19.05.2022

Fazit der Anhörung zum UFO-Phänomen vor dem US-Kongress

Am vergangenen Dienstag fand vor einem Unterausschuss des US-Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses die weltweit mit Spannung erwartete Anhörung zu unidentifizierte Luftphänomenen (UAPs) statt (wir berichteten hier). Es ist in der Tat sehr ungewöhnlich, dass ein solches Ereignis überhaupt stattfindet, und es war das erste Mal seit über fünf Jahrzehnten, dass wieder eine öffentliche Anhörung zum UFO-Phänomen im Kongress abgehalten wurde.

 

Im Mittelpunkt der neunzigminütigen Anhörung (die man unten im Video in voller Länge einsehen kann) stand die Arbeit der kürzlich vom Pentagon eingerichteten Airborne Object Identification and Management Synchronization Group (AOIMSG), die UAPs im »Special Use Airspace« (Luftraum für besondere Zwecke) aufspüren, identifizieren und feststellen soll, ob diese Anomalien eine Bedrohung für die öffentliche oder nationale Sicherheit darstellen. Zu dieser Untersuchung sagten der stellvertretende Direktor des Marinegeheimdienstes (ONI) Scott Bray und der stellvertretende Verteidigungsminister für Nachrichtendienste und Sicherheit Ronald Moultrie aus, der die neu gegründete UAP-Forschungsgruppe leitet.

Die beiden Zeugen wiesen darauf hin, dass bereits ein beträchtliches Maß an Arbeit geleistet wurde, um das mysteriöse Phänomen zu entstigmatisieren, damit sich Militärangehörige, die mit UAPs konfrontiert werden, sich nicht scheuen, ihre Sichtungen zu melden. „Die Botschaft ist jetzt klar: Wenn ihr etwas seht, müsst ihr es melden", erklärte Bray, „und die Botschaft ist angekommen". Er erklärte weiter, dass obwohl diese Bemühungen dazu geführt hätten, dass die Zahl der von Piloten und Soldaten gemeldeten nicht identifizierten Objekte inzwischen auf 400 gestiegen seien, es nach wie vor nicht gelungen sei, die Natur des Phänomens zu entschlüsseln. Diesbezüglich wies er auch darauf hin, dass diese Berichte sehr unterschiedlich wären, was die Dauer, die Aufzeichnung und die Anzahl der anwesenden Zeugen angeht. „Kurz gesagt, es gibt selten eine einfache Antwort", schloss Bray.

Wie dem auch sei, die beiden Pentagon-Beamten betonten, die UAP-Gruppe bemühe sich ernsthaft um die Untersuchung des Phänomens und versuche nicht, die Sache nur oberflächig anzugehen, um die Öffentlichkeit und die Mitglieder des Kongresses zu beschwichtigen. „Wir wollen genauso wie Sie wissen, was da draußen ist", erklärte Moultrie vor dem Ausschuss und merkte an, dass sie ständig von ihren Freunden und Familienangehörigen auf das Phänomen angesprochen werden. Und im Hinblick auf die Frage nach dem Ursprung des Phänomens sagte Bray, dass „wir innerhalb der UAP-Taskforce keine Anzeichen dafür entdeckt haben, die auf einen nicht-irdischen Ursprung hindeuten würden".

 

Während diese Einschätzung für einige UFO-Forscher entmutigend sein mag, bot die Anhörung dennoch eine Reihe von Erkenntnissen, die zweifellos von Interesse sein werden. Denn in diesem Zusammenhang sagten die Zeugen, dass es keine Versuche gab, mit den UAPs zu kommunizieren, und dass die UAP-Taskforce keine Wrackteile in ihrem Besitz hat. Sie gaben auch an, dass Daten mit einigen anderen Ländern ausgetauscht werden, wollten aber bis zu einer späteren Anhörung mit dem Ausschuss unter Ausschluss der Öffentlichkeit keine konkreten Namen nennen. Eine ähnliche Antwort wurde gegeben, als sie nach Unterwassersensoren gefragt wurden, die unidentifizierte untergetauchte Objekte aufspüren könnten.

Bezeichnend dafür, wie sehr sich die UAP-Gruppe auf aktuelle Ereignisse zu konzentrieren scheint, sagten die beiden hochrangigen Beamten, dass sie den Fall der Malmstrom Air Force Base aus dem Jahr 1967, in dem UFOs mehrere Atomwaffen außer Gefecht gesetzt haben sollen, weder kennen noch untersucht haben. Obwohl sie sagten, dass sie die Angelegenheit auf Veranlassung des Kongressabgeordneten Mike Gallagher aus Wisconsin untersuchen würden, betonten sie, dass die Gruppe in erster Linie Berichte untersucht, die sie direkt von Militärangehörigen erhält, und keine UFO-Berichte aus den Medien oder von der Öffentlichkeit. Darüber hinaus betonten die beiden, dass die Arbeit der Task Force nicht darin bestehe, nach Außerirdischen zu suchen, die sei Unterfangen, das bereits von anderen wissenschaftlichen Organisationen verfolgt werde.

Fazit: Letztendlich scheint die Anhörung lediglich darauf hinzudeuten, dass die neu gebildete Gruppe zwar ernsthaft versucht, das UAP-Rätsel aus der Sicht des Verteidigungsministeriums zu lösen, muss sich aber gleichzeitig mit den vielen gleichen Problemen auseinandersetzen, mit denen sich unabhängige UFO-Forscher seit Jahrzehnten plagen, sei es das soziale Stigma, das das Thema umgibt, oder einfach die unglaublich rätselhafte Natur des Phänomens selbst. Allerdings war nur ein Teil der Anhörung öffentlich, verschiedene Fragen der Abgeordneten an Bray und Moultrie wurden anschließend hinter verschlossenen Türen besprochen, sodass es möglicherweise auch interessante Erkenntnisse zu den UFOs gibt, die aber geheim bleiben sollen.

 

In Anbetracht des beträchtlichen öffentlichen Interesses an der Anhörung vom Dienstag und der Tatsache, dass die Arbeit der Task Force gerade erst begonnen hat, liegt es nahe, dass es nicht wieder über fünfzig Jahre dauern wird, bis der Kongress das Thema erneut aufgreift.

 

© Fernando Calvo* für Terra Mystica

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons

 

VIDEO:


* Die Beiträge unterliegen dem Urheberrechtsschutz und das Kopieren ist laut unseren Urheberrechtsbestimmungen nur für nichtkommerzielle Zwecke und dem deutlichen Hinweis auf den Autor und Direktlink zu http://terra-mystica.jimdofree.com  gestattet.