01.02.2021

War die mysteriöse »Betz-Kugel« außerirdischer Herkunft?

Eine rätselhafte Metallkugel, die bei einer Familie aus dem US-Bundesstaat Florida in der Nähe ihres Hauses gefunden wurde, verbirgt ein jahrzehntelanges Rätsel.

 

Der Geschäftsmann Nettleton Neff hatte das sogenannte »Neff House« in den 1920er-Jahren von dem bekannten Architekten Mellen Clark Greeley als seine Winterresidenz auf Mount Cornelia, der höchstgelegen Stelle in Fort George Island, einem Stadtviertel in Jacksonville bauen lassen. 1967 kauften der Meeresbiologe Antoine Betz und seine Frau Gerri, Präsidentin einer Immobilien- und Landentwicklungsfirma, das Gebäude im Neu-Tudorstil und ließen es erst einmal sanieren, bevor sie mit zwei ihrer insgesamt sechs Kindern dort einzogen.


Am 27. März 1974 sahen sich Antoine, Gerri und ihr 21-jähriger Sohn Terry die Schäden an, die ein kleines Buschfeuer in der Nähe ihres Hauses angerichtet hatte, als sie im Gras eine seltsame Metallkugel mit einem kleinen Dreieck auf der Oberfläche entdeckten. Obwohl sie sauber und völlig rostfrei war und sogar glänzte, glaubten sie, es handele sich um eine alte historische Kanonenkugel und nahmen sie mit.

 

Einige Tage später spielte Terry gerade auf seiner Gitarre, als die Kugel plötzlich wie eine Stimmgabel zu seiner Musik zu schwingen begann und dabei ein pulsierendes Geräusch machte, das den Hund verschreckte. Doch das sollte offenbar nur der Anfang einer Reihe unerklärlicher Vorfälle im Haus sein. Laut Abandoned Florida vernahm die Familie Orgelmusik, obwohl es kein solches Instrument im Haus gab, zudem folgten mysteriöse Telefonanrufe, fremdartige Stimmen und zuschlagende Türen sowie Porzellan und Glas, das von selbst aus geschlossenen Schränken auf den Boden fiel.

 

Die Familie Betz kam zu dem Schluss, dass dies alles irgendwie der seltsamen Kugel zusammenzuhängen schien und wandte sich an die Zeitungen, um Hilfe bei der Identifizierung des seltsamen Artefakts zu erhalten. Das Jacksonville Journal schickte ihren Fotografen Lou Egner zu dem Haus, der Zeuge wurde, wie die auf dem Boden gelegte Kugel wie von Geisterhand zunächst wegrollte und dann stehen blieb. Dann drehte sie sich und rollte über einen Meter nach rechts. Dann drehte sie sich wieder und rollte etwa 2,5 Meter nach links, machte einen großen Bogen und kam vor seinen Füßen zum Stehen.

Die Geschichte machte international Schlagzeilen und von Forschern bis hin zu Verschwörungstheoretikern wollte jeder die 20 Zentimeter große und knapp zehn Kilo schwere Kugel untersuchen, die mittlerweile auch als die »Betz-Kugel« bezeichnet wurde. Zu diesem Personenkreis gehörte auch Carl Willson vom Omega Minus One Institut in Baton Rouge, Louisiana. Willson verbrachte sechs Stunden mit der Untersuchung der Kugel und berichtete anschließend, dass sie nicht nur ein Magnetfeld aufwies, sondern auch ein Radiosignal aussandte.

 

Dr. James Harder, Professor für Strömungsmechanik an der Universität von Kalifornien in Berkeley, untersuchte die Betz-Kugel ebenfalls und schilderte, dass die Hülle aus einer Eisen-Chrom-Legierung bestand und die Röntgenbilder offenbart hätten, dass sie einen Kern aus Uran besitzt - möglicherweise sogar aus einem Element mit einer höheren Ordnungszahl. Er schloss daraus, dass es sich um ein kleines außerirdisches Flugobjekt handeln könnte.

 

Andere fanden eine rationalere Erklärung. So kam die U.S. Navy nach einem Metallurgietest und einer Röntgenuntersuchung der Kugel zu dem Schluss, dass die Kugel innen hohl war und aus rostfreiem Stahl bestand, was für sie bedeute, dass sie von Menschenhand gemacht worden sein musste. Und auch Dr. J. Allen Hynek, ein bekannter UFO-Forscher und Astronom an der Northwestern University in Chicago, kontaktierte die Familie Betz und bat darum, die Kugel untersuchen zu dürfen. Hynek kam ebenso zu dem Ergebnis, dass man es lediglich mit einer normalen, hohlen Stahlkugel zu tun habe. Später stellte sich heraus, dass die Edelstahlkugel zufällig perfekt zu einem Bauteil passte, das ein Ausrüster in Jacksonville auf Lager hatte.

 

Die Familie Betz allerdings konnte nicht glauben, dass eine stinknormale Eisenkugel fähig sein sollte, plötzlich in ihrem Garten aufzutauchen und fortan die nicht nur von ihnen beobachteten Paraphänomene auszulösen. Schließlich verkauften sie 1985 das Haus, um der ganzen Belastung zu entfliehen, die ihre Kugel mittlerweile in ihr Leben gebracht hatte.

 

Bis heute ist die Betz-Kugel Thema kontroverser Debatten und Verschwörungen.

 

Fernando Calvo* für Terra Mystica

Antoine und Gerri Betz mit der Betz-Kugel in 1975
Antoine und Gerri Betz mit der Betz-Kugel in 1975

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