16.10.2020

Tunguska-Rätsel: Meteor streifte vermutlich die Erde

Ein Wissenschaftlerteam um Daniil Khrennikov von der Sibirischen Föderalen Universität in Russland hat eine neue Theorie zum Tunguska-Ereignis veröffentlicht, das das Rätsel vielleicht endlich lösen könnte.

 

Jeder dürfte das Tunguska-Ereignis in der Nähe des Flusses Steinige Tunguska in der heutigen Region Krasnojarsk kennen (Koordinaten 60°53‘ N, 101°53‘ O). Dort soll gemäß der vorherrschenden Theorie am Morgen des 30. Juni 1908 ein Steinasteroid oder eisiger Komet von geringer Dichte und einem Durchmesser von 30 bis 80 Metern in einer Höhe von etwa fünf bis vierzehn Kilometer am Himmel explodiert sein. Die Wucht dieser Detonation knickte auf einer Fläche von 2.000 Quadratkilometern rund 60 Millionen Bäume wie Streichhölzer um und die Schockwellen liefen dreimal um den Globus. Noch in 65 Kilometern Entfernung vom Epizentrum der Explosion gingen Fensterscheiben zu Bruch und selbst 700 Kilometer entfernt bebte die Erde so stark, dass Lokführer glaubten, mit ihrem Zug zu entgleisen. Nicht auszudenken, wie umfangreicher die Folgen gewesen wären, wenn der Himmelskörper eingeschlagen wäre!

Doch einige der vorhandenen Beweise widersprechen dieser Theorie. Es gab nur eine Handvoll von Augenzeugenberichten über das Ereignis und diese beschrieben es wie als „wenn sich der Himmel in zwei Hälften spaltete", eine gewaltige Explosion sowie ein ausgedehntes Feuer. Insgesamt liefern sie jedoch den Beweis, dass der Einschlagkörper an jenem Morgen vor der Explosion etwa 700 km durch die Atmosphäre geflogen ist.

 

Nun kommen Khrennikov und Co. in ihrer auf dem Dokumentenserver arXiv.org veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass die Explosion nicht von einem Eismeteor, sondern von einem Eisenmeteor verursacht wurde, der die Erde streifte, in einem flachen Winkel in die Atmosphäre eintrat und dann wieder ins All hinausflog.

 

Das hatten Simulationen bestätigt, bei denen russischen Wissenschaftler die Wirkung von Meteoriten aus Gestein, Metall oder Eis, die sich mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Sekunde durch die Erdatmosphäre bewegen (Meteoriten treten mit einer Mindestgeschwindigkeit von 11 Kilometern pro Sekunde in die Atmosphäre ein). Durch die Reibung mit der Atmosphäre werden diese Objekte sofort erhitzt, doch während Eisen bei etwa 3.000 Grad Celsius verdampft, reichen bei Wasser bereits 100 Grad Celsius aus, weshalb sich eisige Meteoriten nicht lange in der Erdatmosphäre halten können.


Khrennikov und seine Kollegen berechneten, dass ein Eiskörper, der groß genug gewesen wäre, eine solche große Explosion zu verursachen, nicht mehr als 300 Kilometer durch die Atmosphäre geflogen wäre, bevor er vollständig verdampft. Das deutet also darauf hin, dass der Tunguska-Meteor unmöglich aus Eis bestanden haben kann.

 

Stattdessen glauben die Forscher, dass sich ein anderes Szenario abgespielt haben und die Explosion von einem Eisenmeteoriten von der Größe eines Fußballstadions verursacht worden sein muss. Dieser muss durch die obere Atmosphäre geflogen, sich sehr schnell erhitzt haben und dann wieder zurück im All entschwunden sein. Die Schockwelle aus dieser Flugbahn war es, die die Bäume umknicken ließ.

 

Die Schockwelle eines solchen Eisenmeteoriten hätte tatsächlich eine Explosion von ungefähr dem Umfang verursacht, der dokumentiert wurde. Und das verdampfte Eisen wäre zu Staub kondensiert und zu Boden gerieselt, wo es nicht mehr zu unterscheiden gewesen wäre. Es könnte sogar den Staub in der oberen Atmosphäre erklären, der nach dem Einschlag über Europa gemeldet wurde.

 

Wenn Khrennikov und sein Team Recht haben sollten, dann ist die Erde am 30. Juni 1908 mit viel Glück von einer äußerst verheerenden Katastrophe verschont worden, denn ein direkter Einschlag mit einem 200 Meter breiten Meteoriten hätte Sibirien verwüstet und einen 3 Kilometer breiten Krater hinterlassen. Er hätte auch katastrophale Auswirkungen auf die Biosphäre gehabt und vielleicht auch unsere moderne Zivilisation beendet.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: PD - Leonid Kulik 

Verwüstete Landschaft nach dem Tunguska-Ereignis von 1908
Verwüstete Landschaft nach dem Tunguska-Ereignis von 1908

* Die Beiträge unterliegen dem Urheberrechtsschutz und das Kopieren ist nur für nichtkommerzielle Zwecke und dem deutlich sichtbaren Hinweis auf den Autor und dem Direktlink zu http://terra-mystica.jimdofree.com gestattet. Siehe unsere Urheberrechtsbestimmungen.

_______________________________________________________________


Outdoor- &

Krisenvorsorge-Produkte

- Langzeitlebensmittel

- Wasseraufbereitung

- Bekleidung

- Saatgut

- Sicherheit

- Leuchtgeräte

- Aufbewahrung

   und vieles mehr  hier

Mode & Style

Belletek Ultraschall

Schädlingsbekämpfer

für Spinnen, Moskitos, Mäuse, Fliegen, Kakerlaken ...

(Versandkostenfrei)

Apple AirPods Pro Kabellose Kopfhörer für  immersiven Klang

(Versandkostenfrei)

Mystery-Magazin

Ausgabe Sept./Oktober 2020

Preis: 8,90 €

(Versandkostenfrei in Europa)

NEXUS-Magazin

Ausgabe Okt./November 2020

Preis: 8,90 €

(Versandkostenfrei in Europa)

RAUM & ZEIT

Ausgabe Sept./Oktober 2020

Preis: 9,90 €

(Versandkostenfrei in Europa)

Terra Mystica

eBook

ca. 232 Seiten mit vielen Abbildungen für 6,99 € inkl. MwSt.

Hier bestellen:

amazon.de