25.10.2022

Amerikas elitärer Luft- und Raumfahrt-Verband erforscht nun auch UFOs

Die größte Organisation technischer Experten der Regierung und des Privatsektors in den Vereinigten Staaten ist zu dem Schluss gekommen, dass die jüngsten Diskussionen zu dem UFO-Phänomen zeigen, dass diese Objekte ein Sicherheitsrisiko für die Luftfahrt darstellen. Deshalb haben sich ihre besten Raumfahrtingenieure und Wissenschaftler zusammengeschlossen, um Pläne und Strategien zu entwickeln, die uns vor UFOs schützen.

 

Der US-amerikanische Berufsverband für Luft- und Raumfahrttechnik (American Institute of Aeronautics and Astronautics, AIAA) dem unter anderem die größten Verteidigungs- und NASA-Vertragspartner des Landes angehören, hat drei Ausschüsse eingerichtet, die die Technologie und die Auswirkungen auf die Sicherheit von Piloten und Passagieren untersuchen und sich mit Regierungsbehörden und internationalen Forschern, die sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigen, abstimmen sollen.

Das von ihnen gestartete Projekt zielt darauf ab, UAPs zu untersuchen, weil sie der Ansicht sind, dass die jüngsten Nahbegegnungen mit rätselhaften Flugobjekten ein großes Sicherheitsrisiko für Militär- und Verkehrsflugzeuge darstellen. UAP (Unidentified Aerial Phenomena, deutsch: unidentifiziertes Luft-/Luftraum-Phänomen) ist die neuerdings gerne verwendete Bezeichnung für nicht identifizierte Flugobjekte (UFOs).

 

„Wir betreten da Neuland. Dieses Thema ist nicht jedermanns Sache. Es geht nicht darum, Menschen zu zwingen, sich damit zu beschäftigen, wenn sie noch nicht dazu bereit sind, doch sie müssen sich damit auseinandersetzen. Es gibt mehr, als wir im Moment bewältigen können“, erklärte Ryan Graves, ein ehemaliger Kampfpilot der U.S. Navy und Verteidigungsunternehmer, der den Vorsitz der AIAA-Interessengemeinschaft für unidentifizierte Luft- und Raumfahrtphänomene innehat, im Gespräch mit Politico. „Wir müssen Teile aus vielen verschiedenen Bereichen nehmen und sie auf neue Weise kombinieren, um Antworten zu finden", fügte Graves hinzu, der 2014 und 2015 über seine eigenen Erfahrungen mit UFOs berichtete, die über seinem F/A-18 Hornet-Kampfjet schwebten.


Er beschreibt diejenigen, die sich bereits für das Projekt angemeldet haben, um ihr Fachwissen zur Verfügung zu stellen, als ein breites Spektrum von „Personen, die mehr als 30 Jahre bei der NASA gearbeitet haben" bis hin zu „nicht-traditionellen Mitgliedern aus der Tech-Community". Zahlreiche Angehörige der 30.000 Mitglieder zählenden AIAA - die sich aus Auftragnehmern der Luft- und Raumfahrtindustrie, Regierungsbehörden, Denkfabriken und Start-ups zusammensetzen - hätten bereits für die Bemühungen unterschrieben haben und wären von dem Projekt sehr begeistert gewesen. Ihnen zur Seite steht auch Ravi Kopparapu, ein Planetenforscher bei der US-Raumfahrtbehörde NASA, der dort die mögliche Bewohnbarkeit erdähnlicher Planeten untersucht.

 

Diese neu gegründete AIAA-Initiative soll sich in erster Linie auf die Auswirkungen auf die Flugsicherheit konzentrieren, wenn unangemeldete Flugzeuge in den geschützten militärischen Luftraum eindringen oder gefährlich nahe an kommerziellen Flügen vorbeifliegen. Graves nannte als Beispiel die 11 Beinahe-Zusammenstöße seit 2019 - bei denen UFOs bis auf 150 Meter an ein Flugzeug herankamen -, über die der stellvertretende Direktor des Nachrichtendienstes der U.S. Navy, Scott Bray, dem Kongress im Mai informierte (wir berichteten hier und hier). „Das ist fast so, als würde man als Pilot eine Kugel an sich vorbeifliegen sehen, oder?" beschrieb Graves eine derartige Begegnung mit einem vorbeirauschendem UFO. „Die Leute haben keine Ahnung, was da vor sich geht. Es wird die Menschen erschrecken."

Die Bemühungen der AIAA werden gemäß einem internen Briefing von der Überzeugung angetrieben, dass die Ungewissheit über UFOs Piloten, Passagiere und militärische Kräfte unkontrollierten Risiken aussetzt. So lautet ihr Auftrag „die Sicherheit in der Luftfahrt zu verbessern, indem die wissenschaftlichen Kenntnisse über die Erforschung unidentifizierter Luftphänomene erweitert und Hindernisse abgebaut werden". Und sie behauptet, dass „die AIAA in einer einzigartigen Position ist, um unserer Regierung und unseren Bürgern als neutrale wissenschaftlich-technische Ressource zu dienen".

 

Während sich die Initiative offiziell in erster Linie auf die Beseitigung von Sicherheitsrisiken konzentrieren soll, behauptet Graves, dass die eigentliche Absicht darin besteht, mehr über jene UFOs zu erfahren, die wirklich unerklärlich sind. Die überwiegende Mehrheit der gemeldeten Sichtungen lässt sich seiner Meinung nach aber erklären, wie etwa eine Drohne, die von einem Hurrikan rund 800 Kilometer hochgetragen wurde.

Er geht davon aus, dass das meiste davon irgendwann erklärt werden kann, weshalb er ihren Schwerpunkt darin sieht, ihre technischen und wissenschaftlichen Anstrengungen sowie Energie auf den anomalen Datensatz anzuwenden. „Es geht nicht darum, sich auf gegnerische Drohnenprogramme oder [Drohnen-]Eingriffe in den militärischen Luftraum zu konzentrieren", so Graves.

 

Das neue AIAA-Komitee, das sich mit der Hardware solcher unerklärlichen Fluggeräte befasst, hat eine Reihe von Studien in Arbeit. Es hofft, bis Ende des Jahres einen wissenschaftlichen Rahmen für die Katalogisierung der Mittel zur Erkennung von UFOs fertigstellen zu können. Bis Ende 2023 soll der erste »State of Tech Report« veröffentlicht werden, gefolgt von einem von Fachleuten begutachteten Forschungsmanuskript Anfang 2024, in dem die Methoden zur Bewertung von UFOs detailliert beschrieben werden.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay/AIAA, CC0 Creative Commons


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