08.12.2021

Absturzstelle des verschollenen Flug MH370 endlich lokalisiert?

Ein britischer Ingenieur glaubt, die genauen Koordinaten eines seit sieben Jahren vermissten Flugzeugs endlich ausfindig gemacht zu haben.

 

Was genau mit der Maschine der Malaysia Airlines mit der Flugnummer 370 geschah, nachdem sie am 8. März 2014 vom Kuala Lumpur International Airport gestartet ist, ist immer noch eines der gravierendsten Rätsel in der Luftfahrtgeschichte. Bis heute konnten die Überreste des Flugzeugs nicht aufgespürt werden und die zwölf Besatzungsmitgliedern sowie 227 Passagieren wurden schließlich formell für tot erklärt.

 

Ende Juli 2018 veröffentlichten die Behörden in Malaysia dann ihren Abschlussbericht zu dem Fall, in dem sie zugaben, dass sie „die wahre Ursache für das Verschwinden von MH370 nicht ermitteln konnten". Eine unabhängige Untersuchung durch eine Expertengruppe deckte später auch noch Unstimmigkeiten in den Daten auf, die darauf hindeuteten, dass sie unvollständig und möglicherweise sogar manipuliert worden waren. Laut Gruppenleiter Victor Iannello wurden Unregelmäßigkeiten in den Protokollen der Kommunikation zwischen dem MAS Operations Dispatch Center und den Dienstleistern gefunden, welche die Funknachrichten im Rahmen des ACARS (Aircraft Communications Addressing and Reporting System) zwischen Verkehrsflugzeugen und Bodenstationen weiterleiten.

Spätere Ermittlungsergebnisse, die auf einer Analyse umfangreicher Boeing-Flugdaten basierten, deuteten dann darauf hin, dass der Pilot von MH370 das Flugzeug bis zum Schluss unter Kontrolle hatte, da einige der anormalen Kurven des Flugzeugs nur manuell und nicht per Autopilot erreicht werden konnten. Dies bedeutet, dass der Pilot Zaharie Ahmad Shah das Flugzeug und alle seine Passagiere absichtlich zum Absturz gebracht haben könnte.

 

Auch jetzt, sieben Jahre nach der Katastrophe, wissen die Ermittler immer noch nicht, was tatsächlich passiert ist, doch es wurden zwischenzeitlich eine kleine Menge an Trümmern gefunden, die ein paar verlockende Hinweise liefern. Zuletzt hat die Analyse eines Flügelspoilers, der im August 2020 in Südafrika angeschwemmt wurde, nicht nur eine mögliche neue Absturzstelle für das Flugzeug offenbart, sondern auch Indizien dafür geliefert, dass das Flugzeug in seinen letzten Momenten mit einem plötzlichen und unkontrollierten »Sturzflug« vom Himmel fiel. Dies würde zumindest die Theorie stützen, dass die Besatzung möglicherweise aufgrund von Luftdruckverlust in der Kabine eine Hypoxie erlitt und bewusstlos wurde. Allerdings mehrten sich die Indizien, dass das Flugzeug nicht verunglückte, sondern von seinem Piloten aus unbekannten Gründen absichtlich ins Verderben gesteuert wurde.


Die neuesten Untersuchungen des Luft- und Raumfahrtingenieurs Richard Godfrey - einer der führenden Ermittler in diesem Fall - legen nahe, dass er die letzte Ruhestätte von MH370 in einem Teil des Indischen Ozeans, 2,000 km westlich von Perth in Australien, lokalisieren konnte. Die Absturzstelle fand er, indem er mehrere Datensätze aus unterschiedlichen Quellen zum letzten Aufenthaltsort der Unglücksmaschine kombinierte. „Niemand kam zuvor auf die Idee, mal die Inmarsat-Satellitendaten mit Boeing-Leistungsdaten, ozeanographischen Treibgutdaten und mit WSPR-Netzdaten zu kombinieren", erklärte Godfrey im Interview mit den BBC News. „Wir hoffen, dass wir den Angehörigen nun endlich einen Schlussstrich zu der Tragödie ziehen lassen und der fliegenden Öffentlichkeit sowie der Luftfahrtindustrie Antworten auf die Frage geben können, was genau mit MH370 passiert ist und wie wir dies in Zukunft verhindern können."

 

Godfreys Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Wrack in einer Tiefe von bis zu 4.000 Metern in einem bestimmten Gebiet liegt, das sich über 40 Seemeilen erstreckt und damit einen weitaus kleineren Radius abdeckt als alle bisherigen Suchaktionen. „Das Wrack könnte sich hinter einer Klippe oder in einem Canyon auf dem Meeresboden befinden", sagte er. „Und möglicherweise wird man drei oder vier Anläufe benötigen, bevor man etwas entdeckt.“ Die Suche vor Ort erweist sich jedoch als eine große Herausforderung. „Die Finanzierung der neuen Suchaktion wird das Problem sein", beklagt Godfrey. „Realistischerweise wollen wir während des lokalen Sommers im Südpolarmeer sein - das wäre ungefähr jetzt. Die Suche könnte also erst wieder in 12 Monaten losgehen, weil man die Mittel nicht in kurzer Zeit zusammenbekommt und vor Ort sein kann.“

 

Man darf gespannt sein zu sehen, was - wenn überhaupt - er an dieser Stelle entdeckt, wenn die Suche beginnt.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Linus Follert, Wikimedia Commons, Bearb. F. Calvo


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