02.03.2022

Wissenschaftler untersuchen vermeintliche Mumie einer »Meerjungfrau«

Eine jahrhundertealte geheiligte »Meerjungfrauen-Mumie« soll von japanischen Wissenschaftlern fachmännisch untersucht werden, um die wahre Natur hinter der mysteriösen Kreatur zu ermitteln.

 

Dem Bericht der The Asahi Shimbun zufolge, der zweitgrößten Zeitung der Welt, wurde das 30 Zentimeter lange, kostbare Artefakt am 2. Februar vom Oberpriester des buddhistischen Enjuin-Tempels der Stadt Asakuchi aus seiner Paulownia-Holzkiste herausgenommen und im Computertomografie-Raum der Veterinärklinik der Universität ganz vorsichtig auf dem Untersuchungstisch gelegt.

Die Mumie lag auf dem Rücken und schien in einem Schrei eingefroren zu sein, während sie sich die Hände vor den Gesicht hielt. Neben Nägeln und Zähnen erkannte man Haare auf dem Kopf und Schuppen auf dem Unterkörper der seltsamen Kreatur. Laut einer Notiz, die sich in derselben Kiste mit der »Meerjungfrau« befand, wurde sie zwischen 1736 und 1741 von Fischern an der Küste der Provinz Tosa (der heutigen Präfektur Kochi) gefangen.

 

Die Familie Kojima aus der Provinz Bingo-Fukuyama kaufte die Mumie, bevor sie später nach der Meiji-Ära (1868-1912) verschiedene Besitzer wechselte. Irgendwann im letzten Jahrhundert landete sie schließlich in dem Enjuin-Tempel von Asakuchi. Das seltsame Wesen, das halb Mensch, halb Fisch einer klassischen Meerjungfrau ähnelt, wurde jahrzehntelang an dieser heiligen Stätte ausgestellt, bis es eingelagert wurde, um es zu schützen.

Seitdem geriet die mumifizierte Meerjungfrau in Vergessenheit, bis sie von Hiroshi Kinoshita von der Okayama Folklore Society wiederentdeckt wurde, als er die Werke des berühmten japanischen Naturhistorikers Kiyoaki Sato studierte, der über mysteriöse Kreaturen schrieb. Nachdem der Forscher den Standort des antiken Relikts ausfindig machen konnte, machte er Wissenschaftler der Kurashiki Universität des Landes darauf aufmerksam und schlug ihnen vor, das seltsame Exemplar zu untersuchen. Bemerkenswerterweise war der Tempel offen für eine solche Analyse seines wertvollen Stücks und übergab die Überreste der Kreatur einem Team von Spezialisten der Universität.

 

Das Forscherteam plant nun, eine Reihe von Untersuchungen an der »Meerjungfrau« durchzuführen, darunter eine morphologische Analyse, DNA-Tests sowie Computertomografie-Scans. Zusätzlich werden andere Teammitglieder versuchen, herauszubekommen, wie die Kreatur mumifiziert wurde. Kinoshita selbst will einen folkloristischen Blick auf das Relikt werfen, um seine vollständige Geschichte zu erzählen.

Die japanischen Forscher haben angekündigt, ihre vollständigen Ergebnisse noch in diesem Jahr zu veröffentlichen. Aber diejenigen, die sich von dieser Studie erhoffen, dass es bestätigt, dass es sich bei der Kreatur tatsächlich um eine echte Meerjungfrau handelt, sollten ihre Erwartungen zurückschrauben, denn Untersuchungen ähnlicher Relikte haben bisher stets ergeben, dass es sich lediglich um zwei verschiedene Tiere handelte - beispielsweise einen Affen und einen Lachs - die handwerklich sehr aufwendig zusammengesetzt wurden.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Kunio Ozawa

 

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