21.04.2022

NASA hat einen Arzt auf die Internationale Raumstation »teleportiert«

Die US-Weltraumbehörde hat Technologie zur erweiterten Wahrnehmung (Augmented Reality) genutzt, um zum erstmals einen Menschen auf der Erde in Echtzeit an Bord der Internationalen Raumstation ISS zu befördern.

 

Unter der sogenannten erweiterten Realität versteht man die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, die alle menschlichen Sinnesmodalitäten ansprechen kann. Sie findet heutzutage in Dutzenden Bereichen wie beispielsweise Militär, Industrie, Architektur, Navigation, Unterhaltungsindustrie, Konstruktion sowie in Wartung und Medizin oder in Flug- und Fahrsimulatoren Anwendung.

Nun hat auch die NASA diese Technologie genutzt und damit bereits im Oktober 2021 die interaktive, dreidimensionale Kopie von echten Menschen auf die Internationale Raumstation zu projiziert. Mithilfe der von Microsoft entwickelten »Holoportations«-Technologie ließ die Raumfahrtbehörde den NASA-Fliegerarzt Dr. Josef Schmid und einige seiner Mitarbeiter auf der orbitalen Plattform »teleportieren«, wo die ISS-Besatzung mit seinem virtuellen Hologramm sprechen und mit ihm interagieren konnte. „Dies ist eine völlig neue Art der menschlichen Kommunikation über große Entfernungen hinweg", äußerte sich Dr. Schmid in einem Statement der NASA. „Es ist eine ganz neue Art der menschlichen Erkundung, bei der unser menschliches Wesen in die Lage versetzt wird, außerhalb des Planeten zu reisen.“

Um seine Anwesenheit an Bord der Raumstation aber auch wahrnehmen zu können, mussten die Astronauten ein spezielles Augmented-Reality-Headset tragen, das mit der bereits erhältlichen HoloLens-Technologie von Microsoft kompatibel ist. HoloLens ermöglicht die Interaktion mit holografischen Objekten via Sprach-, Blick- und Gestensteuerung. So lassen sich Hologramme beispielsweise über gezielte Handgriffe im physischen Raum völlig frei bewegen, positionieren oder in der Größe verändern.

 

Während der Demonstration unterhielten sich Dr. Schmid und sein Team mit dem Astronauten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) Thomas Pesquet. Es war das erste Mal, dass diese Art von Technologie zur Kommunikation im Weltraum eingesetzt wurde. „Unser physischer Körper ist nicht da, aber unsere menschliche Einheit ist absolut da", so Dr. Schmid. „Man stelle sich vor, man könnte den besten Ausbilder oder den eigentlichen Konstrukteur einer besonders komplexen Technologie direkt neben sich haben, wo auch immer man gerade daran arbeitet."

Die Internationale Raumstation (ISS)

Die ISS wird seit Beginn ihres Aufbaus im Jahr 1998 in internationaler Kooperation von 16 Staaten bzw. 5 Raumfahrtagenturen betrieben sowie weiterentwickelt und ist die bislang größte und langlebigste Raumstation der Menschheitsgeschichte. Die Station hat nicht nur dazu beigetragen, unser Verständnis über das Universums zu erweitern, sondern auch den Weg für zahlreiche wissenschaftliche Entdeckungen geebnet und gleichzeitig die internationalen Beziehungen zwischen Dutzenden von Ländern gefördert.

Nachdem sie ursprünglich bereits 2020 ausrangiert werden sollte und die Frist anschließend auf 2024 erhöht wurde, wird sie wird zwar noch einige Jahre länger in Betrieb bleiben, doch laut den letzten Plänen der NASA soll sie im Januar 2031 dann endgültig stillgelegt und ihrer letzten Ruhestätte auf dem Grund des Pazifiks übergeben werden.

Die genauen Pläne der NASA, die im Februar 2022 in einem Statement veröffentlicht wurden, sehen vor, mit Hilfe von drei russischen Progress-Raketen spezielle Manöver mit der Raumstation durchzuführen, um sie schrittweise und kontrolliert der Erde annähern zu lassen, bis sie schließlich im »Point Nemo« (angelehnt an den gleichnamigen Kapitän aus Jules Vernes Roman »20.000 Meilen unter dem Meer«) im Südpazifik abstürzt.

Beim Point Nemo handelt es sich um einen sogenannten »Pol der Unzugänglichkeit«, der verschiedene Positionen auf der Erde, an Land oder auf dem Wasser bezeichnet, die eine maximale Entfernung zur nächstgelegenen Küste haben. In Point Nemo haben bereits viele andere ausgediente Satelliten und Raumfahrzeuge ihre letzte Ruhestätte gefunden. Allerdings kann die NASA noch kein genaues Datum benennen, da man den Termin sehr stark nach dem Sonnenzyklus ausrichten muss, der die Bedingungen in der Erdatmosphäre verändert.


© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: ESA/Thomas Pesquet


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