den Wahlen im November kandidieren zu können, und wird es daher wahrscheinlich nicht schaffen. Staunæs sagt jedoch, dass er und seine Kollegen mit anderen Synthetikern aus der ganzen Welt - von Kolumbien bis Moldawien - in Kontakt stehen, um lokale Versionen der Partei zu gründen und schließlich „eine Art Synthetische Internationale" zu gründen.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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